Auslaufmodell oder Vielversprechend?
Besser als ihr Ruf: Riester-Rente kann lukrativ sein – für wen sich die staatliche Förderung lohnt
Vielen Menschen reicht die gesetzliche Rente nicht aus. Oft braucht es eine private Vorsorge. Doch welche? Von der Riester-Rente halten nur noch wenige etwas. Zu unrecht.
Berlin – Kommt das Thema „Rente“ während eines Gesprächs auf, werden vermutlich besonders junge Menschen entnervt abwinken. Die Aussichten auf einen gesicherten Ruhestand erscheinen wenig rosig, selbst nach jahrzehntelanger Arbeit nicht, wie etliche Beispiele demonstrieren.
Neueste Zahlen des Statistischen Bundesamtes legen nahe, dass Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland hart an der Armutsgrenze entlangschrammen; sie müssen mit weniger als 1250 Euro netto auskommen. In Großstädten, wie Berlin, München oder Hamburg allein schon aufgrund der hohen Mieten eine Herkulesaufgabe.
Umso mehr Grund schon heute an übermorgen zu denken, um nicht später einmal in die Altersarmut abzurutschen. Besonders Familien, jüngere Menschen und Geringverdiener können mit einer eigentlich abgeschriebenen Altersvorsorge einen Grundstein legen.
Besser als ihr Ruf: Experte räumt mit dem miesen Image der Riester-Rente auf
Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland umtreibt nach einer YouGov-Umfrage vom Frühsommer 2023 die Angst vor Altersarmut. Das Vertrauen in die gesetzliche Rente, aber auch in geförderte Altersvorsorge scheint gesunken zu sein. Ein Beispiel: die Riester-Rente.
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Neuabschlüsse bei Riester-Verträgen stetig gesunken. Zu unrentabel, zu unflexibel – so die Kritik an der Riester-Rente. Böse Zungen haben sie aufgrund der niedrigen Zinsen unlängst für tot erklärt. Zu Unrecht, wie Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) findet. Vor allem Geringverdienern mit vielen Kindern könnte die staatlich geförderte Altersvorsorge Sicherheit für die Zukunft versprechen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagt.
Riester-Rente ein Auslaufmodell? Für wen sich die staatliche Förderung lohnen kann
Möglich ist die Riester-Rente für jeden, der in die Rentenkassen einbezahlt. Der Staat bezuschusst Riester-Rentenverträge mit Zulagen und Steuervorteilen. Wer mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens aus dem Vorjahr einzahlt, dem winkt die volle staatliche Zulage. Seit 2018 sind das 175 Euro pro Jahr. Von den vier Prozent des Einkommens werden mögliche Zulagen noch abgezogen. Der Höchstbetrag für das Einzahlen liegt bei 2100 Euro.
Zusätzlich gibt es für Riester-Sparer mit Kindern weitere Zulagen – für jedes vor 2008 geborene Kind 185 Euro pro Jahr, ab 2008 gibt es 300 Euro. „Bei Elternpaaren, die miteinander verheiratet sind und nicht dauerhaft voneinander getrennt leben, wird die Kinderzulage automatisch der Mutter zugeordnet“, informiert die Deutsche Rentenkasse auf ihrer Homepage.
Unter 25-Jährige, die gerade erst in die Arbeitswelt eingetreten sind, bekommen beim Abschluss einer Riester-Rente eine einmalige Zulage von 200 Euro.
Renten-Vorschau: Vor allem Familien mit jungen Kindern profitieren vom Riestern
Eine Beispielrechnung zeigt: am meisten profitieren Familien mit mehreren Kindern von der Riesterförderung – dank der hohen Kinderzulagen. Angenommen es gibt ein Jahreseinkommen von 35.000 Euro und ein Kind, das vor 2008 geboren ist sowie zwei danach, bewegen sich die monatlichen Kosten in einem überschaubaren Rahmen. Laut Riester-Rechner der Deutschen Rentenversicherung sind das gerade einmal 37 Euro. Den vollen Zuschuss gibt es trotzdem.
| 4 Prozent von 35.000 Euro | 1400 Euro |
| Abzüglich der Grundzulage | - 175 Euro |
| Abzüglich der Kinderzulage | - 785 Euro (185 Euro + 300 Euro + 300 Euro) |
| Mindestbetrag (jährlich) | 440 Euro |
| Mindestbetrag (monatlich) | 36,67 Euro |
Doch auch für Geringverdiener ohne Kinder könne nach Experten-Meinung das Konzept eine Überlegung wert sein. Immerhin wurde die „Riester-Rente vornehmlich für Geringverdiener konzipiert, damit sie sich eine Altersvorsorge leisten können und zusätzlich vom Staat unterstützt werden“, wie es auf der Homepage heißt.
Seit 2005 liegt der Sockelbetrag bei der Riester-Rente bei 60 Euro im Jahr. Wessen Vorjahreseinkommen also so gering ist, dass er unter die 60 Euro pro Jahr fällt, muss höchstens diesen Sockelbetrag zahlen, um die volle staatliche Förderung zu erhalten.
Riester-Rente kann sich rentieren – sofern denn noch jemand Verträge anbietet
Rentieren kann sich eine Riester-Rente also noch immer; zumindest für einige Bevölkerungsgruppen. Merten Larisch, Experte für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Bayern, formuliert auf dpa-Anfrage eine Daumenregel: „Wenn der Eigenbeitrag nicht höher als ein Drittel der eingezahlten Summe ist, lohnt sich das.“
Das Problem beim Riestern ist allerdings, dass sich kaum noch Verträge abschließen lassen. Die wenigen, die es noch gibt, seien oft eher dürftig, so Larisch. Allerdings soll die Riester-Rente wohl bald reformiert werden. Experten rechnen sich dann neue und bessere Angebote aus. Bestehende Verträge sollten jedenfalls nicht gekündigt werden, so der Ratschlag. (rku)
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