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Entlastungen für Rentner und Arbeitnehmer: Diese Steuersenkungen plant Lindner
Der Grundfreibetrag wird wohl erhöht: Wie stark können Steuerzahler und Rentner von Christian Linders milliardenschwerem Entlastungspaket profitieren?
Bremen – Ein höherer Grundfreibetrag und damit Entlastungen für Rentner und Steuerzahler in Deutschland: FDP-Finanzminister Christian Lindner hat seine Pläne publik gemacht, nachdem diese im April bereits angekündigt worden waren. Doch wie viel genau gibt es mehr für die Deutschen?
So will Lindner in drei Stufen den Grundfreibetrag anheben. Das berichteten Medien wie die Bild-Zeitung undd das Handelsblatt am Mittwoch (5. Juni) übereinstimmend. Demnach soll das jährliche Nettoeinkommen, bis zu dem keine Steuern gezahlt werden müssen, zunächst rückwirkend zum 1. Januar 2024 um 180 Euro auf 11.784 Euro erhöht werden. So soll der „kalten Progression“ entgegengewirkt werden.
Info: „Kalte Progression“
Der Begriff „kalte Progression“ bezeichnet den Effekt, dass jemand durch eine Lohnerhöhung, die höchstens die Inflationsrate ausgleicht, in einen höheren Steuertarif rutscht, ohne dass das Realeinkommen steigt.
Zum Januar 2025 soll der Freibetrag dann um weitere 300 Euro und zu Januar 2026 noch einmal um 252 Euro steigen. Zudem sind Anpassungen der Einkommensteuertarife geplant, um die Wirkung der Inflation auf den Steuertarif auszugleichen. Höhere Steuern werden so erst ab einem höheren Einkommen fällig. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll dann erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 68.429 Euro fällig werden. Für Ehepaare gilt der doppelte Grundfreibetrag, also ab 2024 23.568 Euro, ab 2025 24.168 Euro und ab 2026 24.672 Euro.
Wie das Handelsblatt schreibt, würden die Steuerzahlenden durch diese Maßnahmen im Jahr 2026 um jährlich 13,3 Milliarden Euro im Vergleich zu 2024 entlastet. Summiert ergeben sich demnach bis dahin Entlastungen von 23,3 Milliarden Euro.
Ab 2026 ist eine Rente von 1007 Euro steuerfrei – veränderter Grundfreibetrag im Fokus
Wer profitiert aber genau? Laut Focusauch Arbeitnehmer, die bisher noch keine Steuern zahlen müssen. Das Portal berechnete einige Beispiele mit dem veränderten Grundfreibetrag. Bei einem Brutto-Jahresgehalt von 45.500 Euro beträgt der zu versteuernde Betrag 33.896 Euro, durch den erhöhten Grundfreibetrag verringert sich dieses auf 33.716 Euro.
Bundesfinanzminister Christian Lindner will die Steuerzahler entlasten. Kritik gibt es von Grünen und SPD. Von den Ampelpartnern heißt es, vor allem die Reichsten würden davon profitieren.
Auch für Rentner ist der Grundfreibetrag relevant. Bei einer Jahresrente von 13.200 Euro sind im Moment 1596 Euro zu versteuern, bei erhöhtem Grundfreibetrag nur noch 1416 Euro. Wie der Bund der Steuerzahler angibt, ergibt sich eine Ersparnis von mindestens 34 Euro netto pro Jahr.
Aktuell ist eine Rente von 967 Euro pro Monat steuerfrei. Ab 2025 ist eine Rente bis 982 Euro nicht zu versteuern, und ab 2026 ab 1007 Euro. Durch die Erleichterungen soll die Kaufkraft der Bürger angekurbelt werden.
Christian Lindner (FDP): „Staat darf nicht der Gewinner der Inflation sein“ – Grundfreibetrag sei verfassungsmäßig geboten
„Der Staat darf nicht der Gewinner der Inflation sein“, betonte Lindner. Sollten die Tarife nicht angepasst werden, wäre das eine „heimliche Steuerentlastung durch Unterlassung“. Die Erhöhung des Grundfreibetrags sei verfassungsmäßig geboten, sagte Lindner. Die Verschiebung der Steuertarife sei zwar kein Gebot der Verfassung, doch „das gleiche Recht muss auch für diejenigen gelten, die unseren Sozialstaat finanzieren“, betonte Lindner.
Steuererklärung 2023: Bei vielen Kosten gibt es Geld zurück
Das Finanzministerium plant außerdem, die Steuerklassen III und V wegfallen zu lassen, und durch Nutzung der Steuerklasse IV eine Benachteiligung zu beseitigen. Bisher nutzte die Steuerklasse III meist der Partner mit dem höheren Einkommen, da sie einen höheren Grundfreibetrag und niedrigere Steuersätze bot. Da der weniger verdienende Partner in Steuerklasse V aufgeführt wurde, hieß dass, dass insgesamt weniger Lohnsteuer abgeführt wurde. Frauen, die im Regelfall weniger verdienen, mussten deutlich mehr Steuern zahlen als Männer.
Kritik an Lindners Plänen aus der Ampel-Koalition – was wird aus Arbeitnehmern und Rentnern?
In der Ampel-Koalition stoßen Lindners Pläne allerdings auf Kritik. „Vorschläge, die zweistellige Milliardenbeträge für Bund, Länder und Kommunen kosten und vor allem die Reichsten im Land entlasten, passen nicht in die Zeit“, sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Audretsch der dpa. Die Haushaltslage sei extrem schwierig – und im Mittelpunkt müssten jetzt die Ukraine und Hilfen für die Hochwasser-Opfer stehen. „Die Schäden in den Flutgebieten werden weitere Kosten in Milliardenhöhe für Bund, Länder und Kommunen nach sich ziehen“, warnte Audretsch.
Der Unionsabgeordnete Sebastian Brehm (CSU) dagegen bezeichnete die Entlastung als unzureichend. Lindner tue gerade einmal, was er laut Grundgesetz ohnehin unbedingt tun müsse. „Das ist unambitioniert und kein Grund zum Feiern.“ (cgsc mit dpa)