Höhere Steuern?

„Für dieses Vermögen nichts geleistet“: Millionen-Erbin engagiert sich für höhere Erbschaftssteuer

Das Geld ist recht ungleich verteilt – einige haben wenig, andere dafür umso mehr. Eine Millionenerbin setzt sich für mehr Gerechtigkeit ein und fordert eine höhere Abgabe für Erben.

Bremen – Eine zweistellige Millionensumme zu erben – das hört sich für viele Menschen sicherlich nach einem Traum an. Für die allerwenigsten wird der Traum wahr. Eine, die viel Geld erbt, ist Marlene Engelhorn. Sie wurde in eine reiche Familie geboren, die Macht findet sie allgemein problematisch und will das Geld eigentlich nicht. Bei spiegel.de sagt sie: „Ich habe begriffen, dass ich für dieses Vermögen nichts geleistet habe“. Sie kämpft für eine höhere Erbschafts- und Schenkungssteuer und um das Verständnis des Machtbegriffs.

Höhere Erbschaftssteuer für Reiche? Eine Millionenerbin setzt sich aktiv dafür ein

Ein Sprichwort besagt: ‚Von Reichen kann man das Sparen lernen‘? Zum Teil trifft das zu und Gesetzeslücken helfen sogar noch dabei. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schreibt auf der eigenen Webseite, wie Millionenerbinnen und Millionenerben das Geld zusammenhalten können: „Wer über 20 Millionen Euro erbt, zahlt im Schnitt nur zwei Prozent Erbschaftsteuer, während es bei einem Betrag zwischen 250.000 und 500.000 Euro etwa zehn Prozent sind.“

Gesetzeslücken helfen reichen Menschen dabei, bei der Erbschaftssteuer zu sparen. (Symbolbild)

Eine Ungerechtigkeit, findet der Verein Taxmenow e.V. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass sich die geltenden Verhältnisse ändern. Auch darunter: Ausgerechnet Millionenerbin Marlene Engelhorn. Sie ist eine von rund 60 Vermögenden, die eine Reform der Erbschaftssteuer fordern. Das Ziel wird auf der Webseite der Initiative zusammengefasst: „Wohlstand, Teilhabe und soziale Sicherheit für alle.“ In der Politik sieht manch einer das anders: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) etwa, geht aktiv gegen eine Änderung der Erbschaftssteuer vor.

Erbschaftssteuer in Österreich kein Thema – in Deutschland viele Ausnahmen

Marlene Engelhorn hat einen deutschen und einen österreichischen Pass. Dadurch musste sie laut Spiegel-Informationen von ihrem Millionenerbe keinen Euro versteuern. „In Deutschland haben Sie eine Erbschafts- und Schenkungssteuer, aber die ist mit solchen Ausnahmen vollgestopft, dass es effektiv lächerlich ist“, sagt Engelhorn zu dem Thema auch im Interview bei Bremen Zwei. Demnach würden rund zwei Prozent beim Fiskus landen von einem jährlich vererbten Vermögen von 400 Milliarden Euro, so die Millionenerbin.

Wenn wir uns darauf verlassen wollen, dass überreiche Menschen durch ihre Spenden die Welt retten, dann müssen wir uns nur umschauen. Die Möglichkeit haben sie ja schon seit Jahrzehnten, aber sie machen es nicht.

Marlene Engelhorn im Gespräch mit Bremen Zwei

Das sei ein Problem, welches politisch gelöst werden müsse: „Steuern sind ein Ergebnis einer politischen Entscheidung. In einer Demokratie bedeutet das, dass sie die maximale Legitimität in der Machtfrage genießen“, sagt sie weiter und pocht auf politische Änderung, da man die Macht nicht in die Hände weniger Menschen legen sollte.

Zehn Steuer-Tricks: So sparen Sie bares Geld bei der Steuererklärung

Jedes Jahr legen Sie mit der Steuererklärung dem Finanzamt Ihre Einnahmen und Belastungen offen. Damit Sie nicht unnötig Geld verschenken, haben wir ein paar Tipps für Sie.
Jedes Jahr legen Sie mit der Steuererklärung dem Finanzamt Ihre Einnahmen und Belastungen offen. Damit Sie nicht unnötig Geld verschenken, haben wir ein paar Tipps für Sie. © MiS/Imago
Nutzen Sie Pauschbeträge wie die Pendlerpauschale. Letztere können Sie immer angeben, egal ob Sie zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit kommen. Dafür gibt‘s 35 Cent pro Kilometer (ab 2022: 38 Cent).
Nutzen Sie Pauschbeträge wie die Pendlerpauschale. Letztere können Sie immer angeben, egal ob Sie zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit kommen. Dafür gibt‘s 35 Cent pro Kilometer (ab 2022: 38 Cent). © Imago/Sabine Gudath
Auch mit der Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Tag (max. 600 Euro im Jahr) lassen sich Steuern sparen. Vorausgesetzt, Sie kommen über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro im Jahr.
Auch mit der Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Tag (max. 600 Euro im Jahr) lassen sich Steuern sparen. Vorausgesetzt, Sie kommen über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro im Jahr. © Imago/Tanya Yatsenko
Auch wer berufsbedingt in eine andere Stadt zieht, kann seine Umzugskosten steuerlich geltend machen.
Auch wer berufsbedingt in eine andere Stadt zieht, kann seine Umzugskosten steuerlich geltend machen. © Vasily Pindyurin/Imago
Im Juli: Mit diesen Tipps sparen Sie Geld (Symbolfoto).
Spenden, wie etwa bei Straßensammlungen, werden beim Finanzamt als Sonderausgaben anerkannt.  © Imago
Wussten Sie schon? Zu den Sonderausgaben zählen übrigens auch bestimmte Versicherungen, wie die Haftpflicht oder Riester-Rente.
Wussten Sie schon? Zu den Sonderausgaben zählen übrigens auch bestimmte Versicherungen, wie die Haftpflicht oder Riester-Rente. © Panthermedia/Imago
Auch die Pflege von Angehörigen lässt sich steuerlich geltend machen.
Auch die Pflege von Angehörigen lässt sich steuerlich geltend machen. So steht pflegenden Arbeitnehmern für das Jahr 2021 ein Pauschbetrag von 600 bis 1.800 Euro zu (je nach Pflegegrad). © Ute Grabowsky/Imago
Feuerwehr. Mit einem Ehrenamt lassen sich Steuern sparen.
Sie üben ein Ehrenamt aus? Dann bleiben jährlich 840 Euro steuer- und sozialabgabenfrei (Stand: 2022). © Martin Wagner/Imago
Fliesenleger bei der Arbeit. Geben Sie Handwerkerkosten unbedingt in der Steuererklärung an – damit sparen Sie bares Geld.
Geben Sie Handwerkerkosten unbedingt in der Steuererklärung an – damit sparen Sie bares Geld. © IMAGO/Achim Duwentäster
Optiker mit Brille. Krankheitskosten wie Brillen, Medikamente und Behandlungskosten werden vom Finanzamt berücksichtigt, sofern sie die Zumutbarkeitsgrenze überschreiten.
Krankheitskosten wie Brillen, Medikamente und Behandlungskosten werden vom Finanzamt berücksichtigt, sofern sie die Zumutbarkeitsgrenze überschreiten. © Westend61/Imago

Die Millionenbeträge; für die breite Masse der Menschen oftmals utopisch. Wer als arm bzw. reich gilt, ist klar definiert, mit einem gewissen Einkommen kann man auch der Mittelschicht angehören.

Erbschaftssteuer: Die Reichsten „könnten einen größeren Beitrag“ leisten

„Diejenigen, die viel besitzen, können einen höheren Beitrag leisten, um die großen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen“, schreibt Taxmenow. Herausforderungen, wie der Klimawandel, die Digitalisierung, Wohnungsmangel oder die effektive Vermögensbildung für alle. Dafür seien ein öffentlicher Diskurs und Debatten wichtig, heißt es in der Initiative.

Wichtig sei Engelhorn, ein Gleichgewicht herzustellen, um dann zu schauen, wie die großen Fragen beantwortet werden können. Die Initiative hat ebenso eine Petition für mehr Besteuerung. Diese bleibt in diesem Jahr aktiv. (cbl)

Rubriklistenbild: © Andrey Popov/Imago

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