Messenger-Dienst im Porträt

Wie WhatsApp zum größten Messenger-Dienst der Welt wurde

WhatsApp begann 2009 seinen Siegeszug zum beliebtesten Messenger der Welt. Milliarden nutzen ihn, doch es gibt auch immer wieder Kritik an dem Nachrichtendienst.

Hamburg – Für Millionen Menschen in Deutschland ist ein Leben ohne WhatsApp nicht mehr vorstellbar. Dabei wurde der Messenger-Dienst erst 2009 eingeführt – zuvor verhalf man sich meist per klassischer SMS, um Handy-Nachrichten zu versenden. Heute bietet die Smartphone-App zahlreiche nützliche Funktionen, längst ist aus dem Chat-Messenger ein multimedial nutzbarer Helfer im Alltag geworden.

EntwicklerWhatsApp Inc. / Meta Platforms
Erscheinungsjahr2009
BetriebssystemAndroid, iOS (Mobil), Windows, Mac (Desktop)
Kostenkeine (seit 2016)
SitzMountain View, Kalifornien (USA)

Eine Analyse des Erfolgszugs von WhatsApp über Nutzer-Statistiken und Funktionen und Kritik am Datenschutz des Messaging-Dienstes.

Zuckerberg-Firma Meta kauft WhatsApp

Das Unternehmen wurde 2009 in Kalifornien von Jan Koum und Brian Acton gegründet, WhatsApp ist ein Wortspiel aus dem englischen „What‘s up?“ (“Was ist los?“) und dem Wort „App“ (Applikation, Anwendung). In der ersten Version war es lediglich möglich, Status-Meldungen zu veröffentlichen, die von Freunden gesehen werden konnten.

Nach der Implementierung von Chatfunktionen wuchs der einst kostenpflichtige Messenger rasant und wurde am 19. Februar 2014 von Meta Platforms, vormals Facebook Inc., übernommen. Das Unternehmen von Mark Zuckerberg bezahlte dafür 19 Milliarden US-Dollar - 4 Milliarden in bar, den Rest in Form von Facebook-Aktien.

Obwohl WhatsApp 2016 eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einbaute und damit Sicherheits-Bedenken eindämmte, ist es seit der Facebook-Übernahme permanent in der Kritik wegen möglicher Verletzungen des Datenschutzes.

Datenschutz-Vereinbarungen bei WhatsApp sorgen für Kritik

So empfahlen einige Datenschutzbeauftragte und -experten, andere Messenger-Dienste europäischer Anbieter zu nutzen. WhatsApp übermittelt standardmäßig alle Telefonnummern und Namen aus den Adressbüchern der Smartphones seiner Nutzer an Server in den USA - darunter sind auch Kontaktpersonen, die WhatsApp überhaupt nicht nutzen. 2014 nahmen deshalb auch niederländische und kanadische Behörden Ermittlungen wegen Datenschutz-Verletzungen auf.

2017 verließ einer der Gründer, Brian Acton, WhatsApp, um den Konkurrenz-Dienst Signal zu unterstützen - ein Unternehmen, das besonderen Wert auf Datensparsamkeit und eine sichere Verschlüsselung legt. Auch der zweite Gründer Jan Koum kehrte dem Messaging-Dienst 2018 den Rücken. Grund für seinen Abgang war die Entscheidung Facebooks, Werbung zu nutzen, um dadurch Geld durch die Nutzerdaten einnehmen zu können. Dieses Geschäftsmodell hatten beide Gründer einst abgelehnt.

Jan Koum gründete WhatsApp 2009 gemeinsam mit Brian Acton

Dank der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erstickte WhatsApp zumindest die anhaltenden Sicherheitsdiskussionen. Durch diese Funktion hat das Unternehmen keine Möglichkeit, den Inhalt von Nachrichten einzusehen oder Anrufe abzuhören. Die Verschlüsselung stellt sicher, dass alle gesendeten und empfangenen Nachrichten über den Messenger ausschließlich auf dem eigenen Smartphone stattfinden.

WhatsApp in Zahlen: 2 Milliarden Nutzer, 100 Milliarden Nachrichten

Trotz der Kritik gehört WhatsApp nicht nur zu den beliebtesten Messagern weltweit, es ist auch der meistgenutzte. Bereits im April 2015 galt es als der am schnellsten wachsende Dienst in der Geschichte des Internets.

Die Statistiken sind beeindruckend: 2023 nutzten 2 Milliarden Menschen weltweit WhatsApp. Kein anderer Messenger weltweit hat mehr Nutzer. Auf Platz zwei liegt der chinesische Messenger-Dienst WeChat mit 1,2 Milliarden Usern. Im Reich der Mitte ist WhatsApp zwar seit 2017 verboten, kurioserweise gehört das Land dennoch zu den Staaten mit den größten Wachstumszahlen von WhatsApp-Downloads weltweit. Drittbeliebteste Messaging App ist der Facebook-Messenger mit knapp einer Milliarde Nutzern.

Obwohl Indien mit fast 500 Millionen Downloads mit Abstand das Land mit den meisten Usern ist, ist der Messenger besonders in Europa beliebt. In Deutschland öffnen mehr als 50 Millionen Menschen täglich die App. Dabei bilden laut Datareportal hierzulande die 16-bis 19-Jährigen die größte Nutzergruppe auf WhatsApp: Fast 90 Prozent der Gruppe nutzen den Messenger. Diese Zahl nimmt mit dem Alter ab, bei den über 60-Jährigen liegt die Zahl nur noch bei knapp über 50 Prozent.

Noch beeindruckender ist die Zahl versandter Chatnachrichten: Ende 2020 zählten die Statistiker pro Tag rund 100 Milliarden WhatsApp-Nachrichten - Tendenz steigend. Die Anzahl versandter Bilder beträgt 3,8 Milliarden Bilder täglich. Auch Kriminelle nutzen die App und versuchen mit verschiedenen Betrugsmaschen an Daten oder Geld von Nutzern zu kommen.

Die wichtigsten Funktionen von WhatsApp

WhatsApp wird vor allem als Messenger genutzt. Dabei gibt es sowohl die Möglichkeit, mit einer Person als auch mit einer Gruppe zu kommunizieren. Wenn man Teil einer Gruppe ist, kann man in dieser wie auch im Einzelchat Nachrichten, Bilder, Videos, Dateien und mehr teilen.

WhatsApp ist der beliebteste Messenger-Dienst der Welt

Auch das Telefonieren per WhatsApp ist möglich, sowohl per Sprach- als auch per Videoanruf können Sie sich mit einer oder mehreren Personen in Ihrer Kontaktliste unterhalten. Dieser Dienst ist allerdings nur im WLAN kostenlos. Sind Sie im sogenannten Roaming, also mobil im Ausland online, fallen fürs Telefonieren über WhatsApp Kosten an.

Ist die Nutzung von WhatsApp kostenlos?

Ansonsten ist die App seit Anfang 2016 allerdings kostenfrei - egal, ob Sie sie für Sprachnachrichten, Videoanrufe oder Chats nutzen. Lediglich das Datenvolumen sinkt, sobald Sie sich nicht mehr im WLAN-Netz befinden.

Sehr beliebt bei WhatsApp-Nutzern ist die Funktion Status, mit der Sie Bilder oder Videos teilen können, ohne sie direkt in einem Chat zu verschicken. Statusmeldungen können alle Personen sehen, deren Telefonnummer sich im Adressbuch Ihres Smartphones befinden und die Ihre Telefonnummer bei sich im Telefon gespeichert haben. Sie haben auch die Möglichkeit, den Status nur mit bestimmten Personen zu teilen. Der gepostete Status ist 24 Stunden lang sichtbar - kommentiert ein Nutzer den Post, erhalten Sie die Nachricht im Chatfenster.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, Sticker oder GIFs (Graphics Interchange Format, eine kurze Grafikanimation) über WhatsApp auszuwählen und zu verschicken. Auch das Teilen des aktuellen Standorts gehört zu den beliebten Funktionen von WhatsApp.

Wie lassen sich WhatsApp-Kanäle deaktivieren?

2023 führte WhatsApp die Funktion Kanäle ein. Hier kann nur der Kanalinhaber Inhalte veröffentlichen - der Nutzer hat lediglich die Option, den Kanal zu abonnieren. Diverse Unternehmen nutzen die Kanal-Funktion wie einen Newsletter und posten Fotos, Videos und Texte über WhatsApp, die die User dann konsumieren. Nutzer können - sollten Sie den Kanal abonniert haben - mit Emojis auf einen Beitrag antworten.

Seit 2023 gibt es die Funktion Kanäle bei WhatsApp

Aktuell gibt es keine Möglichkeit, vorgeschlagene WhatsApp-Kanäle auszublenden (Stand: Februar 2024). Die Kanäle werden Ihnen im Reiter „Aktuelles“ vorgeschlagen, deaktivieren lässt sich das Feature nicht. Auch die Art der Vorschläge lässt sich nicht beeinflussen. Sie können allerdings einen Kanal deabonnieren, indem Sie auf ihn klicken und bei Kanalinfo „Nicht mehr abonnieren“ auswählen.

Bei welchen Handys funktioniert WhatsApp?

Um Zugriff auf WhatsApp zu erhalten, genügt ein Download über den Google Playstore (Android) oder den App-Store (Apple). In den meisten Fällen ist die App bereits standardmäßig auf dem Smartphone installiert. Durch die Zustimmung der Nutzungsbestimmungen und der Registrierung der Telefonnummer erhalten Sie Zugriff auf WhatsApp.

Allerdings werden nicht mehr alle Smartphones unterstützt. Bei Android funktioniert der Messenger nur noch mit einem Betriebssystem der Version 5.0 und aktueller, bei Apple-Geräten beginnt die Unterstützung bei iOS12 oder neuer (Stand: Februar 2024).

So nutzen Sie WhatsApp für PC und Desktop

WhatsApp ist nicht nur für Mobilgeräte verfügbar, sondern auch per Desktop-App. Durch das Abscannen eines QR-Codes mit dem Handy, auf dem WhatsApp installiert ist, können Sie den Messenger auch für stationäre PCs oder Laptops installieren.

Auch die Web- bzw. Desktop-Version bietet die beliebten WhatsApp-Funktionen und man findet alle persönlichen sowie Gruppen-Chats am PC-Bildschirm wieder. Die Verbindung auf dem Computer können Sie jederzeit vom Smartphone unterbrochen. Sie können es auch in der Handy-App sehen, wenn WhatsApp auf dem PC noch geöffnet ist.

WhatsApp bietet außerdem die Möglichkeit, Chatverläufe zu speichern und wiederherzustellen, falls Sie Ihr Handy verlieren oder wechseln. Dazu müssen Sie ein Google-Drive-Konto haben und ein Backup erstellen. Sie können in den Einstellungen auch einstellen, dass nach einer Zeitspanne automatisch ein Backup erstellt wird und Sie die Chat-Historie nicht aus Versehen verlieren.

Messenger für die Arbeit: Was ist WhatsApp Business?

Die App WhatsApp Business ist speziell für Kleinunternehmer und Unternehmen entwickelt worden mit dem Ziel, effizient und einfach mit Kunden zu interagieren. Dank zahlreicher Features kann der Workflow verbessert und Produkte sowie Dienstleistungen vorgestellt werden.

Arbeitgeber haben ebenso die Möglichkeit, Profile Ihres Unternehmens zu erstellen und automatisierte Nachrichten wie Abwesenheitsnotizen einzurichten. Dadurch kann die Zufriedenheit der Kunden sowie die Bindung gesteigert werden.

Was sind die Alternativen zu WhatsApp?

Trotz der bekannten und beliebten Funktionen wird WhatsApp nicht von jedem Smartphone-User genutzt. Die fortwährenden Diskussionen um Sicherheit und Datenschutz des Messengers sowie die Möglichkeit von Alternativen bilden die wichtigsten Gründe dafür.

So schwören viele Nutzer auf den Messenger Signal, dem sich wie bereits erwähnt WhatsApp-Gründer Brian Acton angeschlossen hat. Signal ist besonders bezüglich seiner sicheren und schlichten Art der Anwendung beliebt.

Auch der Open-Source-Messenger Telegram achtet stark auf Datenschutz und erfreut sich immer höherer Beliebtheit. Mithilfe von Telegram können Sie beispielsweise Spiele spielen sowie Umfragen und Erinnerungen einrichten.

Telegram wird als WhatsApp-Alternative immer beliebter

Bei Threema handelt es sich um eine Schweizer App, für die Sie weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse benötigen. So können Sie den Messenger komplett anonym nutzen. Auch Threema bietet im Gegensatz zu WhatsApp die Möglichkeit, Umfragen zu erstellen. Allerdings ist Threema nicht kostenlos, Sie müssen sowohl den Download als auch die monatliche Nutzung des Messengers bezahlen. Außerdem wird die App von deutlich weniger Personen als WhatsApp genutzt.

Selbstverständlich bilden auch der Facebook Messenger sowie - besonders im chinesischen Raum - WeChat ernstzunehmende Alternativen für WhatsApp.

Rubriklistenbild: © Andre M. Chang/ dpa

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