Johannsson verärgert, dass er keine Chance bekommt
Frust und Verzweiflung beim Aussortierten
Bremen - Die Schirmmütze tief im Gesicht, darüber noch die Kapuze des Pullovers: Aron Johannsson hatte am Montagmittag einen Weg gefunden, um mit dem fiesen Bremer Nieselregen fertig zu werden.
Zwei Stunden zuvor hatte er am Training jener Spieler teilgenommen, die beim 0:0 in Köln nur kurz oder gar nicht zum Einsatz gekommen waren – schon seit Monaten ist Johannsson Dauergast in der mit Abstand unbeliebtesten Einheit der Woche, weil er bei Werder keine Rolle mehr spielt. Zu seiner sportlichen Situation passte das herbstlich-nass-kalte Wetter also ziemlich gut als der frustrierte Stürmer auf dem Weg zu seinem Dienstwagen deutliche Kritik am Verein übte.
Johannsson kommt nicht zum Zuge
„Ich will nicht immer nur zuschauen, ich will spielen“, sagte der 26-Jährige. „Es wäre schön, etwas mehr Vertrauen vom Trainer zu bekommen.“ Werders Trainer, das ist Alexander Nouri, und der hält nicht gerade große Stücke auf den 26-Jährigen. Trotz Sturmflaute, trotz des wochenlangen Ausfalls von Max Kruse – Johannsson kommt nicht zum Zuge.
Warum das so ist, weiß der Spieler nach eigener Aussage nicht. Der Coach rede darüber nicht mit ihm. Dabei ist Johannsson überzeugt davon, der Mannschaft, die nur drei Tore in neun Bundesliga-Spielen erzielt hat, helfen zu können: „Ich habe in meiner ganzen Karriere viele Tore gemacht und vorbereitet. Ich weiß, dass ich das kann.“ Auf die Frage, ob er glaube, dass er unter Nouri noch eine faire Chance erhalte, antwortete der Stürmer: „Dazu sage ich lieber nichts.“
Nun ist es so, dass Johannsson in der Vergangenheit nicht gerade geglänzt hat, wenn er – zumeist in Testspielen – vom Coach aufgeboten wurde. Angesichts der momentanen Ladehemmung seiner Mitspieler könnte er inzwischen aber zumindest wieder eine Option sein – in der Theorie. In der Praxis ist er raus, darf nicht mal in der U23 spielen. Vor allem das kann der US-Amerikaner mit isländischen Wurzeln nicht verstehen.
„Ich habe viele Male gefragt, ob ich in der U23 spielen kann. Dann wäre ich in besserer Form, wenn ich meine Chance in der ersten Mannschaft bekomme. Aber sie haben nein gesagt“, berichtete Johannsson. „Sie wollen lieber, dass die jungen Spieler dort spielen, aber jetzt spielen die da gar nicht“, sagte er. Zuletzt hatte der 34-jährige Rafael Kazior gegen Lotte als Sturmspitze für die U23 auf dem Platz gestanden.
„Ich will mich hier beweisen“
Werders Sportchef Frank Baumann findet hingegen nicht, dass Johannsson bei Werder kalt gestellt ist. „Er hat schon seine Kader-Nominierungen gehabt und kam in Testspielen zum Einsatz“, sagte der 41-Jährige, der den Stürmer im Sommer gerne verkauft hätte, aber keinen passenden Abnehmer fand.
Der Spieler selbst wollte nicht um jeden Preis weg, schließlich hat er bei Werder einen gut dotierten Vertrag, der noch bis 2019 läuft. Auch im Winter sei ein Vereinswechsel kein Thema, unterstrich Johannsson: „Ich habe es schon oft gesagt: Ich will mich hier beweisen und für Werder spielen und hoffe, dass ich bald eine Chance bekomme.“
