Stürmer über Perspektiven und Tischtennisstar Kohfeldt
Johannsson im Interview: „Wir müssen nach oben gucken“
Bremen - Dieser Mann kennt sich mit Höhen und Tiefen im Profi-Fußball bestens aus: Aron Johannsson. In der Hinrunde unter Trainer Alexander Nouri total unerwünscht, ab dem elften Spieltag unter Nachfolger Florian Kohfeldt plötzlich ganz wichtig.
„Ich bin gut drauf“, freut sich der 27-jährige Isländer, der in den USA geboren wurde und deshalb auch für die amerikanische Nationalmannschaft spielt. Seine Heimat ist aber Island, dort hat er sich gerade fit machen lassen. Von wem, das verrät Johannsson im Interview mit der DeichStube – und auch, welche Ziele er mit Werder hat und wer der beste Tischtennisspieler im Team ist.
Herr Johannsson, mal Hand aufs Herz: Waren Sie auf Island wirklich bei einem speziellen Physiotherapeuten oder doch in einer dieser heilenden heißen Quellen, um wieder fit zu werden?
Aron Johannsson: (lacht) Nein, nein. Auf Island bin ich immer nur in Reykjavik, und in der Hauptstadt gibt es keine heißen Quellen. Ich kenne Island gar nicht so gut.
Warum?
Johannsson: Ich bin ein Stadtmensch und bleibe gerne im Zentrum. Als Kind bin ich natürlich mit meinen Eltern auch mal auf dem Land gewesen. Aber daran kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern.
Was macht Ihr spezieller Physiotherapeut anders?
Johannsson: Er ist nicht der typische Physiotherapeut, er wendet die Rolfing-Technik an.
Seit wann kennen Sie ihn?
Johannsson: Seit meiner schweren Verletzung 2015. Allerdings erst nach neun Monaten. Und nach zwei, drei Wochen habe ich mich schon besser gefühlt. Meine Freundin hat mich damals zu meinem Glück gezwungen.
Wieso?
Johannsson: Als Fußballer kommen viele Leute auf dich zu, die dir nach einer Verletzung angeblich helfen können. Ich war davor ja auch schon bei acht, neun verschiedenen Therapeuten. Aber es ist nicht besser geworden. Dann hat mir ein Freund aus Island von dieser anderen Möglichkeit erzählt. Aber ich wollte da nicht hin, weil ich nicht daran geglaubt habe. Da ist meine Freundin richtig sauer geworden. Ich habe nachgegeben – und es hat sich gelohnt.
Wie heißt der gute Mann?
Johannsson: Johannes.
Mehr nicht?
Johannsson: (lacht) So ist das bei uns. Aber er hat einen Spitznamen: Jói Kef. Bei ihm wusste ich schon nach zehn Minuten, dass es einfach passt. Ein guter Typ. Nach ein, zwei Behandlungen habe ich eine Verbesserung gespürt. Dann kommt das Vertrauen. Ich habe an ihn geglaubt. Egal, mit welcher Verletzung ich zu ihm komme, er sagt immer: Wir schaffen das. Das hilft mir.
Sind die Physiotherapeuten bei Werder nicht sauer, dass Sie sich auf Island behandeln lassen?
Johannsson: Nein, es ist ja auch alles immer abgestimmt. Sie machen auch sehr gute Arbeit. Bei der Reise nach Island geht es ja auch nicht nur um den Physio, sondern auch um meine Familie, die dort lebt. Das ist sehr gut für den Kopf und für das Herz.
Wie lange waren Sie diesmal dort und wie ist es auf Island im März?
Johannsson: Ich war eine Woche dort. Es ist fast wie hier in Bremen. Einen Tag zwei Grad, den nächsten Tag zwölf – mal Sonne, mal Regen. Es hat mir gut getan, meine Probleme mit der Achillessehne sind fast weg.
Sie haben schon wieder mit der Mannschaft trainiert, wird es für das Spiel am Sonntag gegen Frankfurt reichen?
Johannsson: Ich gehe davon aus. Ob ich dann spiele, werden wir sehen (lacht).
Es ist durchaus ein besonderes Spiel für Sie: In der Hinrunde standen Sie gegen Frankfurt erstmals in der Saison im Kader.
Johannsson: Aber ich würde schon gerne länger spielen als damals (lacht).
Es war nur eine Minute, aber ein guter Anfang. Florian Kohfeldt hatte Sie zurück ins Team geholt, nachdem Sie von seinem Vorgänger Alexander Nouri überhaupt nicht mehr berücksichtigt worden waren. Wie dankbar sind Sie dem neuen Coach?
Johannsson: Sehr dankbar. Bei Nouri habe ich in anderthalb Jahren 100 Minuten gespielt, ich stand nie in der Startelf. Mit Kohfeldt hat sich alles geändert. Ich habe viel gespielt, gute Spiele gemacht, Tore erzielt, Vorlagen gegeben. Ich bin gut drauf. Jetzt muss ich nur gesund bleiben.
Zeigt das auch, dass man als Fußball-Profi auch das Glück benötigt, den richtigen Trainer zu haben?
Johannsson: Ich dachte immer: Wenn ich gut genug bin, dann spiele ich auch. Letztes Jahr habe ich daran gezweifelt. Ich fand, ich war gut genug, der Trainer fand das nicht. Aber das ist Vergangenheit.
Sie sind inzwischen nicht mehr der klassische Stürmer wie zu Beginn Ihrer Werder-Zeit, sondern kommen auf dem rechten Flügel zum Einsatz. Wie gefällt Ihnen diese neue Rolle?
Johannsson: Es ist mir mittlerweile total egal, wo ich spiele. Hauptsache, ich spiele überhaupt. Natürlich bin ich lieber weit vorne. Aber diese neue Position macht auch Spaß, sie ist eine Herausforderung. Ich muss lernen, noch mehr defensiv zu denken, darf nicht einfach vorne stehen bleiben. Aber das gelingt mir ganz gut, glaube ich. Wir spielen guten Fußball. Es ist zwar noch nichts erreicht, aber wir dürfen schon nach oben gucken.
Wirklich?
Johannsson: Natürlich! Wir müssen nach oben gucken! Wir sind eine gute Mannschaft.
Ist das nicht gefährlich?
Johannsson: Natürlich sind wir wieder unten dabei, wenn wir ein paar Spiele verlieren. Und wir haben großen Respekt vor Frankfurt, die spielen eine tolle Saison. Aber es ist ein Heimspiel und damit eine gute Chance, den nächsten Schritt zu machen. Deswegen müssen wir dieses Selbstvertrauen haben und nach oben gucken.
Max Kruse ist einer der wichtigsten Spieler bei Werder, aber zurück in die Nationalmannschaft schafft er es trotzdem nicht. Muss die Mannschaft ihm noch mehr helfen und ihn mit Vorlagen füttern, damit sein WM-Traum doch noch wahr wird?
Johannsson: Ich weiß nicht, was er noch alles tun soll, um dabei zu sein. Aus fußballerischer Sicht muss er dabei sein, das ist keine Frage. Und ich bin sicher nicht der einzige, der nicht versteht, warum Max kein Nationalspieler ist.
Sie sind bei der WM definitiv nicht dabei, weil sich die USA nicht qualifiziert haben. Werden Sie aber als Isländer trotzdem hinfahren, um Ihre Landsleute zu unterstützen?
Johannsson: Es werden sicher wieder alle Isländer dabei sein (lacht) – ich vielleicht auch. Ich muss gucken, mit Frau und Kind ist das nicht mehr ganz so einfach. Ein Spiel in Moskau würde ich schon gerne sehen.
Bekommen Sie denn Tickets?
Johannsson: Ich hoffe schon. Ein paar gute Freunde von mir spielen ja mit.
Die werden jetzt aber ganz viele gute Freunde haben.
Johannsson: Ich hoffe, ich bin ein noch besserer Freund (lacht).
Island ist sensationell bei der WM dabei. Ärgern Sie sich nicht doch ein bisschen, dass Sie sich einst dafür entschieden haben, für die USA zu spielen?
Johannsson: Nein. Ich freue mich jetzt für Island. Und ich habe doch 2014 mit den USA die WM gespielt. Also habe ich schon einiges erlebt. Und es kann ja noch einiges kommen.
Sie wären jetzt eigentlich bei der Nationalmannschaft gewesen, mussten Ihre erste Einladung nach anderthalb Jahren aber absagen.
Johannsson: Das war schon bitter, aber vernünftig. Meine Verletzung an der Achillessehne ist nicht ganz so schlimm gewesen, vielleicht hätte ich auch spielen können. Aber das Risiko war einfach zu groß. Deswegen haben wir das mit allen Beteiligten besprochen und dann auch so entschieden. Die Woche in Island war besser für mich. Aber nach der Saison sind wieder Länderspiele, da will ich dann unbedingt dabei sein.
Auf Ihrer Position auf der Außenbahn ist die Konkurrenz bei Werder ziemlich groß – gilt das eigentlich auch für Ihre Tischtennis-Runden nach dem Training?
Johannsson: Nein! Da haben wir nur vier gute Spieler.
Sie und wer noch?
Johannsson: Natürlich ich (lacht). Max Kruse ist auch nicht schlecht, Florian Kainz auch nicht. Aber Florian Kohfeldt ist der Beste.
Das sagen Sie jetzt nur, weil Sie gegen Frankfurt von Beginn an spielen wollen.
Johannsson: Nein! Er ist wirklich der Beste. Es tut weh, das zu sagen. Ich will es auch gar nicht sagen, dass er besser ist als ich (lacht). Ich muss mich da jetzt wirklich mal anstrengen.
Aron Johannsson: Seine Karriere in Bildern




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