Werder-Hinrunde in der Analyse

Werder in der Datenanalyse: Bei Flanken und Kontern ganz vorne, im Positionsspiel oft zu zaghaft

Felix Agu (links) bringt 43 Prozent seiner Flanken an den Mann, der Außenverteidiger des SV Werder Bremen zählt damit zu den besten Flankengebern der Bundesliga. Anthony Jung (rechts) gewinnt 69 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden, auch er gehört zu den Ligabesten!
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Felix Agu (links) bringt 43 Prozent seiner Flanken an den Mann, der Außenverteidiger des SV Werder Bremen zählt damit zu den besten Flankengebern der Bundesliga. Anthony Jung (rechts) gewinnt 69 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden, auch er gehört zu den Ligabesten!

Wie ist die erste Saisonhälfte des SV Werder Bremen einzuschätzen? Was läuft gut, was muss noch verbessert werden? Die Experten von Createfootball haben die Auftritte der Bremer einmal genauer angesehen - die große Datenanalyse!

Bremen – Dass die bisherige Saison des SV Werder Bremen mehr als gut verläuft, zeigt bereits der flüchtige Blick auf die Tabelle, denn auf Platz sieben mit satten 25 Punkten auf dem Konto hätten den Verein wohl nur die wenigsten Beobachter zur Winterpause getippt. Genauso ist es aber gekommen. Im Auftrag der DeichStube haben sich die Datenexperten von Createfootball* die bisherigen Bremer Auftritte einmal genauer angesehen und dabei entschlüsselt, was die Mannschaft von Trainer Ole Werner an den ersten 15 Spieltagen richtig gut und was weniger gut gemacht hat.

Werder Bremens erste Saisonhälfte in der Datenanalyse: Die Stärken im Spiel mit dem Ball

Werder Bremen setzt in der laufenden Saison nicht mehr nur auf Umschaltfußball, sondern liegt mit durchschnittlich 50 Prozent Ballbesitz pro Spiel im Ligamittelfeld. Gerade auswärts tritt die Mannschaft forsch auf und kommt auf fremden Plätzen im Schnitt auf drei Prozent mehr Ballbesitz als im heimischen Weserstadion. Trotz dieser neu gewonnenen Spielanteile liegen die Stärken der Bremer aber eindeutig im Konterspiel: Kein Team in der Bundesliga spielt häufiger Pässe aus dem eigenen Strafraum ins Angriffsdrittel (32 pro 90 Minuten). Zudem kreieren nur RB Leipzig, Gladbach und Frankfurt mehr Abschlüsse nach Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte.

Nur RB Leipzig, Gladbach und Frankfurt kreieren mehr Torabschlüsse nach Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte als der SV Werder Bremen.

Besonders effizient agiert Werder Bremen im Abschluss, hier hat sich die Mannschaft im Verlauf der Hinrunde kontinuierlich verbessert. Herausragende 76 Prozent aller Torschüsse gibt Werder aus der Box ab – Bundesliga-Bestwert! Kein anderer Club kommt zudem auf eine geringere durchschnittliche Abschlussdistanz (14,9 Meter). Zwar verzeichnen die Bremer nur zwölf Abschlüsse pro 90 Minuten (Platz 14), sie spielen ihre Angriffe aber geduldig und konsequent zu Ende, was zu hochwertigen Abschlusspositionen führt.

Das Team von Ole Werner benötigt weniger als sieben Abschlüsse pro Tor, was den fünftbesten Wert der Bundesliga darstellt. Außerdem stellt Werder die bei Flanken torgefährlichste Mannschaft der Liga. Kein Bundesliga-Team kreiert mehr Großchancen nach Flanken, acht Kopfballtore sind Spitzenwert im Vergleich mit der Konkurrenz, ebenso wie die 30-prozentige Flankenpräzision aus dem Spiel heraus. In Felix Agu (43 Prozent Präzision), Jens Stage (40) und Romano Schmid (35) stehen drei der neun besten Flankengeber der Liga bei Werder Bremen unter Vertrag. Besonders auffällig ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, dass sich das Verhältnis von Bremer Angriffen über die rechte bzw. linke Seite ausgewogener gestaltet.

Die Grafik zeigt alle Torschüsse des SV Werder Bremen in der ersten Saisonhälfte in der Bundesliga. Auffällig: Werder benötigt weniger als sieben Torschüsse für einen Treffer - im Liga-Vergleich bedeutet das Platz fünf.

Werder Bremens erste Saisonhälfte in der Datenanalyse: Die Schwächen im Spiel mit dem Ball

Kein Team der Liga schließt seltener nach Positionsangriffen ab als Werder Bremen. Auch wenn die Bremer im Vergleich zu den Vorjahren mehr Spielanteile besitzen, kreieren sie fast ausschließlich Chancen über schnelle Gegenangriffe nach Ballgewinnen. Im Aufbauspiel werden noch zu selten gegnerische Pressinglinien gezielt überspielt, nur 14 Prozent aller Passversuche überqueren Linien des Gegners, womit sich Werder im Ligavergleich im unteren Drittel einsortiert.

Häufig wird der Ball nach vorne geschlagen, um schnellen Raumgewinn zu erzeugen und dann den zweiten Ball zu attackieren, um aus dem eigenen Ballbesitz heraus Umschaltsituationen zu kreieren. Zudem ist Werder Bremen das Team mit dem geringsten Anteil an progressiven Carries (Läufe eines Spielers mit dem Ball in Richtung der gegnerischen Torauslinie) der Liga. Heißt: Zu selten werden mit Ball am Fuß in der gegnerischen Hälfte per Lauf Linien überwunden oder Torchancen durch Dribblings eingeleitet. Stattdessen bringt sich Werder per Carry eher in unvorteilhafte Situationen und erlaubt es dem Gegner, ins Pressing überzugehen.

Einzig Romano Schmid kommt auf eine nennenswerte Anzahl an progressiven Carries (8.5 pro 90 Minuten) und liegt damit als einziger Bremer unter den Top-50-Feldspielern der Bundesliga. Ein weiterer Schwachpunkt im Offensivspiel des SV Werder Bremen ist, dass die Torgefahr bei Standards nach starkem Saisonstart deutlich nachgelassen hat. Im Kontrast zu den präzisen Flanken aus dem Spiel heraus sind Werders Eckbälle interessanterweise die ungenausten der Liga: Nur 21 Prozent von ihnen kommen beim Mitspieler an.

Werder Bremens erste Saisonhälfte in der Datenanalyse: Die Stärken im Spiel gegen den Ball

Eine Riesenstärke des SV Werder Bremen ist in dieser Saison das Verteidigen gegnerischer Standards. Nur der Rekordmeister aus München kassierte ebenfalls erst ein Standardgegentor. Ole Werner hat die Gegentorflut nach ruhenden Bällen aus der Vorsaison erfolgreich eingedämmt und die Anzahl gegnerischer Abschlüsse nach Standards sogar halbieren können.

Ohnehin verteidigt Werder Bremen in dieser Saison sehr kompakt, nur Mainz, Freiburg und Leipzig lassen schwächere gegnerische Abschlusspositionen zu, besonders in der eigenen Hälfte verteidigt Werder effizient. Im Bodenzweikampf lässt sich eine bemerkenswerte Effizienzsteigerung konstatieren: Lag diese nach dem sechsten Spieltag noch bei 56 Prozent, gewinnt Werder mittlerweile starke 59 Prozent dieser Duelle. Vor allem Anthony Jung sticht mit herausragenden 69 Prozent hervor und gehört damit zu den Top-5 Verteidigern der Liga! Werder profitiert dabei von einer recht tiefen Pressinglinie, geht anders als in den Vorjahren kaum noch im Angriffsdrittel ins Pressing und verteidigt zurückgezogener sowie engmaschiger als in den Vorjahren, was sich in einer gestiegenen Effizienz widerspiegelt.

In der Balleroberung in der eigenen Hälfte erzielen die Bremer Topwerte, setzen den ballführenden Gegner dort häufig unter hohen Druck. Nur die Bayern erzielen im eigenen Drittel mehr Ballgewinne durch aggressives Anlaufen als der SV Werder Bremen.

Werder Bremens erste Saisonhälfte in der Datenanalyse: Die Schwächen im Spiel gegen den Ball

Nichtsdestotrotz ist Werders Defensivspiel nicht ohne Schwächen. Unter dem Strich sind 25 Gegentore eine Verbesserung zur Vorsaison (29 Gegentore nach 15 Spielen), dennoch ist dies der schwächste Wert aller Teams der oberen Tabellenhälfte. Zwischen dem dritten und zwölften Spieltag kassierte Werder Bremen immer mindestens ein Gegentor pro Spiel, obwohl die Gegner vorrangig aus schwachen Positionen zum Abschluss kamen.

Besonders im Luftduell in der eigenen Hälfte schneidet Werder Bremen schwach ab. Das Team kassierte zwar seit dem ersten Spieltag kein Kopfballgegentor mehr (Ligabestwert), insgesamt kann es dennoch nur 49 Prozent aller Luftduelle in der eigenen Hälfte für sich entscheiden. Hier weisen vor allem Senne Lynen und Anthony Jung erhebliche Defizite auf. Zusätzlich wird Werder nach eigenen Ballverlusten im Übergangsspiel zu häufig überspielt und ausgekontert. Ganze sieben Mal pro 90 Minuten gelangt der Gegner per Pass hinter die letzte Kette. Nur Heidenheim, St. Pauli und Bochum lassen dies häufiger zu. Eigene Abspielfehler führen noch zu häufig zu gegnerischen Torchancen.

Im Allgemeinen lässt die Performance bei Heimspielen noch zu oft zu wünschen übrig. Werder Bremen ist zwar auswärts das zweitstärkste Team der Liga und holte in der Fremde starke 16 Punkte (nur Bayern ist mit 17 besser), aus Heimspielen holten die Grün-Weißen aber bislang nur neun Punkte (Rang 13).

Werder Bremens erste Saisonhälfte in der Datenanalyse: Das Fazit

Der SV Werder Bremen hat eine enorm konstante Hinrunde abgeliefert und konnte sich in mehreren Schlüsselparametern im Vergleich zur vergangenen Saison beachtlich steigern. Unter Ole Werners Führung konsolidiert sich Werder weiter im gefestigten Mittelfeld der Bundesliga und gehört besonders defensiv und im Flügelspiel zu den absoluten Topteams Deutschlands. Obwohl Werders Stärken klar ersichtlich sind, gelingt es dem Team dennoch, sich gegen (fast) jeden Gegner hochkarätige Torchancen über die Außenpositionen zu erspielen. Auch gegen spielerisch überlegene Mannschaften ist Werder in der Lage, dank einer gut strukturierten Defensive, Punkte mitzunehmen. Um in der Rückrunde die Europapokalränge aber ernsthaft ins Visier nehmen zu können, muss Werder vor allen Dingen die Leistungsdiskrepanz bei Heim- und Auswärtsspielen verringern.

*Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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