Werder im Systemcheck

Konstanz und neue Flexibilität: Werders Halbjahr im großen Taktik-Check

Ole Werner hat mit dem SV Werder Bremen ein erfolgreiches Halbjahr hingelegt - und sich auch in taktischer Hinsicht weiterentwickelt.
+
Ole Werner hat mit dem SV Werder Bremen ein erfolgreiches Halbjahr hingelegt - und sich auch in taktischer Hinsicht weiterentwickelt.

Werder Bremens Fans erfreuen sich an der besten Hinrunde seit Jahren. Einen wesentlichen Beitrag leistete Trainer Ole Werner. Unser Experte Tobias Escher analysiert das erste Halbjahr aus taktischer Sicht und macht den großen Systemcheck zur Winterpause.

Bremen - Egal, was bei Werder-Fans unter dem Baum liegt: Das beste Weihnachtsgeschenk hat ihnen ihr Lieblingsverein vermacht. Werder Bremen sammelte an den ersten 15 Spieltagen 25 Punkte und belegt damit den siebten Tabellenrang. Mehr Punkte sammelte Werder zuletzt in der Spielzeit 2011/12. Einen großen Anteil am Erfolg hält Trainer Ole Werner. Werders Coach blieb zwar auch in dieser Saison seiner Devise treu, möglichst wenig Risiko einzugehen. Er hat seine Mannschaft jedoch an den richtigen Punkten weiterentwickelt, um Werder noch ein Stück unberechenbarer zu machen.

Werder Bremens erstes Halbjahr in der großen Taktik-Analyse: Konstanz ist Trumpf

Auf den ersten Blick hat sich bei Werder nicht viel verändert. Der Trainer sitzt seit über drei Jahren auf der Bremer Bank, nur Frank Schmidt (Heidenheim) und Marcel Rapp (Holstein Kiel) sind in der Bundesliga länger im Amt. Auch auf dem Transfermarkt agierte Werder Bremen eher defensiv. Die Spieler kennen ihren Trainer – und sie wissen genau, was er von ihnen fordert.

Ole Werner setzt seit seinem Amtsantritt auf eine Fünferkette in der Abwehr. Rechtsverteidiger Mitchell Weiser genießt eine offensive Rolle, wohingegen sich der jeweilige Linksverteidiger häufig etwas zurückhält. Werder setzt im Mittelfeld auf eine Mischung aus 3-2- und 2-3-Staffelung – je nachdem, wie weit Romano Schmid vorschiebt. Mal rückt er auf eine Höhe mit den beiden Stürmern, mal lässt er sich ins Mittelfeld zurückfallen. Werder Bremens größte Stärke stellt die Tatsache dar, dass sämtliche Spieler Werners Spielsystem und dessen Anforderungen kennen. Eingespieltheit ist ein wesentliches Credo des Trainers. Tatsächlich wechselt kaum ein Bundesliga-Kollege seine Startelf seltener als der Bremer Trainer. Zehn Spieler kamen in dieser Saison auf zehn Startelf-Einsätze oder mehr. In dieser Statistik liegt nur der FC St. Pauli vor Werder (elf Spieler mit mehr als zehn Startelf-Nominierungen).

Die Grafik zeigt Werder Bremens häufigste taktische Formation im ersten Bundesliga-Halbjahr der Saison 2024/25.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Flache Spieleröffnung und Diagonalbälle

Nicht nur in der Grundsystematik, sondern auch in den taktischen Mitteln herrscht bei Werder Bremen Kontinuität. Werner verlangt von seiner Mannschaft technisch anspruchsvollen Fußball. Die Bremer eröffnen das Spiel häufig flach aus der Abwehr. Torhüter Michael Zetterer kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Er wird im Aufbau aktiv eingebunden und verteilt die Bälle.

Sobald Werder in der gegnerischen Hälfte ankommt, sucht es den Weg über die Flügel. Flanken sind dabei nicht das herausragende Spielmittel der Bremer. Viel eher schafft Werder auf einer Seite Überzahlen, um sich flach am Gegner vorbeizukombinieren. Sobald der Gegner sich auf eine Seite locken lässt, folgt die Verlagerung. Werder gelang schon so manches Tor in dieser Saison, indem Rechtsverteidiger Mitchell Weiser eine diagonale Verlagerung auf den Linksverteidiger schlug – oder umgekehrt. Gegen den Ball setzt Werder auf eine Mischung aus hohem, mannorientiertem Pressing und einer kompakten Raumverteidigung. Wenn Werder Bremen keinen Zugriff in der gegnerischen Hälfte erhält, zieht es sich in eine kompakte 5-3-2-Ordnung zurück. Die Norddeutschen achten hierbei vor allem darauf, das Zentrum kompakt zu halten.

Häufig ähnliche taktische Formationen: Bei Werder Bremen sind Lösungen gegen Manndeckungen gefragt

Auch defensiv setzt Ole Werner auf dieselben taktischen Mittel, die Werder-Fans seit längerer Zeit kennen. Ein interessanter Nebeneffekt: In den vergangenen Jahren gehörte Werder noch zu jenen Teams, die ihre Gegenspieler am engsten verfolgten. Mittlerweile verteidigen sie stärker im Raum als der Bundesliga-Schnitt. Allerdings hat sich nicht Werder verändert – der Rest der Bundesliga hat die Manndeckung entdeckt. Die Mehrzahl der Bremer Spiele laufen daher nach einem ähnlichen Muster ab. Beide Teams starten mit ähnlichen Formationen in die Partie. Dadurch entstehen überall auf dem Feld direkte Duelle; jeder Verteidiger folgt einem Stürmer.

Werder Bremen kennt mittlerweile so manche Tricks und Kniffe, um eine gegnerische Manndeckung zu sabotieren. Besonders wichtig hierfür ist das Duo aus Schmid und Jens Stage. Schmid lässt sich häufig zurückfallen. Dadurch öffnet er Lücken in der gegnerischen Abwehr. Stage attackiert diese Lücken. Der Däne wurde auf diese Art zu Werders wichtigstem Torjäger: Mit sieben Treffern führt er die vereinsinterne Torschützenliste an.

Werder Bremen tritt taktisch flexibler auf: Kleine Details und große Wirkungen

Auch wenn Kontinuität und Konstanz die beiden herausragenden Merkmale von Werners Bremern darstellen: Der Trainer hat sich in dieser Saison noch einmal weiterentwickelt. Werder Bremen tritt in vielen Spielen flexibler auf als in der Vergangenheit. So kommt es häufiger vor, dass Werner innerhalb der Spiele die Formation anpasst. So verteidigt der SVW nicht mehr durchgehend in einer Dreier- bzw. Fünferkette. In manchen Partien kam auch eine 4-4-2-Formation zum Einsatz. Werner experimentierte auch mit der Rolle von Angreifer Weiser. Der durfte im Verlauf der Hinrunde als Stürmer auflaufen, hinterließ in der neuen Rolle jedoch keinen bleibenden Eindruck.

So kehrte Werner nach einigen Experimenten zum Ende der Hinrunde zur klassischen Mischung aus 5-3-2- und 5-2-3-Formation zurück. Die Erfolge geben ihm recht. Werder überzeugt vor allem im Spiel gegen den Ball durch Stabilität und Kompaktheit. Aber auch im Spiel mit dem Ball wissen sämtliche Akteure, wie sie sich postieren sollen.

In Summe ergibt dies den besten Bundesliga-Start seit dreizehn Jahren. Kurios: 2011/12 hatte Werder Bremen nach 15 Spieltagen zwar einen Punkt mehr auf dem Konto. Das Torverhältnis lag aber damals wie heute bei 26:25. Hoffentlich stellt dies kein schlechtes Omen dar. Die Rückrunde verlief damals für Werder alles andere als harmonisch. Am Ende landete das Team auf Rang neun und verpasste die Europapokal-Qualifikation. Dass man davon im Jahr 2025 wieder träumen darf, ist der Verdienst des Trainerteams um Werner.  

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare