Mit 13 Jahren beim Probetraining in Bremen
Durchbruch mit Verspätung? Möhwalds zweiter Werder-Anlauf
Bremen - Gut, dass sich das mit dem Heimweh irgendwann erledigt hatte. Sonst hätte Kevin Möhwald möglicherweise auch seine zweite Chance auf Werder Bremen sausen lassen. So wie damals, vor etwa 12, 13 Jahren.
Möhwald spielte in Erfurt in der U13 und wurde von Werder zum Probetraining eingeladen. „Sie hätten mich wohl auch genommen“, erinnert er sich, „aber so richtig wollten sie mich dann auch nicht.“ Und er wollte auch nicht, Heimweh eben. „Ich bin sehr heimatverbunden. Es wäre mir schwer gefallen, mich von zu Hause zu trennen“, sagt Möhwald heute und lächelt über die entgangene Chance: „Damals war es wirklich besser für mich, in Erfurt zu bleiben. Und im Endeffekt ist alles gut so, wie es gekommen ist. Jetzt bin ich froh, hier zu sein.“ Bei Werder Bremen, als Verstärkung für das Mittelfeld, das Verstärkungen nötig hat.
Möhwald stellte sich am Mittwochmittag den Medien vor. Einen Tag nach seinem 25. Geburtstag präsentierte er sich erst im Trikot den Fotografen, dann in kurzer schwarzer Jeans und weißem T-Shirt auf der Pressekonferenz. Freizeitlook bei einem, der in der Folge mehrmals sagen wird, dass er „nicht zum Spaß“ nach Bremen gekommen sei. Was auch gut so ist, denn Werder hat natürlich Erwartungen an den ablösefrei von Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg gekommenen Mittelfeldspieler.
Möhwald soll helfen, die Abgänge von Thomas Delaney (Borussia Dortmund) und Zlatko Junuzovic (RB Salzburg) aufzufangen. Eine große Aufgabe, keine Frage. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass der Mann ohne Erstliga-Erfahrung sich direkt in den hinterlassenen Lücken breitmacht. Aber das Ziel ist es schon, sagt Möhwald: „Ich bin sehr ehrgeizig. Aber Delaney und Junuzovic waren prägende Figuren, ich bin ein eigener Spielertyp. Natürlich will ich der Mannschaft helfen. Und ich denke, dass sich der Verein schon etwas dabei gedacht hat, mich zu holen.“
Hat er. Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann sehen in dem gebürtigen Erfurter das Potenzial, Stammspieler zu werden. Auf welcher Position genau? Der Spieler selbst gibt die Antwort: „Ich sehe mich im zentralen Bereich. Da kann ich alles spielen.“ Also defensiv auf der Sechs und offensiv auf der Zehn. Sicherlich auch auf einer der beiden Halbpositionen, die im Grunde ein Mix aus beidem sind.
Möhwald hat das warme Nest verlassen
Beim 1.FC Nürnberg war Kevin Möhwald im Aufstiegsjahr ein absoluter Leistungsträger, ein entscheidender Faktor, weshalb für den „Club“ am Ende der Aufstieg in die Erste Liga stand. Möhwald hätte sicherlich bleiben können – in seiner Mannschaft, bei seinen Jungs. In Nürnberg wäre ihm ein Platz in der Startelf garantiert gewesen. In Bremen fängt er vorne an.
Ein gewisses Risiko ist für ihn dabei, aber er geht es bewusst an, spricht von einem „langwierigen Entscheidungsprozess“, an dessen Ende die Zusage für Werder stand. „Ich hatte für mich erkannt, dass ich einen neuen Reiz brauche, um nochmal etwas freizusetzen in mir“, erklärt er. Anders gesagt: Er hat das warme Nest verlassen, um das nachzuholen, was er sich vor 12, 13 Jahren nicht getraut hatte: die Herausforderung Werder Bremen anzunehmen.
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