Debüt im Werder-Trikot
„Ein guter erster Schritt" für Marco Friedl
Mönchengladbach - Hätte es diese eine Szene nicht gegeben, wäre Marco Friedl mit seinem Debüt im Werder-Trikot sicher rundum zufrieden gewesen. Doch es ließ sich nicht vertuschen, dass der 19-Jährige im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach einen schwachen Moment hatte.
Es war die 34. Minute, als sich Friedl im Strafraum von Gladbachs Denis Zakaria ziemlich vorführen ließ. Ein Haken links, ein Haken rechts – und Zakaria brachte den Ball scharf nach innen. Friedl konnte es nicht verhindern, und in der Mitte fälschte Niklas Moisander zum 0:2 ab. Daran sei er wohl „nicht ganz unschuldig“ gewesen, meinte Friedl am Tag danach: „Über das Gegentor ärgere ich mich schon ein bisschen.“
Ansonsten musste sich die Leihgabe des FC Bayern nach seinem ersten Bundesliga-Spiel im Bremer Trikot aber kaum etwas vorwerfen lassen. Seine Leistung? „Er hat das sensationell gemacht“, lobte Trainer Florian Kohfeldt, der mit Friedls Aufstellung für eine große Überraschung gesorgt hatte. Im Nordderby gegen den HSV (1:0) sechs Tage zuvor hatte der Abwehrspieler nicht einmal im Kader gestanden, nun war es gleich die Startelf. Oberflächlich betrachtet war der Anlass, dass Kohfeldt in Gladbach auf drei Innenverteidiger setzen wollte. Der tiefere Grund war, dass Friedl den Coach in den wenigen Trainingseinheiten nach dem Nordderby überzeugt hatte. Gegenüber Mitbewerber Sebastian Langkamp habe den Ausschlag gegeben, „dass ich im Training am Donnerstag beim Marco ein besseres Gefühl hatte“, so Kohfeldt.
Rechts wie links
Sein Gefühl, so viel lässt sich sagen, hat ihn nicht getäuscht. Letztlich wagte Kohfeldt es sogar, Linksfuß Friedl nach der Pause und bis zur Auswechslung in der 75. Minute zum Rechtsverteidiger einer Viererkette zu machen. Gewagt, gewagt. „Die Position ist neu für mich. So weit ich mich erinnern kann, habe ich diese Position noch nie vorher gespielt“, sagte Friedl und setzte ein Grinsen auf, das besagte: Das war ein Abenteuer. Aber es zeigte auch, wie groß Kohfeldts Vertrauen in Friedl dann doch ist – trotz der kompletten Nicht-Berücksichtigung des Österreichers gegen den HSV. „Ich war sehr zufrieden mit Marco. Er hat das auf beiden Positionen stark gemacht – auch auf rechts mit dem verkehrten Fuß“, erklärte der 35-Jährige.
Friedl selbst wagte sich mit dem Eigenlob nicht so weit nach vorne, schließlich konnte er seinen Fehler vor dem 0:2 nicht einfach ausblenden. Erst etwas schüchtern, dann aber doch ziemlich selbstbewusst sprach er am Tag nach dem Bremer 2:2 über seinen ersten Bundesliga-Einsatz für Werder und seinem zweiten überhaupt (kurioserweise beide gegen Gladbach). Für den Moment sei er „glücklich“, so Friedl: „Ein Meilenstein ist das aber nicht für mich. Ich habe nur einen guten ersten Schritt gemacht. Ich weiß selber, dass noch weitere folgen müssen. Ich gebe jetzt weiter Gas und warte ab, was die nächsten Wochen bringen.“
„Fühle mich wohl“
Die Leihgabe des FC Bayern München scheint jetzt angekommen zu sein beim SV Werder. Das sei so schwer gar nicht gewesen, meinte Friedl, „alle haben sich um mich gekümmert“. Total leicht war es aber auch nicht: „Nach zehn Jahren beim FC Bayern war es schon eine Umstellung. Aber ich habe mich schnell eingelebt, fühle mich wohl.“
Die Verbindung nach München und zum FC Bayern ist jedoch noch da und auch ziemlich eng. Nach seinem Debüt im Bremer Bundesliga-Team (vorausgegangen war für den Winter-Neuzugang nur ein Einsatz in der U23) hätten ihn ziemlich viele Nachrichten auf dem Handy erreicht, verriet der österreichische U21-Nationalspieler. Darunter auch eine von seinem Kumpel und Landsmann David Alaba. Aber keine von Bayern-Trainer Jupp Heynckes. „Das kommt vielleicht noch“, mutmaßte Friedl am Samstagmittag: „Die Bayern müssen ja erst noch spielen.“ Und zwar Sonntag beim SC Freiburg. Marco Friedl wird dann zuschauen und die Szene gegen Zakaria vielleicht schon wieder vergessen haben.
Trikot als Trophäe
An das erste Bundesliga-Spiel im Werder-Trikot will er sich aber noch länger erinnern. Deshalb hat er das im Schneefall von Mönchengladbach getragene Trikot mit nach Hause genommen. Er habe da extra „einen Schrank für spezielle Trikots“, so Friedl: „Viele sind es noch nicht.“ Seit Samstag aber eins mehr.
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