Neuzugang über sein Debüt, Kohfeldt und seinen Traum

Friedl im Interview: „Werder hat mich sofort interessiert“

Marco Friedl will bei Werder Bremen den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen.
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Marco Friedl will bei Werder Bremen den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen.

Bremen - Winter-Neuzugang Marco Friedl spricht im Interview mit der DeichStube über sein Debüt im Werder-Trikot, die Trainer Jupp Heynckes und Florian Kohfeldt – und seinen großen Traum.

Es ist noch gar nicht lange her, da stand Marco Friedl in München mitten zwischen Champions-League-Siegern und Weltmeistern auf dem Platz. Für den 19-Jährigen war das eine tolle Sache, schließlich konnte er sich von den Kollegen beim FC Bayern viel abschauen. Es war für ihn aber auch ein Problem, denn durchsetzen konnte er sich gegen die Stars nicht.

Friedl entschied sich deshalb für einen Umweg, ließ sich nach Bremen zu Werder ausleihen. Im Interview mit der DeichStube hat der Linksverteidiger aus Österreich verraten, warum ihn Werder sofort gereizt hat, weshalb Trainer Florian Kohfeldt für ihn besonders wichtig ist – und dass er davon träumt, der neue Philipp Lahm zu werden.

Herr Friedl, Ihr erstes Spiel im Werder-Trikot liegt hinter Ihnen – allerdings nicht für die Profis in der Bundesliga, sondern für die U23 in der Dritten Liga. Hat Sie das überrascht?

Marco Friedl: Nein, eigentlich nicht. Ich führe sehr gute Gespräche mit dem Trainer und den anderen Verantwortlichen. Es war einfach so, dass ich im Spielrhythmus bleiben sollte. Dann sage ich natürlich nicht Nein.

Die U23 hat in Wiesbaden 2:0 geführt, am Ende aber nur 2:2 gespielt – wegen eines Handelfmeters in der Nachspielzeit, den Sie verursacht haben. Wie fällt Ihr Fazit nach dem Spiel aus?

Friedl: Leider passiert so etwas im Fußball. Ich bereue die Szene mit dem Elfmeter total und habe mich sehr über mich selbst geärgert. Wir hatten vorher ein gutes Spiel gemacht, kämpferisch alles reingehauen. Da kann man am Ende natürlich nicht zufrieden sein. Für mich war es aber gut, mal wieder ein Spiel gemacht zu haben.

Ist denn geplant, dass Sie in Zukunft regelmäßig in der Dritten Liga spielen?

Friedl: Nein, das ist nicht die Idee. So etwas haben wir nicht ausgemacht. Es kann aber ab und zu passieren, weil ich noch jung bin. Klar ist mir die Bundesliga lieber, aber wenn es manchmal die Dritte Liga sein sollte, ist das auch okay für mich.

Bis Sommer 2019 sind Sie vom FC Bayern an Werder ausgeliehen. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Friedl: Es geht in erster Linie darum, dass ich mich weiterentwickeln und Spielpraxis sammeln kann. Das wäre bei einer Leihe nur bis zum Saisonende ziemlich schwer geworden, deswegen der längere Zeitraum. Für einen jungen Spieler ist es wichtig, neue Erfahrungen mitzunehmen. Ich mache sie jetzt in Bremen.

Moin statt Servus: Marco Friedl ist Ende Januar auf Leihbasis von Bayern München zu Werder Bremen gewechselt.

Dabei haben Sie sicherlich auch andere Optionen gehabt. Warum der hohe Norden? Warum Werder?

Friedl: Zum einen wegen des großen Interesses des Clubs und der guten Gespräche. Zum anderen aber auch wegen der Spiele von Werder. Die habe ich vorher verfolgt und gesehen, dass ein klarer Plan dahintersteckt. Auch wenn wir in der Tabelle noch unten drin stehen, gehören wir dort auf keinen Fall hin, weil wir gute Spiele machen. Es steckt sehr viel in dieser Mannschaft, und deshalb hat mich Werder sofort sehr interessiert.

In München hatten Sie als Linksverteidiger David Alaba und Juan Bernat vor der Nase, zwei Weltklassespieler. Wie schwer ist es für einen jungen Profi, den Sprung bei den Bayern zu schaffen?

Friedl: Sehr schwer, denn jede Position ist doppelt und mit großer Qualität besetzt. Ich habe immer mit den Profis trainiert, und obwohl ich nur in der zweiten Reihe stand, hat Jupp Heynckes viel mit mir gesprochen. In Anderlecht hat er mir dann die Chance gegeben (Friedl kam bei Bayerns 2:1-Erfolg in der Gruppenphase der Champions League zum Einsatz, Anm. d. Red.). Das zeigt mir, dass ich es im Training gut gemacht habe. Aber trotzdem: Für junge Spieler ist es enorm hart, in München den direkten Sprung ins Profi-Team zu schaffen und dort auch Fuß zu fassen.

Sie sind ja auch nicht der erste Bayern-Jungprofi, der sich für einen Umweg entscheidet. Es gibt durchaus prominente Beispiele, die nach einer Leihe gestärkt zurückgekommen sind...

Friedl: Genau, man sieht bei Spielern wie Philipp Lahm, David Alaba oder Toni Kroos, dass es funktionieren kann. Davon träume ich auch. Ich habe ja tagtäglich im Training gesehen, dass man zu diesem Erfolg kommen kann.

In München mit einigen der besten Spieler der Welt, in Bremen mit Kollegen, die gegen den Abstieg kämpfen – worin unterscheidet sich das Training?

Friedl: Bayern ist halt Bayern. Da ist es überall auf der ganzen Welt schwer, einen direkten Vergleich zu finden. Wir trainieren hier aber auch sehr gut und intensiv. Es macht sehr viel Spaß. Nicht nur mir, sondern auch allen anderen Spielern. Ich merke jetzt schon, dass ich mich tagtäglich verbessere.

Beim Blick auf die Trainer ist der Kontrast ebenfalls groß: Dort Jupp Heynckes, der alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, hier Florian Kohfeldt, der am Anfang seiner Karriere steht...

Friedl: Das stimmt, Florian ist auf jeden Fall ein bisschen jünger als Jupp Heynckes (lacht). Er kann mir aber auch sehr viel mitgeben. Er hat einen strikten Plan, wie er Fußball spielen will. Man kann mit ihm viel Spaß außerhalb des Platzes haben, aber wenn wir rausgehen, dann fordert er volle Konzentration und lebt sie auch vor. Er macht uns besser, und das macht auch noch Spaß. Florian ist ein sehr guter Trainer.

Hat seine Person auch eine Rolle bei Ihrer Entscheidung pro Werder gespielt?

Friedl: Auf jeden Fall. Wir haben vorher gesprochen, und weil mein Eindruck sehr positiv war, habe ich mich für Werder entschieden.

Marco Friedl im Interview mit DeichStuben-Reporter Daniel Cottäus.

Vertraglich ist es klar geregelt: 2019 kehren Sie nach München zurück. Können Sie sich trotzdem vorstellen, länger in Bremen zu bleiben?

Friedl: Es ist jetzt sehr schwer zu sagen, was in eineinhalb Jahren sein wird. Ich möchte hier Gas geben. Dann werde ich schon sehen, was die Zukunft für mich bringt.

Als Österreicher passen Sie jedenfalls gut nach Bremen. Sie sind bereits der zwölfte in Werders Geschichte. Wussten Sie das? Hat das Ihre Entscheidung womöglich sogar beeinflusst?

Friedl: Ich kannte einige der Spieler, Marko Arnautovic, jetzt Kainzi (Florian Kainz, Anm. d. Red.) und Zlatko Junuzovic. Vielleicht war es ein kleiner Aspekt, der für Werder gesprochen hat. Mit Kainzi habe ich mich davor schon sehr gut verstanden. Ich habe ihn zwar nicht gefragt, wie es in Bremen ist, dachte mir aber schon, dass es hier für Österreicher gut passen muss (lacht).

Wie wichtig waren oder sind Kainz und Junuzovic für Sie, um richtig in Bremen und bei Werder anzukommen?

Friedl: Die beiden haben mir viel geholfen, wir haben viel Zeit zusammen verbracht. Für mich war es am Anfang schwer, zu einem Verein in einer Stadt zu wechseln, wo ich davor noch nie war, wo ich keinen kannte. Dadurch bin ich ziemlich schnell hier angekommen.

Werder hat 2009 zum letzten Mal einen Titel gewonnen, da waren Sie elf Jahre alt. Wie haben Sie den Club aus der Ferne wahrgenommen?

Friedl: Ich wusste damals schon, wer Werder ist und was der Verein in früheren Jahre gewonnen hatte. Die letzten Jahre lief es nicht optimal. Aber mit dem Trainer und dem aktuellen Team können wir dafür sorgen, dass es wieder besser wird.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Sie regelmäßig dabei mithelfen? In Ludwig Augustinsson und Niklas Moisander haben Sie zwei starke Konkurrenten auf der linken Abwehrseite...

Friedl: Ich wusste vor dem Wechsel, dass die beiden sehr gute Spieler sind. Ich versuche, mich weiterzuentwickeln, und dann bin ich mir sicher, dass ich meine Spielzeiten bekomme. Der Trainer spricht täglich mit mir, gibt mir Tipps, schaut mit mir Videos an. Das hilft mir sehr.

Und wie eng ist der Kontakt nach München? Gibt es da auch tägliche Gespräche? Schließlich werden die Bayern wissen wollen, was ihr Talent in Bremen macht.

Friedl: Mit Co-Trainer Peter Hermann stehe ich sehr oft in Kontakt. Wir telefonieren, und er fragt mich, wie es so läuft, wie es im Training war, wie es mir geht. Ich merke schon, dass die Bayern sehr an mir interessiert sind.

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