Werder-Pleite in München

Fehlender Mut und angespannte Personallage: Wie Werder mit der Niederlage in München umgeht 

Justin Njinmah (rechts) und dem SV Werder Bremen fehlte im Spiel beim FC Bayern München der Mut - obendrein verletzte sich der Bremer Stürmer auch noch.
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Justin Njinmah (rechts) und dem SV Werder Bremen fehlte im Spiel beim FC Bayern München der Mut - obendrein verletzte sich der Bremer Stürmer auch noch.

Der SV Werder Bremen hat das Bundesliga-Spiel beim FC Bayern München klar mit 0:3 (0:0) verloren. Wie die Bremer mit der Niederlage und der angespannten Personallage umgehen.

München – Es gibt Termine im Jahr, bei denen man schon im Voraus weiß, dass sie wohl eher wenig Freude bereiten werden. Für den SV Werder Bremen gehören Auswärtsspiele beim FC Bayern München – mit Ausnahme des Überraschungssiegs vor fast genau einem Jahr – seit Langem zu genau diesen Anlässen. Hinzu kommt, dass Werder aus personeller Sicht am Freitagabend einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatte, um beim deutschen Rekordmeister anzutreten. Durch den kurzfristigen Ausfall von Romano Schmid (muskuläre Probleme) sowie die verletzungsbedingten Auswechslungen von Jens Stage und Justin Njinmah fehlten den Bremern in der zweiten Halbzeit nicht weniger als acht potenzielle Stammspieler. „Wir sind heute wirklich auf dem Zahnfleisch unterwegs gewesen“, sagte Cheftrainer Ole Werner nach der 0:3 (0:0)-Niederlage über die angespannte Personalsituation.

Werder Bremens Clemens Fritz nach Niederlage gegen FC Bayern München: „In der ersten Halbzeit hat ein wenig der Mut gefehlt“

Dafür ließ sich der Auftritt des SV Werder Bremen in der ersten Hälfte durchaus sehen. Die neuformierte Dreierkette mit Milos Veljkovic, Amos Pieper und Anthony Jung stand stabil und klärte zunächst sämtliche Flanken des FC Bayern München aus dem Strafraum. „Wir haben in der ersten Halbzeit vieles richtig gemacht und das Tempo aus dem Spiel genommen“, analysierte Ole Werner. Der Bremer Cheftrainer hatte die Begegnung aufgrund seiner Roten Karte aus der Vorwoche gegen Mainz 05 bekanntlich von der Tribüne aus verfolgen müssen. An der Seitenlinie vertrat ihn Co-Trainer Patrick Kohlmann, dem der defensive Auftritt in der ersten Hälfte ebenfalls gefiel: „Wir haben vieles von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Dennoch betonte er: „Wir hätten vielleicht bei den wenigen Ballgewinnen klarere Torchancen erspielen können.“

Damit war das zentrale Problem im Spiel des SV Werder Bremen angesprochen. Denn abgesehen von der Gelegenheit von Marco Grüll nach einem sehenswerten Angriff (22.) gelang es Werder schon in der ersten Halbzeit kaum, für Entlastung zu sorgen. „Dass wir viel verteidigen müssen, war uns klar – dass wir allerdings so tief stehen würden, war eigentlich nicht der Plan“, erklärte Torhüter Michael Zetterer nach der Partie gegen den FC Bayern München am DAZN-Mikrofon. „In der ersten Halbzeit hat ein wenig der Mut gefehlt, aus den Umschaltsituationen, die wir hatten, dann den Abschluss zu suchen“, meinte Werders Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz. Dennoch schafften es die Bremer, mit einem 0:0 in die Pause zu gehen, was aufgrund des leidenschaftlichen Auftritts in der ersten Halbzeit definitiv als Erfolg gewertet werden durfte.

Werder Bremens Ole Werner nach Pleite beim FC Bayern: „Wenn du in München gewinnen willst, muss alles passen“

Was dann allerdings nach dem Seitenwechsel folgte, fasste Clemens Fritz treffend zusammen: „In der zweiten Halbzeit war es ein reines Wegverteidigen.“ Der FC Bayern München zog das Tempo merklich an, hatte zeitweise fast 80 Prozent Ballbesitz und drängte Werder Bremen tief in die eigene Hälfte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Co-Trainer Patrick Kohlmann bereits Jens Stage und Justin Njinmah verletzungsbedingt auswechseln müssen – ein Rückschlag, der das Bremer Spiel zusätzlich hemmte. „Das hat die Aufgabe für uns extrem schwer gemacht“, brachte es Leiter Profifußball Peter Niemeyer auf den Punkt. Ole Werner sah das ähnlich: „Wenn du in München gewinnen willst, muss alles passen. Uns ist dann die Personalsituation auf die Füße gefallen, sodass uns die Körner gefehlt haben.“ Werder schaffte es nicht mehr, für Entlastung zu sorgen und blieb in der zweiten Halbzeit ohne Torschuss.

Angesichts des immer größer werdenden Drucks war die Führung des FC Bayern München nur eine Frage der Zeit – auch, wenn sie erneut durch eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung begünstigt wurde. „Auf dem Platz hatte ich nicht das Gefühl, dass es ein Elfmeter ist. Tony war nur einen halben Meter von Kane entfernt – ich weiß nicht, wo er da seine Hände hintun soll“, kritisierte Milos Veljkovic die Entstehung des Führungstores von Harry Kane (56./HE). Auch Michael Zetterer erinnerte direkt nach dem Spiel an eine ähnliche Szene: „Vor ein paar Wochen hatten wir gegen Augsburg genau so eine Situation. Da haben wir bei einem entscheidenden Spielstand keinen Elfmeter bekommen.“ Als Ausrede wollte jedoch niemand beim SV Werder Bremen diese Entscheidung heranziehen. „Bayern hat verdient gewonnen“, stellte Ole Werner klar. Auch Clemens Fritz wollte die Schuld nicht bei den Unparteiischen suchen: „Die Elfmeter waren nicht die spielentscheidenden Szenen.“

Werder Bremens Peter Niemeyer nach der Niederlage beim FC Bayern: „Die zwei späten Gegentore hätte ich gerne nicht gefressen“

Letztlich reichte die eigene Leistung nicht für einen Punktgewinn. Die beiden späten Gegentreffer durch Leroy Sané (82.) und erneut Harry Kane per Foulelfmeter (90.+5) brachten auch auf dem Papier klare Verhältnisse, was bei Werder für zusätzliche Enttäuschung sorgte. „Die zwei Gegentore kurz vor Schluss hätte ich gerne nicht gefressen“, sagte Peter Niemeyer. Dennoch rückte bereits in der Nacht nach dem Spiel der Fokus auf die kommende Aufgabe: das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (Sonntag, 16. Februar, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker). Nachdem Clemens Fritz nach der Partie bereits eine erste leichte Entwarnung zu den Verletzungen von Schmid, Stage und Njinmah gab, hoffte auch Ole Werner, im nächsten Spiel wieder mehr personelle Alternativen zu haben: „Jetzt geht es in erster Linie darum, die Daumen zu drücken, dass es bei den Jungs, die verletzt raus sind, nicht allzu schlimm ist. Das wäre für uns sehr wichtig.“ Damit das Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Hoffenheim zu den Terminen gehört, die man gerne wahrnimmt. (bvo)

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