Neuzugang über seine ersten Tage bei Werder

Beijmo im Interview: „Es wäre komisch, wenn es leicht wird“

Felix Beijmo stellte sich den Fragen von DeichStuben-Reporter Daniel Cottäus.
+
Felix Beijmo stellte sich den Fragen von DeichStuben-Reporter Daniel Cottäus.

Bremen - Neuzugang Felix Beijmo spricht im Interview mit der DeichStube über seine ersten Tage bei Werder, das hohe Tempo – und ein Hobby, das er in Bremen vermisst.

Die Vormittagseinheit liegt gerade einmal eine gute Stunde hinter ihm, als Felix Beijmo frisch geduscht zum verabredeten Interview-Termin mit der DeichStube erscheint. „Das Training lief gut“, sagt der 20-Jährige nach der Begrüßung, „und heute Nachmittag läuft es bestimmt noch besser.“ Schon nach 30 Sekunden ist also klar: Dieser Felix Beijmo, den Werder im Sommer von Djurgardens IF aus Schweden geholt hat, ist ein durchweg positiver Typ.

Während des folgenden Gesprächs geht es unter anderem um den ungewöhnlichen Nachnamen des Rechtsverteidigers, um das hohe Tempo seiner neuen Mitspieler und um seinen Konkurrenten Theodor Gebre Selassie. Beijmo verrät außerdem, welches spezielle Hobby aus der Heimat er in Bremen vermisst und welcher schwedische WM-Moment ihn ganz besonders stolz auf sein Land gemacht hat.

Herr Beijmo, zu Beginn etwas Namensforschung: Ihr Nachname klingt nicht unbedingt typisch schwedisch. Wo stammt er her?

Felix Beijmo: (lacht) Das ist eine gute Frage. Um ehrlich zu sein, weiß ich es gar nicht so genau. Meine Familie hieß früher, vor vier, fünf Generationen, noch anders. Da hatte sie einen typisch schwedischen Namen wie Svensson. Ich weiß, dass einem meiner Vorfahren der Name Beijmo gefiel. Deswegen hat er den Nachnamen ändern lassen. Ich mag den Namen auch sehr, denn wir sind die einzige Familie in Schweden, die Beijmo heißt.

In Bremen dürften Sie auch der einzige mit diesem Namen sein. Nach den ersten Wochen an der Weser: Wie ist Ihr Eindruck von Ihrem neuen Zuhause?

Beijmo: Die Stadt ist etwas kleiner als meine Heimatstadt Stockholm. Es gibt nicht so viele Geschäfte und Restaurants, aber es ist schön hier, sehr gemütlich. Seit ich hier bin, ist das Wetter zudem fantastisch. Ich bin also in guter Stimmung. 30 Grad, die Sonne scheint – so kann es gerne weitergehen.

Sind die hohen Temperaturen für einen Profifußballer nicht eher ein Problem?

Beijmo: Die Hitze ist natürlich nicht optimal. Es ist auf keinen Fall das perfekte Wetter, um Fußball zu spielen. Manchmal wünscht man sich da schon etwas Regen oder zumindest ein bisschen Schatten. Der Platz ist sehr trocken, auch wenn er regelmäßig gewässert wird. Es ist hart, bei diesem Wetter zu spielen. Man muss das aber akzeptieren und einen Weg finden, damit umzugehen. Abseits des Platzes ist es dafür umso schöner.

Sie sind 20 Jahre alt, haben bisher nur in Schweden gespielt. Wie groß war der Schritt für Sie, in ein anderes Land zu gehen?

Beijmo: Es war ein sehr großer Schritt. Momentan lebe ich noch im Hotel, meine Freundin kommt erst nach, wenn ich eine Wohnung gefunden habe. Zum Start ist eben alles neu. Ich muss in Bremen Freunde finden, momentan viel Englisch sprechen und versuchen, die deutsche Sprache zu lernen, damit ich noch besser in der Mannschaft ankomme. Auch sportlich ist es eine große Umstellung, denn ich habe bei Werder nur gute Spieler um mich herum, die sehr hohes Tempo gehen. Ich werde mich aber schnell eingewöhnen.

Im ersten Trainingslager im Zillertal haben Sie das hohe Tempo bei einem Bundesliga-Team erstmals hautnah miterleben können...

Beijmo: Oh ja! Es ist alles viel schneller als in Schweden. Auch in der schwedischen Liga gibt es gute Spieler, aber dort ist das Tempo nicht so hoch. Da kannst du vier, fünf Ballkontakte haben ohne den Ball zu verlieren. Hier wollen wir mit ein bis zwei spielen. Ich gewöhne mich aber immer mehr daran.

Wie lange wird es dauern, bis Sie das Level Ihrer neuen Mitspieler erreicht haben?

Beijmo: Ich denke, dass ich jetzt schon auf dem Level der anderen bin. Ich möchte mich aber weiterentwickeln. Das braucht etwas Zeit, wie alles andere auch. Ich lerne hier jeden Tag.

Wenn Sie über Fußball sprechen, machen Sie einen sehr fokussierten, fast ernsten Eindruck. Was bedeutet Ihnen dieser Sport?

Beijmo: Für mich ist Fußball nicht nur ein Job. Es ist meine Leidenschaft. Ich kann jeden Tag das tun, was ich liebe und werde dafür sogar bezahlt. Als ich fünf, sechs Jahre alt war, habe ich mit Fußballspielen angefangen, und es ist immer noch die größte Leidenschaft meines Lebens. Ich denke an Fußball, bis ich abends schlafen gehe und morgens sofort wieder, wenn ich aufgewacht bin (lacht).

Kommen Sie aus einer sportbegeisterten Familie, oder sind Sie der Einzige mit dieser Leidenschaft?

Beijmo: Nein, ich bin nicht der Einzige. Meine beiden jüngeren Schwestern spielen auf lokaler Ebene Fußball für einen Verein in Stockholm, und mein Vater hat früher Eishockey gespielt.

Am 18. August startet Werder mit dem Pokalspiel in Worms ins Pflichtspieljahr. Ist es realistisch, dass Sie dann in der Startelf stehen?

Beijmo: Ja, natürlich. Dafür muss ich in den Wochen davor aber hart arbeiten. Ich muss dem Trainer zeigen, dass er mir vertrauen kann.

Welche Rückmeldungen haben Sie von Florian Kohfeldt bisher bekommen?

Beijmo: Wir sprechen viel. Ihm geht es darum, dass ich die verschiedenen Taktiken verstehe und schnell lerne, wie er Fußball spielen lassen möchte. Es geht in den Gesprächen darum, wie ich mich auf dem Platz in den unterschiedlichen Formationen verhalten soll. Das ist für mich eine neue Art zu arbeiten. Wenn ich bald besser Deutsch verstehe, wird es leichter für mich werden.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie berichtet, dass Kohfeldt Sie bei einem gemeinsamen Frühstück vom Wechsel nach Bremen überzeugt hat. Wie wichtig ist er für Sie?

Beijmo: Sehr wichtig. Er ist ein Trainer, der genau weiß, was er will und wie er es erreichen kann. Neben dem Platz ist er ein ruhiger Typ, mit dem man auch über Themen außerhalb des Fußballs sprechen kann. Auf dem Platz ist er klar und direkt zu den Spielern. Jeder von uns weiß: Er ist derjenige, der uns nach vorne bringt.

Was ist möglich für Werder in der neuen Saison?

Beijmo: Es wird eine gute Saison. Wenn ich mir unsere Mannschaft so ansehe, bin ich jeden Tag wieder beeindruckt. Wir haben eine gute Mischung aus jungen Spielern wie mir oder Jojo Eggestein und erfahrenen Spielern. Unser Ziel muss es sein, besser als in der letzten Saison abzuschneiden.

Ihr Konkurrent auf der Position des Rechtsverteidigers ist Theodor Gebre Selassie. Was denken Sie über ihn?

Beijmo: Er ist eine tolle Person. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man sich kennenlernt und weiß: Das ist jetzt mein Konkurrent. An meinem ersten Tag in Bremen hat er mich direkt mit einem Lächeln begrüßt. Das zeigt, dass er einen tollen Charakter hat. Er hilft mir mit vielen Dingen. Ich habe großen Respekt vor ihm, auch als Fußballer. Er hat schon viele Saisons für Werder gespielt, spielt für die tschechische Nationalmannschaft. Es wird ein hartes Duell mit Theo, aber deswegen bin ich hier. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt. Da wäre es komisch, wenn es leicht werden würde.

Felix Beijmo ist von Djurgardens IF aus Schweden zu Werder Bremen gewechselt.

Sie haben Werder als Ihre erste Auslandsstation gewählt. Was ist Ihre früheste Erinnerung an den Verein? Kannten Sie Werder schon als Kind?

Beijmo: Ja, natürlich. Werder ist in Europa immer noch ein großer Name. Das wissen die Leute in Schweden. In Bremen haben ja auch schon schwedische Profis vor mir gespielt. Rosenberg, jetzt Augustinsson. Als Rosenberg bei Werder war, habe ich seinen Weg aufmerksam verfolgt.

Ludwig Augustinsson kehrt bald aus dem Urlaub nach Bremen zurück...

Beijmo: Wenn Ludwig da ist, wird es für mich etwas leichter. Ich bin noch sehr neu, muss viel fragen. An Ludwig kann ich mich orientieren und wir können außerhalb des Platzes Schwedisch sprechen (lacht). Das fehlt mir bisher. Ich bin ein guter Freund von seinem jüngeren Bruder Jonathan, mit dem ich bei Djurgardens zusammengespielt habe. Deswegen kenne ich auch Ludwig schon lange. Ich schaue zu ihm auf, weil er mir mit seiner Karriere schon einige Schritte voraus ist. Ludwig kann mich auf das nächste Level pushen.

Augustinsson ist als Linksverteidiger gesetzt. Spielen Sie hinten rechts, hätte Werder eine schwedische Abwehrzange...

Beijmo: Das ist ein schöner Gedanke! Es wäre schon etwas Besonderes – vor allem, weil wir beide aus demselben kleinen Verein aus Stockholm stammen (Beijmo und Augustinsson starteten ihre Karrieren bei IF Brommapojkarna, Anm. d. Red.).

Bei der WM haben es Augustinsson und Co. bis ins Viertelfinale geschafft. Wie haben Sie die Auftritte der schwedischen Nationalmannschaft verfolgt?

Beijmo: Ich habe natürlich jedes Spiel gesehen. Die ersten in Schweden, das Achtel- und Viertelfinale dann in Bremen. Die Leistung der Mannschaft war unglaublich! Ich gehe davon aus, dass sie in den nächsten Jahren sogar noch besser wird. Wir haben viele junge, talentierte Spieler.

Unter anderem Sie? Wie lange dauert es, bis Felix Beijmo im A-Nationalteam spielt?

Beijmo: Der Tag, an dem das passiert, wird der schönste meines Lebens. Es ist ein ganz großes Ziel in meiner Karriere. Wenn ich bei Werder die Chance bekomme zu spielen und meine Leistungen abrufe, dann kann es schnell gehen. Das hoffe ich zumindest.

Während der WM wurde der schwedische Nationalspieler Jimmy Durmaz rassistisch wüst beschimpft. Die Mannschaft hat sich daraufhin hinter ihn gestellt und per Videobotschaft ein klares Zeichen gesendet. Wie haben Sie das aufgenommen?

Beijmo: Es ist tragisch, dass Rassismus im Fußball eine so große Rolle spielen kann. Durmaz ist ein fantastischer Spieler, er läuft seit vielen Jahren für das Nationalteam auf. Ohne ihn wären wir gar nicht zur WM gefahren. Er hat in der Qualifikation das entscheidende Tor gegen Frankreich gemacht. Jeder sollte ihm dankbar sein. Die Geschichte bei der WM endete dank toller Reaktionen der Leute aber mit mehr Liebe als Hass, und das macht mich stolz, ein Schwede zu sein.

Ein Schwede, der jetzt in Bremen lebt. Gibt es etwas, das Sie in der neuen Heimat vermissen?

Beijmo: Ja! Ich habe in Schweden ein großes Hobby: Padel-Tennis. Das ist eine Mischung aus Squash und Tennis. Gespielt wird es auf einem kleinen Tennisplatz, der komplett von Glaswänden umgeben ist. Man tritt in Zweier-Teams gegeneinander an. Es macht großen Spaß. Ich spiele das in Schweden mit meinen Freunden, wann immer ich kann. Ich habe auch schon in Bremen nach einem Platz geschaut, aber es gibt leider keinen.

Sind Sie ein guter Padel-Tennis-Spieler?

Beijmo: Ich glaube, ein ziemlich guter (lacht)! Ich spiele ja sehr oft. Ich wollte im Sommer mit einem Freund bei Amateur-Turnieren antreten, aber die Termine haben leider nicht gepasst.

Schon gelesen?

Max Kruse über Vertragsverlängerung: „Geben Sie mir Zeit“

Milos Veljkovic mit viel Selbstvertrauen aus Russland zurückgekehrt

Fotostrecke: Rosenberg und Co. - Schweden bei Werder Bremen

Sanny Aslund war der erste Schwede bei Werder. Der Stürmer schoss in der Saison 1975/76 vier Tore in 19 Spielen.
Sanny Aslund war der erste Schwede bei Werder. Der Stürmer schoss in der Saison 1975/76 vier Tore in 19 Spielen. © imago
Werders erfolgreichster Schwede ist zweifellos Markus Rosenberg. Zwischen 2007 und 2012 spielte der damalige Nationalspieler 165 Mal in Grün-Weiß und schoss 53 Tore.
Werders erfolgreichster Schwede ist zweifellos Markus Rosenberg. Zwischen 2007 und 2012 spielte der damalige Nationalspieler 165 Mal in Grün-Weiß und schoss 53 Tore. © imago
Denni Avdic (2011-2013) entpuppte sich als Flop. Er kam nur sieben Mal zum Einsatz (kein Tor). Vor dem endgültigen Abgang verlieh Werder Avdic für ein Jahr an PEC Zwolle.
Denni Avdic (2011-2013) entpuppte sich als Flop. Er kam nur sieben Mal zum Einsatz (kein Tor). Vor dem endgültigen Abgang verlieh Werder Avdic für ein Jahr an PEC Zwolle. © imago
Ludwig Augustinsson ist dabei, zur Erfolgsgeschichte zu werden. In seiner ersten Saison 2017/18 kam der Linksverteidiger auf 29 Spiele (1 Tor) und zog viele interessierte Blicke auf sich.
Ludwig Augustinsson ist dabei, zur Erfolgsgeschichte zu werden. In seiner ersten Saison 2017/18 kam der Linksverteidiger auf 29 Spiele (1 Tor) und zog viele interessierte Blicke auf sich. © gumzmedia
Felix Beijmo wechselt von Djurgardens IF zu Werder Bremen. Der Rechtsverteidiger wurde zunächst als Backup für Theodor Gebre Selassie verpflichtet.
Felix Beijmo wechselt von Djurgardens IF zu Werder Bremen. Der Rechtsverteidiger wurde zunächst als Backup für Theodor Gebre Selassie verpflichtet. © gumzmedia

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Nostalgie auf Rädern: Oldtimer und Erinnerungen begeistern in Aschen

Nostalgie auf Rädern: Oldtimer und Erinnerungen begeistern in Aschen

Kommentare