„Er lebt die Menschlichkeit vor, die diesen Club auszeichnet“
Baumann bleibt, weil er Werder ist
Bremen - Als Klaus Allofs vor zwölf Jahren seinen Vertrag als Sportchef verlängerte, da hatte Werder ziemlich medienwirksam extra den Kaminsaal im altehrwürdigen Bremer Rathaus angemietet. Bei seinem Nach-Nachfolger Frank Baumann sah das nun ganz anders aus.
Der Besprechungsraum im Weserstadion ermöglichte zwar einen schönen Blick auf den Rasen, ansonsten verzichtete der Club aber auf Glanz und Gloria. Der Hauptdarsteller schenkte sogar höchstpersönlich den Kaffee für die anwesenden Journalisten ein. Der 42-Jährige mag es lieber etwas familiärer – und genau deshalb hat er und hat auch Werder mit ihm um drei Jahre bis 2021 verlängert.
„Es geht darum, was für ein Club man sein will. Dabei stehen die Menschen für Werte und Philosophien. Und Frank Baumann symbolisiert ganz großartig die Werte von Werder. Er lebt die Menschlichkeit vor, die Werder auszeichnet“, betonte Marco Bode. Er hatte als Aufsichtsratsvorsitzender gemeinsam mit Gremiumsmitglied Axel Plaat den neuen Kontrakt mit Baumann ausgehandelt.
Bode: „Frank gibt sich mit dem Erreichten nie zufrieden“
Der Sportchef stehe für eine „ruhige, konzeptionelle und strategische Herangehensweise“, meinte Bode: „Und trotzdem ist da – was man vielleicht auf den ersten Blick nicht gleich erkennt – ein großer Ehrgeiz, ambitionierte Ziele zu erreichen. Frank gibt sich mit dem Erreichten nie zufrieden.“
Natürlich auch jetzt nicht, nachdem ihm sein ab sofort gültiger neuer Vertrag wesentlich höhere Bezüge beschert. Das Thema Geld sei in den Gesprächen zweitrangig gewesen, meinte Baumann und merkte schmunzelnd an: „Marco ist ein harter Verhandlungspartner.“ Bode gab dann aber schon zu, „dass wir die vergangenen zwei Jahre honoriert haben“.
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Baumann hat sich ohne Frage vom Neuling, der er als Nachfolger von Thomas Eichin vor zwei Jahren durchaus war, zu einem angesehenen Sportchef hoch gearbeitet. „Frank hat eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt und den Verein in die richtige Richtung gelenkt – und das immer als Team“, lobte Bode und holte sofort Coach Florian Kohfeldt mit ins Boot: „Wir haben mit Frank und Florian ein tolles Tandem.“
Da verwundert es allerdings, dass beide Verträge nun 2021 gleichzeitig auslaufen werden. Es besteht also die Gefahr, die beiden wichtigsten Angestellten im Club auf einen Schlag zu verlieren. „Das ist für mich unproblematisch“, hielt Bode dagegen: „Davor ist genügend Zeit, um die Dinge zu klären.“ Es sei allein um die drei weiteren Jahre für Baumann gegangen. Eine längere Laufzeit, die eigentlich erwartet worden war, sei kein Thema gewesen. Auch, um den Kritikern, die Werder gerne eine Vetternwirtschaft unterstellen, keine neuen Argumente zu liefern. „Drei Jahre sind ein guter Horizont. Damit setzen wir auch kein falsches Zeichen, sondern zeigen, dass es am Ende bei uns um Leistung und Performance geht“, so Bode.
Die Ergebnisse müssen stimmen – vor allem natürlich in der Bundesliga. Baumann will Werder dauerhaft im oberen Tabellendrittel etablieren, regelmäßig ins internationale Geschäft führen. Dabei betonte er zwar erneut, dass andere Clubs bessere finanzielle Möglichkeiten besitzen, aber er jammerte nicht, und nannte lieber noch andere Aufgaben: „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollen auch wirtschaftlich vernünftig sein, Werte schaffen. Wir müssen unsere Rücklagen erhöhen, also unser Eigenkapital steigern.“ Ein Polster für schlechte Zeiten soll wieder her. Das hat Werder schon einmal gerettet – nach den fetten Jahren in der Champions League.
Helfen soll dabei auch die Entwicklung der eigenen Talente, die dann irgendwann Werder nach oben schießen und teuer verkauft werden können. Weil das Nachwuchsleistungszentrum von der Infrastruktur her nicht mehr zeitgemäß ist, soll neu gebaut werden.
„Hoffentlich in meiner Vertragslaufzeit“, wünschte sich Baumann – und warb auf eine ganz besondere Weise für den aktuellen Standort in der Pauliner Marsch direkt am Weserstadion: „Ich fahre jeden Morgen extrem gerne den Osterdeich entlang zum Weserstadion – und das seit 19 Jahren. Wenn wir unser Trainingsgelände in einem Industriegebiet hätten, wäre das ganz sicher nicht der Fall.“
Baumann: „Mit 65 Jahren werde ich hier sicherlich nicht mehr sitzen“
Wie lange Baumann, der 1999 als talentierter Abwehrspieler vom 1. FC Nürnberg an die Weser gewechselt war, diese Strecke als Sportchef noch bewältigen wird, das mochte er am Donnerstag nicht prophezeien. Nur eines schloss der Double-Gewinner von 2004 und Ehrenspielführer aus: „Mit 65 Jahren werde ich hier sicherlich nicht mehr sitzen.“
Ein wesentlich früherer Ausstieg ist wahrscheinlich. Der 42-Jährige deutete schon an, dass Veränderungen nach einer gewissen Amtszeit für beide Parteien sinnvoll seien. Doch der Zeitpunkt liege noch in ferner Zukunft, meinte Baumann: „Ich habe Lust, den Job bei Werder noch viele Jahre zu machen. Wir haben ein Fundament gebaut, aber das Haus steht noch nicht.“