Nach Vertragsverlängerung
Kommentar: Baumann ein visionärer Wegweiser
Ein Kommentar von Carsten Sander. Die drei Herren hatten sich ein schattiges Plätzchen im Garten des Hotels Sonnenhof im Zillertal gesucht. An einem Tisch saßen Marco Bode und Axel Plaat, die beiden Aufsichtsratsmitglieder, sowie Frank Baumann, der Sportchef. Der Werder-Architekt, wie man mittlerweile anerkennend sagen muss.
Die Runde verständigte sich an diesem Tag im Trainingslager des SV Werder darauf, Gespräche über eine Vertragsverlängerung Baumanns einzuleiten. Jetzt, knapp zwei Monate später, ist die Sache durch. Baumann bleibt bis 2021 auf dem Posten des Sportchefs. Und das ist gut so. Denn obwohl er ein Mensch ist, der Ruhm und Rampenlicht nicht zu seinen persönlichen Glücksfaktoren zählt, hat er zuletzt ziemlich viel dafür getan, dass Werder Bremen auf der nationalen Fußball-Bühne wieder ins Rampenlicht rückt und verblasster Ruhm aufpoliert wird.
Baumanns Start war zwar holprig, die Vertragsverlängerung mit Viktor Skripnik, die er nach außen vertreten musste, obwohl er selbst nicht glücklich damit war, kostete ihn früh einiges an Kredit. Doch Skripnik ist längst nicht mehr der Name, der für Baumanns Tätigkeit steht. Seine Arbeitsnachweise tragen die Namen Max Kruse, Jiri Pavlenka, Ludwig Augustinsson, Davy Klaassen, Nuri Sahin und natürlich auch Thomas Delaney. Spieler, die er geholt hat, die Werder sportlich besser gemacht und zum Teil viel Geld gebracht haben – oder noch bringen werden.
Baumann denkt groß - und handelt dementsprechend
Mit anderen Worten: Der Manager Baumann hat auf dem Spielermarkt gut gemanagt. Immer mit einer Vision als Motor – der Vision von Europa. Baumann verfolgt dieses Ziel, seit er die sportliche Leitung des SV Werder vor etwas mehr als zwei Jahren von Thomas Eichin übernommen hat. In den vergangenen Tagen hat er das Ziel zum ersten Mal konkret benannt und damit bewiesen, dass er, der sich gerne mal im Schatten platziert und anderen Branchengrößen das Trommeln überlässt, auch groß auftreten kann. Vor allem kann Baumann groß denken. Und entsprechend handeln.
Was er in fünf Transferperioden aus dem Team gemacht hat, verdient Respekt. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantiert werden kann, dass die Transferoffensive des Sommers auch zum angestrebten Ziel führen wird, kann doch unterstrichen werden, dass Baumann dem Club, den Fans, der ganzen Werder-Region in Zusammenarbeit mit Trainer Florian Kohfeldt wieder Fantasie und eine Perspektive geschenkt hat. Weg vom Abstiegskandidaten, hin zum Europapokal-Anwärter. Oder anders gesagt: Aus dem Schatten ins Licht. Baumann weist den Weg.
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