Baumanns Überraschung
„Philosoph“ Schaaf soll im Sommer kommen
Bremen - Das Comeback von Thomas Schaaf beim SV Werder rückt immer näher. Schon im Sommer könnte der Ex-Coach seinen Job als Technischer Direktor antreten.
Sportchef Frank Baumann will den 56-Jährigen unbedingt für diesen neuen Posten gewinnen. Dass er das am Montagabend bei seiner Rede auf dem Podium so deutlich gesagt hat, war die große Überraschung der Mitgliederversammlung – und sorgte danach für viel Gesprächsstoff. Aufsichtsratschef Marco Bode trat dabei ein bisschen auf die Bremse.
Bode wünscht sich noch Bedenkzeit
„Frank Baumann hat das nicht mir mir abgesprochen“, sagte Bode und lachte. Natürlich wollte er den Sportchef für dessen Vorpreschen nicht kritisieren, deswegen der lockere Ton. Aber inhaltlich wurde deutlich, dass sich Bode offenbar noch etwas Bedenkzeit wünscht. „Frank Baumann hat auch gesagt, dass die Entscheidung für Thomas Schaaf noch nicht gefallen ist“, betonte Bode. Schaaf sei „ein Kandidat“, alles andere würde sich zeigen: „Das ist zwar eine Entscheidung der Geschäftsführung und dabei speziell von Frank Baumann, aber ich gehe davon aus, dass wir da als Aufsichtsrat auch gefragt werden.“
Andreas Hoetzel gehört seit einem Jahr zum Aufsichtsrat. Für ihn war Baumanns öffentliches Werben um Schaaf keine Überraschung. „Ich weiß, dass Frank Baumann Thomas Schaaf für einen der besten Philosophen im deutschen Fußball hält.“ Der Leiter der Unternehmenskommunikation der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) erklärte auch sogleich, was er mit „Philosoph“ meint: „Das ist jemand, der sich mit Spielsystemen und Spielphilosophien bestens auskennt. Er weiß, wie man eine interne Trainerausbildung ausrichtet und eine Durchlässigkeit im Club hinbekommt.“
Baumann selbst hatte die Einführung eines Technischen Direktors „als Meilenstein in der strategischen Zusammenführung des Leistungszentrums und der Profiabteilung“ bezeichnet. Vor allem, „wenn es uns gelingen würde, für diese Position einen Mann wie Thomas Schaaf zu verpflichten. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass er Werder auch konzeptionell helfen kann. Die Planungen für die Einführung dieser Position laufen“, verriet Baumann.
Und sein Geschäftsführerkollege Klaus Filbry legte wenig später auch den Zeitplan offen: „Wir haben entschieden, dass die Rolle des Technischen Direktors zur kommenden Saison kommen soll.“ Auf Schaaf wollte sich Filbry dabei - anders als Baumann - aber noch nicht festlegen: „Wir werden uns vorher mit entsprechenden Kandidaten auseinandersetzen. Thomas Schaaf gehört sicher zu diesem Kandidatenkreis.“
Schaaf sieht sich eher als Mentor
Und was sagt Schaaf? Am Dienstag war der 56-Jährige für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber er hatte sich schon vor einigen Wochen, als das Thema zum ersten Mal aufkam, geäußert und zugegeben: „Natürlich ist das interessant für mich.“ Schaaf wollte allerdings erst mal abwarten, wie genau Werder diese neue Position definieren wird. Eines stellte er aber schon damals klar: „Ich bin ganz gewiss kein Trainer-Flüsterer. Der Trainer entscheidet alles selbst. Alles andere wäre doch unsinnig.“
Schaaf sieht sich eher als Mentor. Gerade den vielen jungen Trainern im Bundesliga-Geschäft würde Erfahrung fehlen, die ihnen ein Mentor geben könnte. Das dürfte auch für Florian Kohfeldt gelten, der mit erst 35 Jahren zum Chefcoach bei Werder aufgestiegen ist. Ein erfahrener Mann im Hintergrund würde ihm sicher nicht schaden.
Aktuell arbeitet Schaaf als technischer Berater für die Uefa, spricht auf Kongressen. Nationale Fußball-Verbände laden ihn regelmäßig zu Vorträgen ein. Sein letztes Engagement als Trainer endete im Frühjahr 2016 bei Hannover 96. Davor war der 56-Jährige eine Saison bei Eintracht Frankfurt. Unvergessen natürlich seine Werder-Zeit, erst als Spieler, dann als Trainer – mit fast allen möglichen Titelgewinnen. Jetzt soll seine dritte Karriere bei Werder folgen – diesmal als Funktionär.
Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern



