„Wir stehen weiter zur Verfügung“

Hess-Grunewald will sich wieder zum Werder-Präsidenten wählen lassen

Hubertus Hess-Grunewald will sich als Präsident von Werder Bremen wiederwählen lassen.
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Hubertus Hess-Grunewald will sich als Präsident von Werder Bremen wiederwählen lassen.

Bremen - Seit 48 Jahren ist Hubertus Hess-Grunewald nun schon Mitglied beim SV Werder Bremen, seit 2014 Präsident des Vereins – und so grün-weiß soll es für den 57-Jährigen weitergehen.

Im Interview mit der DeichStube bestätigt der Jurist, der bei Werder auch als Geschäftsführer der ausgegliederten Profi-Abteilungen arbeitet, dass er sich im Herbst wieder zur Wahl stellen wird. Er erklärt zudem, warum sich Werder von einigen Jugend-Mannschaften trennen muss – und natürlich spricht er auch noch mal über das brisante Thema Stadionumbau.

Herr Hess-Grunewald, in den letzten Tagen wurden Stadionpläne, über die Sie auch mit uns gesprochen haben, sehr emotional diskutiert. Hatten Sie mit dieser Reaktion gerechnet?

Hubertus Hess-Grunewald: Ich habe das Gefühl, dass das Sommerloch dieser Diskussion ein wenig Rückenwind gegeben hat. Ich habe über Ideen gesprochen, über eine Vision, die wir mit Teilen unserer aktiven Fanszene thematisiert haben. Auslöser waren neue Medienrichtlinien vor einem Jahr, die auf den ersten Blick, ein Platzprobleme hinter dem Tor offenbarten. Aber dieses Thema haben wir längst mit der DFL geklärt. Der Drang der Fans, über die Zukunft der Ostkurve zu sprechen, ist geblieben. Dazu habe ich auch Ihrer Zeitung einen Einblick gegeben. Das Thema haben danach alle ein bisschen für sich genutzt. Mehr will ich dazu nicht äußern, darüber ist genug gesagt und wieder relativiert worden.

Okay, anderes Thema: Ende des Jahres wird es für Sie ernst, die Werder-Mitglieder wählen ihren Präsidenten. Werden Sie für eine weitere Amtszeit kandidieren?

Hubertus Hess-Grunewald: Ja, das habe ich vor. Das gesamte geschäftsführende Präsidium wird gewählt. Vizepräsident Jens Höfer, Schatzmeister Axel Plaat und ich werden wieder antreten. Wir haben dem Präsidium und dem Ehrenrat schon mitgeteilt, dass wir für eine weitere Amtszeit als Team zur Verfügung stehen. Jetzt nimmt der Wahlausschuss als Nächstes die Kandidatenkür vor. Dieser Prozess beginnt im Sommer. Am Ende wird der Ausschuss der Mitgliederversammlung im Herbst einen Vorschlag für das neue Präsidium machen. Ich kann vorher nur meine Bereitschaft signalisieren.

Während der vergangenen Mitgliederversammlung gab es offene Kritik an Ihrem Führungsstil. Rechnen Sie wieder mit Gegenwind?

Hess-Grunewald: Wie gesagt: Erst mal muss mich der Wahlausschuss als Kandidaten aufstellen. Kritik könnte es dann durchaus wieder geben. Ich habe die kritische Wortmeldung bei der letzten Versammlung aber so wahrgenommen, dass sich die Versammlung die Kritik nicht zu eigen gemacht hat. Seither haben wir unsere Arbeit intensiv fortgesetzt und spüren den Rückhalt vieler Mitglieder und der gewählten Gremien.

Vielleicht ist es für Wahlwerbung noch etwas zu früh, aber wie sieht Ihre Werder-Vision aus? Wo sehen Sie den Verein in zehn Jahren?

Hess-Grunewald: Wir haben uns als Verein in den letzten Jahren auf wesentliche Eckpfeiler festgelegt, mit denen wir in die Zukunft gehen wollen. Wir wollen auch weiterhin ein Miteinander von Leistungs- und Breitensport bei Werder praktizieren. Klar ist auch, dass die 50+1-Regel für uns ein ganz wichtiges Thema bleibt. Selbst wenn diese Regel eines Tages fallen sollte, was wir nicht hoffen, wird Werder daran festhalten, wenn die Mitglieder es wollen. Außerdem wollen wir das Thema Ehrenamt in den Fokus nehmen. Gemessen an der existenziellen Bedeutung für Vereine wird das Thema immer noch unterschätzt. Das muss sich ändern. Als sportlich und gesellschaftlich wichtig erachte ich darüber hinaus, den Frauenfußball in der ersten Bundesliga zu etablieren und dass wir auch weiterhin andere Sportarten als Fußball im Verein anbieten.

Hubertus Hess-Grunewald

Stichwort: Gesellschaftliche Verantwortung. Sie haben angekündigt, die Zahl der Breitensport-Nachwuchsteams im Fußball aus Platzgründen zu reduzieren. Wie soll das ablaufen?

Hess-Grunewald: Wir haben darauf hingewiesen, dass wir bei Werder Kapazitätsgrenzen erreichen und darauf reagieren müssen. Wir beherbergen 44 Nachwuchsteams auf unseren elf Plätzen. Da kann sich jeder ausrechnen, was das organisatorisch bedeutet. Außerdem müssen wir auch für so viele Teams Trainer und Helfer organisieren. Da sind wir wieder beim Thema Ehrenamt, an das wir bei Werder auch gewisse Qualitätsansprüche haben müssen. Wir haben uns dazu entschieden, nicht auf Biegen und Brechen diese Zahl an Teams aufrecht zu erhalten. Es geht dabei mitnichten darum, dass wir den Breitensport abschaffen wollen. Es wird eine vorsichtige und minimale Reduzierung geben. Konkret werden wir in der neuen Saison eine Mannschaft weniger haben, denn es wird keine dritte A-Jugend mehr geben. Alles andere bleibt, wie es ist.

Aktuell zählt Werder 44 Teams, 25 davon gehören dem Leistungssport an. Gibt es eine Zielvorgabe bei der Reduzierung?

Hess-Grunewald: Nein, so können sie das Thema nicht angehen. Wir werden immer den Einzelfall bewerten und entscheiden. Aber wir werden genauer hinschauen, ob es Sinn macht eine Mannschaft, die Saisonbeginn nur aus sechs oder sieben Kindern besteht, zu melden oder ob es nicht im Sinne aller anderen Teams ist, die Umkleidekabinen und Platzzeiten für die Kinder anderer Teams zu verbessern. Vielleicht haben wir in ein paar Jahren jeweils zwei Breitensportteams pro Altersklasse, die mehr Platzzeiten bekommen und von sehr gut ausgebildeten Trainer und top-motivierten Helfern betreut werden.

Wie schwierig ist es, den Eltern der Jugendspieler das Thema zu vermitteln?

Hess-Grunewald: Ich weiß, dass es von Eltern bei der Fußballabteilung ein paar besorgte Nachfragen gab, ob ihre Kinder noch weiter bei Werder spielen können. Da kann ich versichern: Jeder, der momentan bei Werder in einem Nachwuchsteam spielt, kann weiter bei Werder spielen. Wir werden das sehr sensibel behandeln. Unsere Fußball-Abteilung hat große Tradition.

Wie sinnvoll ist es, wenn Eltern ihre Kinder von weit aus dem Umland nach Bremen fahren, nur damit sie bei Werder in der dritten B-Jugend spielen können?

Hess-Grunewald: Das ist ein Phänomen, das wir beobachten und auf das wir reagieren. Wir sprechen da auch mal Eltern an, ob es sinnvoll ist, das Kind weite Strecken hin- und herzufahren, damit das Kind die Werder-Raute trägt, obwohl ein engagierter Heimatclub vor Ort ähnliche Angebote macht. Auch das ist für uns soziale Verantwortung.

Werder verspricht sich von der Reduzierung bessere Bedingungen für die Teams, die bleiben. Das Leistungszentrum soll zudem runderneuert werden. Wie weit sind Sie mit diesem Plan?

Hess-Grunewald: Wir sind mit allen relevanten Interessengruppen in Kontakt. Wir spüren eine Grundakzeptanz unserer Bedürfnisse. Wir konnten verdeutlichen, so wie das Nachwuchsleistungszentrum derzeit besteht, kann es nicht bleiben.

Was ist genau geplant?

Hess-Grunewald: Wir müssen sehr viele Vorgaben unter einen Hut bringen. Wir wollen wenige Flächen zusätzlich versiegeln, damit wir die strengen Vorlagen für Bauten im Hochwasserschutzgebiet erfüllen. Wir wollen, dass sich Anwohner und Nutzer der Pauliner Marsch mit den Neuerungen wohlfühlen und gern in der Pauliner Marsch Zeit verbringen und wir wollen natürlich gute Voraussetzungen für unsere Talente schaffen, deren Ausbildung existenziell wichtig für Werder ist.

Hubertus Hess-Grunewald

Wie dringend ist die Neugestaltung mit Blick auf die Bundesliga-Konkurrenz, die in diesem Bereich zum Teil kräftig aufgerüstet hat?

Hess-Grunewald: Beim Buhlen um Talente ist die aktuelle Infrastruktur das Letzte, was wir den Spielern zeigen, wenn wir sie von Werder überzeugen wollen. Bislang haben wir mit Konzepten und den handelnden Personen überzeugen können. Wenn wir die Talente aber durch die Kabine führen und sagen: „Hier zieht sich die U23 um“, dann gucken sie ziemlich sparsam.

Das Leistungszentrum soll aber kein Luxustempel werden, oder?

Hess-Grunewald: Nein, das würde unserer Philosophie widersprechen. Entscheidend bei unserer Ausbildung sind auch künftig unsere inhaltlichen Konzepte, aber wir müssen sie in modernen Rahmenbedingungen umsetzen können. Und dazu gehören heute vernünftige Kabinen, Besprechungsräume, Analyseräume, Trainerkabinen und Behandlungsräume sowie eine gastronomische Grundversorgung. Mit Luxus hat das nichts zu tun. Noch bessere Bedingungen, wie sie die Profis vorfinden, sollen sich die Spieler erst erarbeiten.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?

Hess-Grunewald: Wir rechnen mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Genauer lässt es sich noch nicht beziffern, weil wir noch in den ersten Konzeptplanungen sind.

Wie will Werder das finanzieren?

Hess-Grunewald: Dazu laufen die Gespräche. Wir werden Lösungen finden. Aber sicherlich können wir eine Investition dieser Größenordnung nicht mal eben aus dem laufenden Tagesgeschäft finanzieren.

Wo Sie gerade von Namenssponsoring sprechen: Wie sehr liegt es Ihnen am Herzen, dass das Weserstadion weiterhin Weserstadion heißt?

Hess-Grunewald: Ich bin sehr froh, dass das Weserstadion Weserstadion heißt, weil ich es so von Kindheit an kenne und im Herzen trage. Wir werden sehen, wie es in dieser Frage weitergeht.

Wie könnte das aussehen? Kann Werder auf die Einnahmen eines Namenssponsoring verzichten, oder hoffen Sie auf einen Partner, der die Rechte kauft, den Namen aber nicht antastet?

Hess-Grunewald: Es ist nicht zwingend so, dass wir auf Geld verzichten müssen, wenn wir den Namen behalten wollen. Es gibt auch andere Wege. Sie haben ja gerade ein Beispiel genannt. Wir sind da in Gesprächen mit möglichen Partnern.

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