Westkurve geht vor
Klare Ansage der Stadt: Die Ostkurve muss in die Warteschleife
Bremen - Der Stein rollt. Weil Werder Bremens Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald Überlegungen zur Umgestaltung der Ostkurve des Weserstadions öffentlich gemacht hat, kommt plötzlich eine neue Dynamik in das Thema Weserstadion.
„Radio Bremen“ berichtet von einer angeblichen Drei-Millionen-Euro-Lücke im Wirtschaftsplan der Bremer Weserstadion GmbH, bei „Mein Werder“ beklagt sich das Wirtschaftsressort der Stadt Bremen über einen Alleingang des Vereins und mangelnde Kommunikation. Und bei Werder behauptet Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, das gerade „viel Wind um nichts“ entsteht.
Filbry bestätigt gegenüber der DeichStube allerdings, dass die Bremer Weserstadion GmbH (BWS) vor der Aufgabe steht, eine Unterdeckung aufzufangen. Doch das ist nicht neu. Weil Top-Sponsor EWE sein Engagement mit der Vertragsverlängerung bis 2021 zurückschraubt und nicht mehr für die (nie in Anspruch genommenen) Namensrechte zahlt, „müssen wir das auffangen“, sagt Filbry. Das ist ein Stand, der schon seit Wochen gilt. Filbry: „Das ist nichts Neues.“ Dass das Loch in der Kasse drei Millionen Euro beträgt, bestätigt der Clubchef freilich nicht. „Wir bekommen weniger von der EWE, von daher gibt es eine Unterdeckung. Aber die BWS ist handlungsfähig“, erklärt er lediglich.
Millionen-Lücke - Bremen zahlt 850.000 Euro
Grundsätzlich besteht nach wie vor die Möglichkeit, die Lücke durch den Verkauf der Namensrechte nicht nur zu schließen, sondern sogar ein deutliches Plus zu erzielen. Doch die Vergabe der Namensrechte ist derzeit kein Thema, das auf den Schreibtischen der BWS-Bosse auf die Unterzeichnung wartet. Sprich: eine geldbringende Lösung ist auf diesem Weg erstmal nicht in Sicht.
Derweil bestätigte Tim Cordßen, der Sprecher des Bremer Wirtschaftsressorts, gegenüber der DeichStube einen Bericht von „Radio Bremen“, wonach die Stadt insgesamt 850.000 Euro aufbringt, um ihren Anteil an der Kompensation des Einnahmerückgangs bei der BWS zu leisten. Durch die Aussetzung der Tilgung eines Alt-Kredits wurde eine Liquidität von 250.000 Euro geschaffen, weitere 600.000 Euro werden durch die Aufnahme eines neues Darlehens bereitgestellt. „Städtischerseits haben wir unseren Beitrag geleistet“, so Cordßen: „Die Lücke ist geschlossen.“ Die Stadt Bremen und der SV Werder sind jeweils 50-Prozent-Gesellschafter der BWS.
Zu Störgeräuschen ist es zwischen den Partnern bezüglich der möglichen Umwandlung der Ostkurve in eine reine Stehplatztribüne gekommen. Geschäftsführer Hess-Grunewald hatte gegenüber der DeichStube Gedankenspiele öffentlich gemacht, auf neue Vorgaben im TV-Vertrag mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren. Davon war wiederum das Wirtschaftsressort der Stadt Bremen „sehr überrascht“. Das sagte Cordßen gegenüber „Mein Werder“: „Wir haben von Plänen auch erst aus der Zeitung erfahren. Eigentlich läuft so etwas andersherum: Erst werden die Gesellschafter informiert, dann die Öffentlichkeit.“
Für Klaus Filbry ist die Aufregung erstens unbegründet und zweitens schon wieder vorbei. Hess-Grunewald habe mit den entsprechenden Stellen gesprochen, „die Verärgerung hat sich wieder gelegt, es hat sich bereinigt“, meint Filbry. Aber klar: Hess-Grunewald hat erstmal für Irritationen gesorgt. Nicht nur im Wirtschaftsressort, sondern auch bei Fans, die ihre liebgewonnen Sitzplatz-Dauerkarten im Oberrang der Ostkurve nicht hergeben möchten. Doch ob es so kommt, steht noch völlig in den Sternen, so Filbry: „Es gibt bei uns keine Pläne, sondern nur Überlegungen, wie wir uns in Zukunft mit dem Thema auseinandersetzen können.“
Cordßen: Westkurve hat Priorität gegenüber Ostkurve
Diese Formulierung gefällt auch dem Wirtschaftsressort besser. Denn Cordßen sieht einen Umbau der Ostkurve aus diversen Gründen nicht auf Platz eins der To-do-Liste der BWS. „Es gibt andere Prioritäten, die vor der Ostkurve stehen“, sagt er und führt neben der finanziellen Situation der BWS vor allem die Westkurvenproblematik auf. Der „sicherheitsrelevante Umbau des Gästebereichs“ genießt Vorrang. Das habe man sich im klärenden Gespräch mit Hess-Grunewald auch gegenseitig versichert. Also gilt: „Es gibt keine Irritationen zwischen unseren Häusern“, so Cordßen. Nicht mehr, möchte man sagen.
Eine klare Ansage aus dem Wirtschaftsressort, die gibt es aber. Denn Cordßen sieht bei aktueller Finanzlage keine Möglichkeiten, mal eben das eine und dann gleich das andere zu machen. „Wir können uns nach der Westkurve sicherlich Gedanken über die Ostkurve machen. Aber im Moment stellt es sich nicht so dar, dass wir aus der BWS heraus diese Möglichkeiten aufbringen können.“
Ein Ostkurvenumbau wäre sicherlich ein Millionen-Projekt. Derzeit wisse man aber nicht einmal, was die Veränderungen in der Westkurve kosten werden. Szenen wie beim Nordderby gegen den HSV, als friedliche Zuschauer durch aus dem Gästeblock geworfene Gegenstände gefährdet wurden, soll es künftig nicht mehr geben. Lösungen werden derzeit geprüft, konkrete Vorschläge entwickelt, sagt Cordßen: „Klar ist, dass wir das nicht auf die lange Bank schieben können.“
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