Neuer Stürmer stellt sich bei Werder vor
Belfodil: „Ich bin ein Straßenfußballer“
Bremen - Nach dem ersten Training gab es den ersten Medientermin für Ishak Belfodil. In den Katakomben des Weserstadions stand der Neuzugang des SV Werder Bremen den Journalisten Rede und Antwort - und die DeichStube fragte mit.
Der 25-Jährige, der einen algerischen und einen französischen Pass besitzt, sprach über die Gründe für seinen Wechsel von Standard Lüttich nach Bremen, über einen Vergleich mit Claudio Pizarro, seine Lieblingsposition als Spielmacher und über seine Familie, die erst später nachkommt.
Herr Belfodil, warum haben Sie sich so kurz vor dem Transferende für Werder entschieden?
Ishak Belfodil: Als ich erfahren habe, dass sich Bremen für mich interessiert, war es eine einfache Entscheidung für mich, denn Bremen ist ein großartiger Verein, der in einer großartigen Liga spielt – und in der letzten Zeit eine tolle Entwicklung genommen hat.
Was wissen Sie über den SV Werder?
Belfodil: Werder ist in Frankreich ein sehr bekannter Verein. Ich kenne hier auch einige Spieler – insbesondere Lamine Sane, der hat auch in Frankreich gespielt.
Warum wollten Sie von Lüttich zu Werder?
Belfodil: Mit Lüttich gab es keine Probleme. Aber wenn man in der belgischen Liga spielt und dann ein Angebot aus Deutschland bekommt, aus der Bundesliga, von einem so renommierten Club wie Werder, dann denkt man darüber nach. Ich bin dankbar dafür, dass mir Lüttich diesen Wechsel ermöglicht hat.
Wie geht es Ihnen?
Belfodil: Sehr gut. Ich bin noch etwas müde. Ich bin über Nacht nach Bremen angereist.
War dieser Last-Minute-Transfer für Sie besonders aufregend?
Belfodil: Ich bin diese Situation gewohnt. Das Übereinkommen war ja auch schon am Vormittag geschlossen worden. Aber es mussten noch viele Dokumente unterschrieben und hin- und hergeschickt werden. Weil das Transferfenster in Deutschland schon um 18 Uhr schließt, musste es ein bisschen schneller gehen. Deshalb war es schon ein bisschen aufregend, aber normal.
Wer hat Sie von Werder überzeugt?
Belfodil: Natürlich habe ich mit dem Trainer und dem Sportdirektor gesprochen. Aber meine Entscheidung hatte ich schon vorher getroffen. Denn wenn sich ein Club wie Werder für mich interessiert, dann bin ich sofort dabei.
Wie würden Sie Ihre Spielweise als Stürmer beschreiben?
Belfodil: Ja, ich bin Angreifer. Ich spiele alle Positionen im Sturm. Ich bin sehr polyvalent einsetzbar. Meine eigentliche Position ist Zehner, aber wenn der Trainer mir sagt, ich soll in der Abwehr spielen, dann mache ich das. Da bin ich ganz offen.
Sie haben in den letzten sechs Jahren acht Mal den Verein gewechselt. Reisen Sie gerne?
Belfodil: Ich bin ein sehr ehrgeiziger Spieler. Und immer, wenn ich die Gelegenheit bekommen habe, zu einem Verein zu wechseln, der besser ist, bei dem ich mich besser entwickeln kann, dann habe ich immer zugestimmt. Wechsel machen mir keine Angst.
Waren Sie schon mal in Deutschland?
Belfodil: Ich war schon mehrmals in Deutschland. Als ich mit Lyon in der Champions League gespielt habe, war ich dabei – allerdings nicht im Kader. Letztes Jahr war ich in Dortmund, da habe ich mir das Champions-League-Spiel gegen Monaco angeschaut.
Wann haben Sie zum ersten Mal vom Bremer Interesse erfahren, und gab es auch andere Optionen für Sie?
Belfodil: Vor zehn Tagen hat mich mein Berater informiert. Für mich ist Werder ein großer Verein, deshalb habe ich andere Optionen auch aus anderen Ländern abgelehnt, obwohl die finanziell teilweise besser gewesen wären. Ich will sportlich vorankommen, für mich ist das ein sportliches Projekt. Deswegen habe ich mich für Werder entschieden.
Welche Qualitäten haben Sie?
Belfodil: Ich bin körperlich präsent, bin sehr groß. Mir bedeutet Technk viel. Ich bin gerne am Ball, das Dribbling ist eine meiner Stärken.
Was können Sie mit Werder erreichen?
Belfodil: Ich möchte ein Teil der Mannschaft werden und mich den Zielen des Vereins anpassen.
Werder hat schon viele große Stürmer hervorgebracht, kennen Sie welche?
Belfodil: Ja natürlich, Pizarro, Klose, um nur einige Namen zu nennen. Das ist hier eine Kaderschmiede für Stürmer hier, das ist ja bekannt.
Einige Fans haben gerade bei ihrem ersten Training gesagt, der bewegt sich ja wie Claudio Pizarro. Wie finden Sie den Vergleich?
Belfodil: Das ist ein sehr schmeichelhafter Vergleich. Allerdings glaube ich, dass wir schon unterschiedlich sind. Pizarro war ein richtiger Stürmer. Ich habe ja schon gesagt, dass ich mich auf der Position hinter den Stürmern, also als Zehner sehe. Aber ich freue mich natürlich, dass so ein Vergleich gezogen wird. Das ist nett.
Wie fit sind Sie?
Belfodil: Ich bin sofort spielfähig. Ich bin in einem körperlichen Zustand wie alle Spieler nach der Sommervorbereitung. Jetzt muss man erst mal richtig in Schwung kommen.
Sie hatten die Rückennummer 99 in Lüttich, jetzt tragen sie die 29. Muss die Neun immer dabei sein?
Belfodil: Ja, die Zahl neun mag ich schon sehr gerne. Die 99 konnte ich hier nicht nehmen, da habe ich mich über die 29 sehr gefreut.
Sie haben gesagt, dass Sie eigentlich ein Zehner sind. Haben Sie schon mit dem Trainer gesprochen, wo er Sie einplant?
Belfodil: Wir haben noch nicht gesprochen, auf welcher Position genau ich eingesetzt werden soll. Das ist ja auch eine Liga, in der insgesamt viel Bewegung im Spiel ist. Ob das jetzt Neuner oder Zehner ist – ich bin für alles offen. Es gibt hier ja schon gute Stürmer. Ich warte mal ab, was der Trainer mit mir vorhat.
Was für ein Typ sind Sie?
Belfodil: Ich bin jemand, der sehr nett und freundlich ist. Ich habe gerne Spaß und lache gerne. Ich verstehe mich immer gut mit meinen Mitspielern. Auf dem Feld bin ich jemand, der es hasst zu verlieren. Da bin ich auch nachtragend. Das mag ich nicht so gerne. Aber es ist ja für einen Fußballer nicht die schlechteste Eigenschaft, immer gewinnen zu wollen.
Sie sind nur für ein Jahr ausgeliehen. Muss man sich Sorgen machen, dass Sie in einem Jahr schon wieder weg sind?
Belfodil: Das müssen dann die Vereine klären. Ich hoffe, dass ich lange bei Werder spielen kann. Ich bin gekommen, um alles für Werder zu geben.
Sie sind in Frankreich aufgewachsen, sind Sie ein Straßenfußballer gewesen?
Belfodil: Ich bin tatsächlich ein Straßenfußballer. Ich bin in einem Vorort von Paris aufgewachsen, da habe ich ganz, ganz viel auf der Straße gekickt. Gut, ich bin dann auch zu Vereinen gegangen. Aber meine Wurzeln sind in den Vororten von Paris auf der Straße.
Bringen Sie jemanden mit nach Bremen?
Belfodil: Ich bin erst mal alleine gekommen und bleibe auch vorerst alleine, weil ich mich ganz auf den Verein konzentrieren will. Irgendwann werden dann aber auch meine Frau und mein Sohn nachkommen.
Ishak Belfodil: Seine Karriere in Bildern





