Werder-Neuzugang bedankt sich bei seiner Mutter
Möhwald im Interview: „Ich weiß, dass ich ‘was drauf habe“
Zell - Kevin Möhwald war unprofessionell. Er sagt es selbst. Auf dem Hotelzimmer, das er sich im Trainingslager im Zillertal mit Ole Käuper teilt, hat er die Klimaanlage auf kalt gestellt.
Jetzt hat er einen Schnupfen. „War wohl nicht so klug“, lacht der 25 Jahre alte Neuzugang des SV Werder Bremen und man merkt schnell, dass es bei ihm mehr braucht als eine laufende Nase, um ihm die gute Laune zu verderben. „Ich bin eine Frohnatur“, meint Möhwald, den Werder ablösefrei vom 1. FC Nürnberg verpflichtet hat. Jetzt ist er ganz ohne Bundesliga-Erfahrung die neue Mittelfeldhoffnung im Kader. Wie er darüber denkt, warum seine Mutter Petra für ihn der wichtigste Mensch im Leben ist und wie er als Single-Mann die freie Zeit totschlägt, verrät Möhwald im Interview mit der DeichStube.
Abgesehen vom Schnupfen: Wie läuft es für Sie bislang im neuen Team?
Kevin Möhwald: Ich bin ein offener Typ, der sich recht schnell einfinden kann. Die Jungs machen es mir zudem wirklich leicht. Ich verstehe mich eigentlich mit allen gut.
Es gibt Sie eigentlich nur mit Lachen im Gesicht zu sehen – sind Sie so ein Strahlemann?
Möhwald: Ja, bin ich. Ich habe jeden Tag Spaß daran, auf den Platz zu gehen und mit den Jungs zu trainieren. Ich sehe das so: Wir Fußballer sind alle privilegiert, konnten unser Hobby zum Beruf machen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich lächelnd durch die Welt laufe.
Wäre das bei einem anderen Beruf nicht so?
Möhwald: Wenn ich einen Beruf hätte, der mich erfüllen würde, wäre ich genauso, wie ich es jetzt bin. Es geht darum, dass man Spaß hat an dem, was man tut. Und das habe ich. Deshalb bin ich glücklich und wirke auch so nach außen.
Sie vollziehen gerade die Wandlung vom Zweitliga- zum Erstligaspieler. Geht das so locker und leicht?
Möhwald: Locker und leicht nicht. Aber ich bin kein Skeptiker. Ich weiß, dass ich ‘was drauf habe. Jetzt liegt es an mir, das für die Mannschaft gewinnbringend auf den Platz zu bringen. Ich freue mich auf diese Aufgabe, sie ist ein Ansporn für mich. Aber klar: Respekt ist natürlich auch dabei.
Nach dem Test gegen den MSV Duisburg hat Trainer Kohfeldt Ihnen einerseits eine hohe Spielintelligenz bescheinigt, andererseits aber auch gesagt, dass Sie sich „in den Staffelungen“ noch nicht zurechtfinden. Was hat er damit gemeint?
Möhwald: Ich habe beim 1. FC Nürnberg die gleiche Position gespielt wie hier in den Trainingseinheiten oder den ersten Testspielen – auf der Acht. Die Aufgaben sind aber grundverschieden. In Nürnberg war ich deutlich tiefer eingebunden, war meistens der erste Aufbauspieler. Hier spiele ich aber deutlich höher, muss die Position ganz anders interpretieren. Ich verfalle dabei ab und an noch in die alten Gewohnheiten. Ich glaube aber, dass mir die vom Trainer angesprochene Spielintelligenz helfen wird, mich schnell umzugewöhnen.
Gegen Duisburg haben Sie nach der Pause auf der Sechs im defensiven Mittelfeld gespielt, weil Philipp Bargfrede in die Dreierkette gerückt ist. Ist der Sechser auch eine passende Rolle für Sie?
Möhwald: Florian Kohfeldt sagt, dass ich das Profil und die Qualitäten für diese Position habe. Ich bin da sowieso offen, im Zentrum kann ich eigentlich alles spielen, weil ich mich da am wohlsten fühle.
Von der zweiten Liga in die Schaltzentrale eines Erstligisten – sind Sie bereit, diese Verantwortung zu übernehmen?
Möhwald: Ja, nur weil ich aus der zweiten in die erste Liga komme, verändere ich ja nicht meinen Spielstil oder mein Verhalten. Ich bin auf dem Platz sowieso der kommunikative Typ, der viele Anweisungen gibt. Im Zentrum hat man den Überblick. Da ist es auch hilfreich für die Mitspieler, wenn du auch sagst, wenn dir etwas auffällt.
Sie sind neu im Team, wird dennoch schon auf Sie gehört? Oder sind Sie noch der Zuhörer?
Möhwald: Sowohl als auch. Im Spiel vergisst man, ob der, der gerade Anweisungen gibt, ein Neuling ist oder nicht. Da geht es einfach um die richtigen Kommandos. Da ist ein Max Kruse genauso dankbar für eine Hilfestellung wie ein Josh Sargent.
Erstes Erstliga-Engagement mit 25 Jahren – sehen Sie sich selbst als Spätstarter? Oder ist das Alter gerade richtig?
Möhwald: Das lässt sich nicht wirklich sagen. Ich weiß ja nicht, wo ich wäre, wenn ich früher einen Bundesliga-Vertrag unterschrieben hätte. Vielleicht hätte ich dann jetzt schon 50 Erstligaspiele, oder ich würde in der Landesliga kicken. Was ich sagen kann: Ich hatte in der Vergangenheit häufiger die Möglichkeit, zu einem höherklassigen Verein zu wechseln. Ich habe mich dann immer entschieden, möglichst kontinuierlich spielen zu können. Ich wollte nicht eine Stufe überspringen.
Ihr Aufstieg liest sich so: Heimatverein RW Erfurt in Liga drei. Dann drei Jahre 1. FC Nürnberg in Liga zwei. Nun Werder Bremen.
Möhwald: Ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung und meinen Entscheidungen. In Nürnberg war ich zunächst kein Stammspieler, bis alle gemerkt haben: Mensch, der kann ja Fußball spielen, obwohl er aus der dritten Liga kommt. Ich habe mich dann hochgearbeitet.
Sie haben nicht die mittlerweile klassische Ausbildung in einem Bundesliga-Leistungszentrum durchlaufen. Ein Nachteil im Vergleich mit anderen Spielern?
Möhwald: Nein, eigentlich nicht. Ich habe auch in Erfurt eine gute Ausbildung genossen. Damals noch mit dem Sportgymnasium, wo Schule und Fußball gut zueinander gebracht wurden. Darüber bin ich froh und absolut dankbar.
Werder sucht nach zwei weiteren Mittelfeldspielern. Fürchten Sie, dass Ihnen da noch jemand vor die Nase gesetzt wird?
Möhwald: Ich sehe es positiv, dass wir in numerischer Anzahl der Spieler im Mittelfeld und auch in der Qualität noch etwas machen können. Und wenn ich meine Leistung bringe und meine Qualitäten einsetze, dann habe ich auch gute Chancen zu spielen. So selbstbewusst bin ich.
Ihr Tipp: Was wird in einem halben Jahr über Sie gesagt werden? Möhwald, die Mittelfeldsäule - oder: Möhwald, der Mitläufer?
Möhwald: Ich würde natürlich die Säule bevorzugen. Aber jetzt geht es erstmal darum, dass wir uns als Mannschaft gut auf die Saison vorbereiten. Was über den Einzelnen gesagt wird, ist nicht so wichtig. Die Mannschaft zählt. Und wenn ich nur eine Nebenrolle habe, die Mannschaft aber erfolgreich ist, ist das auch in Ordnung.
Sie haben offenbar nicht nur Qualitäten als Fußballer, sondern auch als Entertainer. Jedenfalls haben Sie bei Videos des Nürnberger „Club-TV“ auffallend häufig das Mikro in der Hand.
Möhwald (lacht): Keine Ahnung, wie das kommt. Da muss immer im falschen Moment die Kamera an gewesen sein. Aber wie schon gesagt: Ich bin der lustige Typ, bin immer für einen Spaß zu haben. Und da waren in Nürnberg ein paar Spieler dabei, die das auch mitgemacht haben, die wie ich einen kleinen Pfeil im Kopf haben.
Trauen Sie sich auch bei Werder, schon Faxen zu machen?
Möhwald: Eine gewisse Zurückhaltung ist noch dabei. Ich bin hier ja noch nicht der Spieler, an dem sich andere aufrichten. Ich verstelle mich aber auch nicht, mache meine Späßchen.
Beschreiben Sie mal Ihren Humor, bitte!
Möhwald: Das geht nicht. Der ist zu verrückt. Ich lache fast über alles.
In Bremen haben Sie für die ersten Schmunzler gesorgt, als Sie bei Ihrer Vorstellung Ihre Freizeitaktivitäten mit „Was ein Single-Mann so macht“ beschrieben haben.
Möhwald (lacht): Ich habe im Nachhinein auch gemerkt, dass das ein bisschen doppeldeutig war. Aber damit war wirklich nur gemeint, dass ich gerne Konsole zocke, mit Freunden in der Stadt essen gehe. Mehr nicht.
Was zocken Sie denn?
Möhwald: Nur Fifa. Manchmal auch NBA, aber das ist mir zu schwer.
Haben Sie Bremen schon auf seine Single-Mann-Tauglichkeit überprüft?
Möhwald: Noch nicht. Die ersten Tage in Bremen waren mit Fußball ausgefüllt. Aber das wird noch kommen.
Kevin Möhwald: Seine Karriere in Bildern
Sind Sie ein Nachtschwärmer?
Möhwald: Nein, gar nicht. Das war vielleicht mal mit 18, 19 so. Jetzt bin ich in der Hinsicht eher ein Langweiler. Ich mag es, abends einfach nur zu Hause auf der Coach zu sitzen und zu relaxen.
Sie haben den 1. FC Nürnberg trotz des Aufstiegs verlassen. Warum?
Möhwald: Weil ich für mich festgestellt habe, dass in mir noch mehr Potenzial schlummert und ein Standortwechsel mir helfen könnte, dieses Potenzial auszuschöpfen. Die durchgehende Qualität im Bremer Kader ist einfach noch mal höher als in Nürnberg. Da kannst du dich in keinem Training ausruhen.
Wie schwer ist Ihnen diese Entscheidung gefallen?
Möhwald: In Nürnberg hatte ich alles, da war ich wer, habe meine Spuren hinterlassen. Es war wie eine Wohlfühloase. Es war ehrlich schwer, mich davon zu trennen. Und ich habe bestimmt ein halbes Jahr überlegt, ob ich überhaupt gehen soll.
Wer hat dem Single-Mann Möhwald bei dieser Entscheidung geholfen?
Möhwald: Ich habe ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu meinem Berater (Karl Herzog, auch jahrelang der Berater von Clemens Fritz, d. Red.), mit dem ich schon sehr lange zusammenarbeite. Aber die wichtigste Bezugsperson findet sich in meiner Familie. Mit meiner Mutter habe ich viel und oft über den Wechsel gesprochen.
Wie eng ist der Kontakt zu Ihrer Mutter?
Möhwald: Mein Vater ist gestorben, als ich 14 Jahre alt war. Deswegen ist das Verhältnis zu meiner Mutter deutlich ausgeprägter, als wenn beide Elternteile die gesamte Kindheit und Jugend um mich gewesen wären. Sie ist in vielen Dingen meine erste Ansprechpartnerin.
Wie sehr hat sie Ihnen beim Start in die Karriere geholfen?
Möhwald: Bis ich nach Nürnberg gewechselt bin, habe ich mit ihr in meinem Elternhaus gewohnt. Sie musste mich als Jugendlichen ständig zu den Trainingseinheiten fahren, weil es so etwas wie einen Fahrdienst in Erfurt damals nicht gab. Sie war, so weit es ihre Zeit zuließ, auch immer bei den Spielen dabei. Sie weiß alles, was ich im Fußball mache und plane. Ohne sie und ohne meine Großeltern hätte ich es nicht schaffen können. Meine Mutter und meine Oma waren in der ersten Woche auch mit in Bremen und haben geholfen, meine neue Wohnung einzurichten.
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Quelle: DeichStube

