Lamine Sane sieht eine Chance gegen Bayern
„Unsere Strategie ist gut und richtig“
Bremen - Lamine Sane ist eine von drei Ausnahmen im aktuellen Kader von Werder Bremen. Nur Max Kruse, Jaroslav Drobny und er wissen, wie es sich anfühlt, gegen Bayern München zu gewinnen.
Kruse gelang das Kunststück gleich zweimal – in der Liga mit Borussia Mönchengladbach, im Supercup mit dem VfL Wolfsburg. Drobny schlug die Bayern in der Liga mit Hertha. Und Sane? Er stand im November 2009 beim 2:0 von Girondins Bordeaux in der Champions-League-Gruppenphase die letzten sechs Minuten auf dem Platz. Lang, lang ist es her. Sane (30) hält es aber für möglich, dass heute Sieg Nummer zwei über die Bayern für ihn dazukommt. Und zwar mit der neuen Bremer Defensivstrategie.
Nach dem 0:1 zum Bundesliga-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim nun das erste Heimspiel gegen Bayern München. Wie schlimm ist so ein Programm zum Start?
Lamine Sane: Schlimm würde ich jetzt gar nicht sagen. Wir betrachten die Partie gegen Bayern als Herausforderung. Es ist unser erstes Heimspiel, und wir wissen, was wir mit unseren Fans im Rücken schaffen können.
Nämlich was?
Sane: Wir haben durchaus die Möglichkeit, die Bayern durcheinanderzubringen und Unruhe bei ihnen zu schüren. Das haben wir im Januar schließlich auch geschafft. Wir haben zwar 1:2 verloren, aber wir konnten sie in Phasen destabilisieren. An diesem Punkt müssen wir jetzt wieder ansetzen. Ich habe den Optimismus, dass wir etwas ausrichten können.
Gegen Hoffenheim ist Ihr Team mit zunehmender Spielzeit immer defensiver geworden. Von Destabilisierung des Gegners war irgendwann gar nichts mehr zu sehen.
Sane: Es ist tatsächlich ein defensiv-lastiges Spiel gewesen. Wir waren mit anderen Absichten auf den Platz gegangen, dann hat Hoffenheim aber seine ganze Qualität gezeigt. Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir versucht, bloß keinen Gegentreffer mehr zu kassieren. Den Gegentreffer hat es dann trotzdem gegeben, aber das haut uns nicht um. Es ist schade und enttäuschend, dass es passiert ist, weil wir uns insbesondere auf die Abwehr konzentriert hatten.
Gefällt Ihnen als Abwehrstratege diese defensive Haltung?
Sane: Es ist eine Schritt-für-Schritt-Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist. Ich denke, ich kann für die ganze Mannschaft sprechen, wenn ich sage, dass wir mit dieser Linie einverstanden sind. Als Trainer Alexander Nouri die Mannschaft im vergangenen Jahr übernommen hat, stand er im Bereich Defensivverhalten vor einer großen Baustelle. Jetzt haben wir uns als Mannschaft nach und nach in diesem Bereich verbessert. Jetzt geht es darum, das Gleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung zu finden. Das ist der nächste Schritt in unserer Entwicklung. Deswegen sage ich: Es ist gut und richtig, diese Strategie zu verfolgen.
Sanes Werdegang




Wird die Partie gegen Bayern sogar zur Abwehrschlacht?
Sane: Ich glaube nicht, dass man von einer Schlacht sprechen muss. Aber es ist natürlich richtig, dass wir besonders in der Abwehr gefordert sein werden.
Der FC Bayern hat seinen Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen dank drei Toren nach Standardsituationen gewonnen. Eine zusätzliche Warnung für Werder?
Sane: An der Vermeidung von Gegentoren nach Standards haben wir in der Vorbereitung gezielt gearbeitet. Und wir wissen natürlich, dass wir bei ruhenden Bällen vor allem auf Mats Hummels achten müssen...
Das könnte ein Spezialauftrag für Sie sein.
Sane (lacht): Drehen wir es doch mal um: Hummels kann sich ja schon mal überlegen, wie er mir aus dem Weg gehen kann.
Die Bremer Abwehrformation musste wegen des Ausfalls von Niklas Moisander in der Vorbereitung neu zusammengestellt werden. Jetzt spielt Außenverteidiger Robert Bauer plötzlich in der Dreierkette und Milos Veljkovic als Rechtsfuß auf der linken Seite. Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Nebenleuten?
Sane: Das sind zwei sehr gute Abwehrspieler, die mir als Partner in der Dreierkette sehr gefallen. Bei Milos ist es völlig egal, auf welcher Seite er spielt, er ist auf beiden Positionen gleich gut. Und Robert spielt den Part in der Dreierkette auch nicht zum ersten Mal. Beide machen einen tollen Job, sind sehr ruhig, sehr aufmerksam, kriegen alles mit. Es sind Spieler, auf die ich mich verlassen kann.
Der Umbau der Dreierkette wird auch von der Diskussion um die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers begleitet. Zunächst wollte Sportchef Frank Baumann einen holen, nun heißt es, es wird wohl nichts draus. Wäre es vertretbar oder fahrlässig, auf einen Zugang für die Abwehr zu verzichten?
Sane: Wenn der Verein beschließt, dass noch jemand kommen muss, dann hat der Verein dafür seine Gründe. Und wenn er beschließt, dass die Spieler, die vorhanden sind, das schaffen und nicht noch jemand gekauft werden muss, dann hat er auch dafür seine Gründe. Da mische ich mich überhaupt nicht ein.
Das ist keine besonders mutige Aussage.
Sane: Ich kann es nicht entscheiden, also möchte ich auch nicht meine Meinung dazu äußern. Ich konzentriere mich auf das, was auf dem Platz passiert.
War es nicht eine Erfahrung der vergangenen Saison, als Luca Caldirola sehr lange gefehlt hat, dass es personell schnell eng wird in der Dreierkette?
Sane: Niklas wird nicht ewig fehlen, er kommt irgendwann auch wieder zurück. Mit ihm und Luca Caldirola sind wir fünf Verteidiger – wieso sollte man nicht auf die setzen?
Sie zählen Robert Bauer voll dazu und sehen ihn nicht als Notlösung?
Sane: Für mich ist er ein richtiger Verteidiger. Er spielt auf der einen Seite so wie Milos auf der anderen. Ich sehe da keinen Unterschied in der Leistung.
Noch ein Wort zu Bayerns Rekordeinkauf Corentin Tolisso: Sie kennen ihn aus Frankreich, haben mit Girondins Bordeaux dreimal gegen ihn im Trikot von Olympique Lyon gespielt und nie gewonnen.
Sane: Ich kann den Bayern nur zu seiner Verpflichtung gratulieren. Er hat sich in Lyon bewiesen, und ich wünsche ihm, dass er bei Bayern eine große Karriere vor sich hat.
Die Münchner haben die Bundesliga-Rekordsumme von 41,5 Millionen Euro für den 23-Jährigen bezahlt. Ist Tolisso zurecht der teuerste Bundesliga-Transfer aller Zeiten?
Sane (lacht): Ganz ehrlich: Wie soll ich das beurteilen? Ich kann nur sagen, dass ich mich freue, gegen ihn zu spielen.
