Zwei Freunde wiedervereint
Harnik und Kruse: Fast wie Zwillinge
Bremen - Wer es schmalzig mag, wird sich möglicherweise an diesem Intro erfreuen: Max und Martin – endlich vereint! So wird eine Geschichte fortgeschrieben, die tatsächlich ungewöhnlich ist im deutschen Profi-Fußball und in der nun bei Werder Bremen das möglicherweise letzte Kapitel geschrieben wird.
Max und Martin, mit Nachnamen Kruse und Harnik, spielen künftig wieder Seite an Seite. So wie früher beim SC Vier- und Marschlande, einem Club aus dem Randbezirk Hamburgs. Als Piefkes kickten die beiden dort schon zusammen, als Profis erfüllen sie sich jetzt einen gemeinsamen Wunsch.
In seiner via „hannover96.de“ verbreiteten Video-Botschaft an die Fans des nunmehr Ex-Clubs nannte Harnik die Wiedervereinigung mit „meinem ehemaligen Weggefährten und alten, dicken – im wahrsten Sinne dicken – Kumpel Max Kruse“ als einen Hauptgrund des Wechsels.
Martin Harnik: Seine Karriere in Bildern




„Das war von uns beiden ein großer Traum, dass wir nicht nur im Amateurbereich gemeinsam gespielt haben, sondern auch auf Profi-Ebene. Diese Chance nochmal zu bekommen, darauf freuen wir uns sehr.“ Auch Kruse hatte unlängst die Frage, mit wem er noch einmal gerne zusammenspielen würde, klipp und klar so beantwortet: Martin Harnik. Mit dem Jugendfreund sei einfach „eine besondere Freundschaft“ gewachsen.
Im Internet finden sich Fotos, die die frühe Phase dieser Freundschaft dokumentieren. Milchgesichter mit frechem Grinsen sind darauf zu sehen. Bubis in Fußball-Trikots. Die Milchgesichter sind gewichen, das Grinsen ist sowohl Kruse als auch Harnik erhalten geblieben. Und Trikots tragen sie, beide mittlerweile knapp über 30, auch immer noch. Ab dem 1. Juli wird es für beide wieder das Trikot des SV Werder sein.
Viele Parallelen in den Karrieren von Harnik und Kruse
Erstaunlich ist, wie ähnlich die Karrieren der beiden Freunde vom Weggang aus der Heimat bis zur bevorstehenden Wiedervereinigung verlaufen sind. Ein paar Parallelen: Gemeinsam kamen Harnik und Kruse 2006 vom SC Vier- und Marschlande nach Bremen. Als der Durchbruch im Profi-Team trotz guter Ansätze nicht gelang, wechselten beide 2009 in die Zweite Liga – Kruse zum FC St. Pauli, Harnik zu Fortuna Düsseldorf.
Doch die Rückkehr in Liga eins gelang jeweils schnell. Die Wege waren zwar andere, das Ergebnis ist aber vergleichbar. Martin Harnik hat bislang 220 Bundesliga-Spiele bestritten, Max Kruse 218. Der eine erzielte dabei 62 Tore (Harnik), der andere 63 (Kruse). Auch die Anzahl der Zweitliga- und Regionalliga-Einsätze ist mit 60 und 63 beziehungsweise 46 und 45 beinahe identisch.
Harnik und Kruse – fast wie Zwillinge? Auch in ihrer Spielweise ähneln sich die beiden Freunde. Obwohl in den Profilen der meisten Fußballportale im Internet als Mittelstürmer geführt, hat Harnik zuletzt bei Hannover 96 eine Rolle gespielt, die Kruse bei Werder ebenfalls interpretiert. Man könnte beide als Drumherum-Stürmer bezeichnen – also als Angreifer, die sich nicht ganz vorne ins Zentrum stellen, sondern sich in den Randbereichen als Initiatoren versuchen. Harnik hat so viel Arbeit für 96-Spitze Niclas Füllkrug (14 Saisontore) erledigt. Kruse ist auf seine Art der Tausendsassa in der Bremer Offensive.
Es gehört nun nicht viel dazu, sich die Frage zu stellen, wie die Twins überhaupt zusammen in der Offensive bei Werder Bremen funktionieren können. Am einfachsten wohl mit einer ständigen Positionsrochade zur Gegnerverwirrung – mal rückt der eine weiter vorne rein, mal der andere. Harnik und Kruse werden schon wissen, wie es gehen kann, sollten sie als Doppelspitze gemeinsam auf dem Feld stehen. Sie kennen sich schließlich lange und gut genug.
