Werder-Innenverteidiger hat seine Rolle gefunden

Veljkovic dachte an Abschied und träumt von der WM

Milos Veljkovic ist enttäuscht über den punktlosen Saisonstart bei Werder Bremen.
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Milos Veljkovic ist enttäuscht über den punktlosen Saisonstart bei Werder Bremen.

Bremen - Über Milos Veljkovic hat Werder Bremens aktueller Abwehrchef Lamine Sane neulich etwas sehr Wertschätzendes gesagt. Es sei ihm egal, ob der 21-Jährige rechts oder links von ihm spiele, er sei schließlich auf beiden Seiten gut.

Diese Aussage spiegelt die Entwicklung von Milos Veljkovic gut wider. Vor einem Jahr quälte sich der Innenverteidiger kurz vor Ende der Transferperiode noch mit Wechselgedanken herum, jetzt ist er so etwas wie der Allrounder in Werders Dreierkette. In einer Medienrunde hat Veljkovic nun über seinen Werdegang, seine Ziele und die aktuelle sportliche Situation in Bremen gesprochen. Milos Veljkovic über...

... seinen Stellenwert

Eineinhalb Jahre ist es her, dass der in der Schweiz aufgewachsene Serbe von den Tottenham Hotspur zu Werder kam. Für heutzutage niedliche 350.000 Euro. Veljkovic spielte zunächst aber kaum, wurde in die U23 versetzt und hatte nach nur einem halben Jahr schon wieder die Nase voll. Weil der damalige Trainer Viktor Skripnik nicht auf ihn setzte. „Ich habe gedacht, dass es besser wäre, ausgeliehen zu werden“, verrät Veljkovic. Und wenn es nur nach ihm gegangen wäre, hätte er Werder Knall auf Fall wieder verlassen.

Aber Sportchef Frank Baumann und auch sein Berater rieten zur Geduld. Veljkovic: „Ich musste schon überzeugt werden, ich war einfach nicht so geduldig. Zum Glück ist es so gekommen, wie es gekommen ist.“ Denn jetzt ist er Stammspieler, bekommt die volle Wertschätzung und volle Einsatzzeit. „Das ist genau das, was mein Ziel war“, sagt er und dankt vor allem Skripnik-Nachfolger Alexander Nouri: „Er hat mir die Chance und das Vertrauen gegeben und hat deshalb großen Anteil an meiner Entwicklung.“

... seine Vielseitigkeit

Es gab auch Phasen, in denen Milos Veljkovic als defensiver Mittelfeldspieler ausprobiert worden war. Doch längst ist klar, dass er in die Abwehrreihe gehört. In einer Dreierkette, einem System, das er nach seinem Wechsel zu Tottenham als 15-Jähriger von der Pike auf gelernt hat – und zwar auf allen Positionen. „Mir ist es relativ gleich, ob ich auf der rechten, der linken Seite oder in der Mitte spiele“, sagt Veljkovic.

Coach Nouri nutzt das, um mit dem Serben die Lücke zu füllen, die durch die Verletzung von Niklas Moisander links in der Dreierkette entstanden ist. Dort bekommt Veljkovic aktuell den Vorzug vor Luca Caldirola – und das obwohl der Italiener ein Linksfuß, er selber aber von Hause aus Rechtsfuß ist. Ein Problem? Nein, kein Problem, meint Veljkovic: „Ich trainiere meinen linken Fuß regelmäßig. Der ist schon zu 90 Prozent so gut wie mein rechter.“

... seine Ausbildung

Der frühe Sprung nach England war mutig. Aus der U16 des FC Basel wechselte Milos Veljkovic mit noch nicht ganz 16 Jahren in die U18 von Tottenham Hotspur. Später ging‘s hoch in die U23, und im Herrenbereich angekommen folgten Ausleihen zum FC Middlesbrough und Charlton Athletic in die zweite englische Liga – jeweils nur für eine Halbserie. Es lässt sich nicht sagen, dass Milos Veljkovic dort durchstartete. Er kam nur sporadisch zu Einsätzen, hatte den Durchbruch nicht gerade dicht vor Augen. Dennoch sagt er heute: „Das alles hat mir sehr geholfen – auch, dass ich nicht gespielt haben. Es war eine super Erfahrung, ausgeliehen zu werden.“ Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und auch Frustrationstoleranz – Veljkovic hat es gelernt. Auf die harte Tour allerdings.

... die Nationalelf

Als Sohn serbischer Eltern wurde Milos Veljkovic in Basel geboren. Also hat er zwei Möglichkeiten: Für die Schweiz zu spielen oder für Serbien. Beides hat er schon ausprobiert. In der U16 lief er für die Schweiz auf, danach aber nur noch für Serbien. Mittlerweile ist er der U21 entwachsen und steht möglicherweise bald wieder vor der Frage: Schweiz oder Serbien? Welche Nationalmannschaft klopft an, wofür wird er sich entscheiden? „Ich habe mich auf Serbien festgelegt. Meine Eltern kommen von dort, ich fühle mich mehr als Serbe“, sagt Veljkovic.

Die Schweiz hat sich bislang auch noch nicht um ihn bemüht, von Serbiens A-Team werde er dagegen regelmäßig beobachtet. Und zwar von keinem Geringeren als Mladen Krstajic, ehemaliger Werder-Verteidiger und Säule der Double-Mannschaft von 2004. „Ich hatte letzte Saison Kontakt zu ihm. Er hat mich ermuntert, so weiterzumachen“, erzählt Veljkovic, der nun auf seine erste Berufung in die serbische A-Nationalmannschaft wartet: „Wenn es diese Saison klappt, wäre das super – natürlich wegen der WM im kommenden Sommer. Dort dabei zu sein, ist mein Traum, mein Ziel.“ Und wenn die Serben sich nicht rühren, die Schweiz aber doch? Dann, sagt Milos Veljkovic, würde er „nichts ausschließen“.

... den Werder-Fehlstart

Zwei Spiele, null Tore, null Punkte – so wie Werder ihn erlebt, wünscht man sich keinen Start in die Saison. Mehr als Enttäuschung will Abwehrspieler Veljkovic ob der beiden Niederlagen gegen Hoffenheim (0:1) und Bayern München (0:2) jedoch nicht aufkommen lassen. „Wir haben trotz der Ergebnisse einen guten Job gemacht. Es gibt keinen Grund, jetzt in Panik zu geraten. Wenn wir in den nächsten Spielen den letzten Pass nach vorne besser spielen, werden wir auch unsere Tore machen.“ Und wenn Werder weiter so verteidige wie bisher, „holen wir auch unsere Punkte. Ich bin da zuversichtlich.“

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