Werder-Talent im DeichStube-Interview
„Mein Ziel ist es, mich bei Werder durchzusetzen“: Patrice Covic über eine mögliche Leihe, die Nationalmannschaft und seine Lieblingsposition
Im DeichStube-Interview spricht Patrice Covic über seine Ziele mit Werder Bremen, seine Lieblingsposition und seine Nationalmannschaftsentscheidung!
Es war das erste Interview außerhalb der Vereinsmedien für Patrice Covic. Nervosität oder Aufregung? Davon war allerdings nichts zu spüren, als die DeichStube das Mittelfeld-Juwel des SV Werder Bremen im Trainingslager im Zillertal zum ausführlichen Gespräch traf. Ganz im Gegenteil: Der kroatische U21-Nationalspieler strahlt großes Selbstvertrauen aus und macht deutlich, dass er sich trotz der starken Konkurrenz im Mittelfeld des SV Werder Bremen unbedingt am Osterdeich durchsetzen will. Über eine Leihe oder gar einen Abschied denkt der gebürtige Berliner deshalb derzeit überhaupt nicht nach.
Im DeichStube-Interview spricht Patrice Covic außerdem über seine Entscheidung für Kroatien statt Deutschland, weshalb Geduld nicht zu seinen größten Stärken zählt, wie er auf seine erste Bundesliga-Saison zurückblickt und warum sein Vater zwar wertvolle Ratschläge gibt, aber niemals sein Trainer sein dürfte.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview: „Ich freue mich sehr, dass es jetzt wieder losgeht“
Herr Covic, Sie waren mit Kroatien bei der U19-Europameisterschaft und sind bis ins Halbfinale gekommen. Danach hatten Sie nur neun Tage Urlaub. Fühlen Sie sich inzwischen wieder richtig frisch, oder hat das Turnier mental und körperlich seine Spuren hinterlassen?
Ja, ich würde schon sagen, dass es Spuren hinterlassen hat. Gerade weil das Turnier für uns relativ turbulent verlaufen ist und wir uns erst durch das letzte Gruppenspiel noch für das Halbfinale qualifizieren konnten. Dort haben wir leider mit 0:3 gegen Spanien verloren. Insgesamt war das schon sehr anstrengend. Rechnet man die beiden Testspiele in der Vorbereitung dazu, waren es sechs Spiele in sehr kurzer Zeit. Als ich dann ins Zillertal gekommen bin, habe ich mich aber schon wieder frisch und bereit gefühlt. Ich freue mich sehr, dass es jetzt wieder losgeht.
Sie haben in der Gruppenphase den entscheidenden Elfmeter zum Weiterkommen verwandelt. Wie sehr haben Ihnen in diesem Moment die Beine gezittert?
Ehrlich gesagt gar nicht so sehr. Wir hatten schon vor den Spielen festgelegt, wer den Elfmeter schießt, wenn wir einen bekommen sollten. Da war klar, dass ich die Verantwortung übernehme. Natürlich ist immer Druck da, aber ich denke mir: Lieber übernehme ich die Verantwortung selbst, als dass ich hoffen muss, dass es jemand anderes macht. Ein bisschen Nervosität war natürlich dabei, aber danach überwog einfach die pure Freude.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview: „Ich bin ein Mensch, der sehr gerne Verantwortung übernimmt“
Ist das ein Teil Ihrer Mentalität – in entscheidenden Momenten Verantwortung übernehmen zu wollen?
Ich bin ein Mensch, der sehr gerne Verantwortung übernimmt – nicht nur in der kroatischen U19-Nationalmannschaft. Auch hier bei Werder versuche ich das, obwohl ich noch jung bin. Ich glaube, das zeichnet mich als Menschen aus.
War eine Karriere in einer DFB-Auswahl für Sie eigentlich einmal ein Thema, oder war für Sie von Anfang an klar, dass Sie für Kroatien spielen möchten?
Das war anfangs noch nicht klar. Die erste Einladung kam von Kroatien. Ich war das erste Mal dort, und es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Trotzdem habe ich mich noch nicht endgültig entschieden gehabt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass von deutscher Seite nichts mehr kam, und gleichzeitig hat es mir bei jedem Lehrgang in Kroatien immer besser gefallen. Diese Leidenschaft und Mentalität dort sind etwas Besonderes. In den vergangenen zwei, drei Jahren war für mich dann klar, dass ich für Kroatien spielen möchte.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview über die kroatische A-Nationalmannschaft: „Ich hoffe, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann“
Ex-Werder-Profi Jurica Vranješ sagt über Sie, dass in Kroatien viele Menschen mit großer Spannung auf Sie schauen, weil auf Ihrer Position in der A-Nationalmannschaft in den kommenden Jahren ein Umbruch bevorsteht. Spüren Sie selbst, dass Sie als große Nachwuchshoffnung gelten?
Das nehme ich gar nicht so wahr – und das finde ich auch gut so. Ich bin kein Spieler, der so etwas unbedingt braucht. Was ich aber spüre, ist die große Unterstützung des Trainerteams und der Verantwortlichen in Kroatien. Deshalb fühle ich mich dort auch so wohl. Ich bin damals hingekommen, ohne die Sprache zu sprechen, und trotzdem haben sie mich von Anfang an sehr gut aufgenommen und unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Je öfter ich in Kroatien bin, desto mehr verstehe ich und desto mehr traue ich mich mittlerweile auch zu sprechen. Da ist aber auf jeden Fall noch Luft nach oben.
Hatten Sie schon Kontakt zur kroatischen A-Nationalmannschaft? In zwei Jahren steht die Europameisterschaft an. Schielen Sie mit einem Auge schon auf dieses Ziel?
Direkten Kontakt zur A-Nationalmannschaft hatte ich bisher nicht. Aber natürlich setzt man sich mit Blick auf die nächsten zwei Jahre große Ziele. Ich hoffe, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann. Am Ende liegt es aber an mir. Ich muss weiter hart arbeiten. Wenn ich in den kommenden Jahren gute Saisons spiele, kann ich mir vorstellen, das Ziel EM zu erreichen.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview: „Ich will unbedingt auf dem Platz stehen“
Lassen Sie uns zu Werder Bremen kommen. Wie blicken Sie auf ihr erste Bundesliga-Saison zurück? Sind Sie zufrieden, oder hatten Sie das Gefühl, dass mehr Einsätze möglich gewesen wären?
Ich hatte 16 Einsätze – einen im DFB-Pokal und 15 in der Bundesliga. Hätte mir das vor der Saison jemand gesagt, hätte ich es unterschrieben. Aber ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ. In den Phasen, in denen ich nicht so viel gespielt habe, habe ich mich gefragt, warum das so ist. Ich will unbedingt auf dem Platz stehen. Man schaut dann nicht auf die Bundesligaspiele, die man schon gemacht hat, sondern möchte jedes Spiel spielen. Wenn ich jetzt mit etwas Abstand auf die Saison zurückblicke, bin ich mit den 16 Einsätzen aber schon zufrieden.
Steht für Sie vor der neuen Saison Spielpraxis über allem? Egal, ob bei Werder oder anderswo?
Spielpraxis ist definitiv sehr wichtig für mich. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass ich mich bei Werder durchsetzen kann. Deshalb versuche ich, mich im Trainingslager und in den Testspielen zu zeigen und hoffe, dass ich in dieser Saison noch mehr Einsätze bekomme als im vergangenen Jahr.
Eine Leihe ist also aktuell kein Thema für Sie?
Mein Ziel ist es, mich bei Werder durchzusetzen und dem Trainer zu zeigen, dass er auf mich bauen kann.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview: „Konkurrenz gehört dazu und ist wichtig, daran wächst man am meisten“
Schauen wir auf Ihre Position. Sie haben im Testspiel gegen Okayama als alleiniger Sechser gespielt, in der Jugend wurden Sie eher offensiver eingesetzt. Ist der Achter- oder Zehnerraum nach wie vor Ihre Lieblingsposition?
Ja, am wohlsten fühle ich mich schon etwas weiter vorne, auf der Acht oder der Zehn. Aber solange ich spiele, ist mir egal, auf welcher Position das ist. Hauptsache, ich stehe auf dem Platz. Die Sechser-Position ist für mich auch nichts komplett Neues. Bei Kroatien habe ich häufig auf der Doppelsechs gespielt und war dort der offensive Part.
Wie nehmen Sie die Konkurrenzsituation im offensiven Mittelfeld wahr? In Chuki ist ein weiterer Spieler hinzugekommen, Romano Schmid stößt bald wieder dazu, und Jens Stage ist ohnehin gesetzt.
Sehr groß. Die Namen, die Sie genannt haben, stehen für sehr viel Qualität. Aber ich bin auf dem Platz vielseitig einsetzbar. Bei Kroatien habe ich zum Beispiel auch auf dem linken Flügel gespielt. Konkurrenz gehört dazu und ist wichtig. Daran wächst man am meisten. Wenn keine Konkurrenz da ist, kann man sich auch nicht richtig messen.
Neuzugang Chuki ist ein ähnlicher Spielertyp wie Sie. Stil, Alter – es gibt viele Gemeinsamkeiten. Denken Sie da nicht: Hey, das war eigentlich meine Rolle?
Im Endeffekt spielt er auf einer Position, auf der ich eingesetzt werden kann. Aber ich kann nicht beeinflussen, welche Spieler verpflichtet werden. Ich kann nur beeinflussen, wie ich mich im Training und in den Spielen präsentiere. Und dann ist es am Ende egal, wie viele Spieler noch dazukommen. Wenn ich mich gut zeige, werde ich meine Rolle finden.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview über Daniel Thioune: „Er hat mir immer wieder versichert, dass mein Moment kommen wird“
Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Daniel Thioune beschreiben? In der vergangenen Saison hat er Ihnen öffentlich immer wieder zu Geduld geraten…
Ja, stimmt. Das ist natürlich nicht ganz einfach, denn als Spieler brennt man darauf, zu spielen. Mit Geduld umzugehen, fällt mir schwer. Er hat mir aber immer wieder versichert, dass mein Moment kommen wird.
Es hört sich danach an, als wäre Geduld nicht Ihre größte Stärke…
(lacht) Nein, überhaupt nicht. Das liegt wohl auch ein bisschen in der Familie. Ich bin wirklich kein geduldiger Mensch und tue mich damit schwer.
Ihr Vater Ante Covic ist selbst Trainer. Hilft er Ihnen dabei, die Perspektive eines Trainers besser zu verstehen?
Ich suche regelmäßig das Gespräch mit ihm. Er versucht mir auch die Sicht eines Trainers zu erklären. Aber als Spieler kann man das nicht immer nachvollziehen – gerade in meinem Alter fällt das schwer. Trotzdem versuche ich mir immer wieder zu sagen: Hab Geduld, du hast noch Zeit. Ich brauche manchmal jemanden, der mich ein bisschen bremst und wieder auf den Boden holt. Das macht mein Papa schon ganz gut.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview über sein Tor gegen Union Berlin: „Das war das Highlight meiner vergangenen Saison“
Er ist aber sicher auch Ihr größter Fan. Nach Ihrem Tor gegen Union Berlin waren Bilder vom weinenden Ante Covic auf der Tribüne zu sehen. Das muss für Sie beide ein emotionaler Moment gewesen sein – erstes Bundesligator in der Geburtsstadt.
Das war das Highlight meiner vergangenen Saison. Ich glaube, es musste einfach so kommen – die ganze Familie war im Stadion. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass ich noch eingewechselt werde, und als es dann relativ spät soweit war, habe ich mir gesagt: Jetzt machst du das Beste daraus. Ich bin reingekommen, der Ball kam von Leo und ich habe ihn reingemacht. Das war pure Gänsehaut. Meine Familie auf der Tribüne zu sehen, war einfach Wahnsinn.
Haben Sie sich ein Andenken vom Spiel aufbewahrt?
Das Trikot habe ich eingerahmt. Das wird für immer in meiner Wohnung hängen. Das erste Bundesligator in Berlin – ich glaube, viel besser geht es kaum.
Ist es Fluch oder Segen, einen Vater zu haben, der das Fußballgeschäft so gut kennt?
Ich glaube, auf der einen Seite ist das ein großer Vorteil, weil mein Vater die ganze Situation einschätzen kann. Auf der anderen Seite kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass er mein Trainer wäre. Ich glaube, das würde nicht funktionieren (lacht). Zu Hause wäre es dann wahrscheinlich ziemlich stressig.
Werder Bremens Patrice Covic im Interview: „Ich möchte auf jeden Fall den nächsten Schritt machen und mehr Spielzeit bekommen“
Spüren Sie, dass die Erwartungshaltung an Sie und andere junge Spieler wie Salim Musah im zweiten Bundesliga-Jahr größer geworden ist?
Ja, das ist aber auch ganz normal. Wenn man schon einige Bundesligaspiele gemacht hat, erwarten sowohl die Menschen von außen als auch man selbst, dass der nächste Entwicklungsschritt folgt. Ich bin bereit dafür. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht. Wenn ich an meine ersten Trainingseinheiten zurückdenke, war der Unterschied schon deutlich zu spüren. Mittlerweile merke ich diesen Unterschied nicht mehr.
Zum Abschluss: Wenn wir uns in einem Jahr wieder hier im Zillertal treffen – was möchten Sie bis dahin erreicht haben?
Ich möchte auf jeden Fall den nächsten Schritt gemacht haben, mehr Spielzeit bekommen und mehr Spiele absolviert haben als in der vergangenen Saison. Dazu natürlich auch mehr Tore und mehr Assists. Wenn wir in einem Jahr wieder hier sitzen und ich ein paar Tore und Vorlagen gesammelt habe sowie deutlich mehr Einsatzzeit bekommen habe, dann wäre das für mich auf jeden Fall ein gelungenes Jahr. (bvo/dco)
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