Werder kontert Leverkusen aus - 3:1
Der perfekte Plan für Europa
Leverkusen – Noch ehe Florian Kohfeldt mit der Spielanalyse gegenüber den Journalisten begonnen hatte, war es da: dieses breite Grinsen. Ohne Frage ein Ausdruck der Zufriedenheit. Seine Mannschaft hatte soeben einen starken Auftritt hingelegt und verdient mit 3:1 (2:0) bei Bayer 04 Leverkusen gewonnen. „Die Jungs haben heute viele gute Entscheidungen getroffen“, begann der Werder-Coach, dessen Plan gegen die Werkself voll aufgegangen war: „Das war über weite Strecken richtig, richtig gut.“
War es, eine Leistung, an der es nicht viel auszusetzen gab – und die Werder im Rennen um Europa in eine richtig gute Ausgangslage bringt. Nur noch drei Punkte Rückstand haben die Bremer nun auf die begehrten Ränge, was für neues Selbstvertrauen sorgt. Das war schon direkt nach dem Abpfiff zu spüren.
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Der Auftakt einer Werder-Serie?
In diesem Jahr hat Werder noch nicht verloren, dazu auch im 27. Spiel hintereinander ein Tor erzielt (Vereinsrekord aus den Jahren 2004/05 eingestellt!). Schalke wurde vor Wochenfrist mit 4:2 geschlagen, und nun triumphierten die Bremer auch in Leverkusen. Sportchef Frank Baumann veranlasste das dazu, die Ansprüche für die kommenden Wochen umgehend forsch zu formulieren. „Wir haben gesehen, dass wir mal eine Serie hinlegen müssen, wenn wir da oben noch rankommen wollen“, betonte er. Nun ja. Der Auftakt zu dieser Serie ist jetzt gemacht – und das ziemlich beeindruckend.
Werder lieferte beim Tabellensechsten vor allem im ersten Durchgang einen mehr als überzeugenden Auftritt ab, stand hinten sicher und schaltete im Spiel nach vorne schnell um. Dass Kohfeldt seine Mannschaft gleich auf zwei Positionen hatte umbauen müssen – Marco Friedl verteidigte für Milos Veljkovic, Nuri Sahin spielte für Philipp Bargfrede –, es fiel nicht negativ auf. Ganz im Gegenteil. Bereits in der 13. Minute waren die Gäste das erste Mal brandgefährlich – und direkt erfolgreich. Nach Traumpass von Bald-Nationalspieler Maximilian Eggestein zielte Max Kruse ganz genau und versenkte den Ball im langen Eck – 1:0. Ein Tor als erster Hinweis darauf, dass Kohfeldts Ideen fruchten würden. „Wir wollten lauern, nicht nur hinten drin stehen, auch vorne anlaufen. Da waren wir sehr gut vorbereitet“, berichtete Maximilian Eggestein: „Das hat man beim ersten Tor schön gesehen. Das war so einstudiert.“ Und es gab der Mannschaft Auftrieb.
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Werder-Mut wird in Leverkusen belohnt
Gegen Leverkusens ansonsten so gefährliche Offensive ließen die Bremer vor der Pause kaum etwas anbrennen. Die beste Chance für die Hausherren vergab Kevin Volland, der nach einer Flanke von Karim Bellarabi am langen Pfosten vorbeiköpfte (35.). Da war Werder deutlich gefährlicher. Und deswegen war es auch nicht unverdient, dass die Gäste noch vor der Pause ihren zweiten Treffer nachlegten. Kruse übernahm dieses Mal die Rolle des Vorbereiters, bediente Milot Rashica, der seinen Lauf aus den vergangenen Wochen fortsetzte, vor Bayer-Torhüter Lukas Hradecky die Nerven behielt und das 2:0 erzielte (37.).
„Es war wichtig, dass wir so mutig aufgetreten sind. Wir haben Leverkusen mit unserem Kombinationsspiel vor Probleme gestellt“, lobte Baumann. „Und natürlich spielt es sich irgendwann etwas leichter, wenn man in Führung geht.“
Diese Leichtigkeit – nach der Pause kam sie Werder jedoch etwas abhanden, was einer beeindruckenden Drangphase der Werkself geschuldet war. Die Hausherren gingen nun früh drauf, wollten mit aller Macht den Anschluss. „Dass wir eine Mannschaft wie Leverkusen nicht 90 Minuten bespielen können, war uns vorher klar“, sagte Kruse. Schließlich war es eine Standardsituation, die die Gastgeber wieder ins Spiel brachte: Per herrlichem Freistoß in den Winkel markierte Leon Bailey das 1:2 (75.). Ärgerlich für Werder: Nuri Sahin war mit seinem Versuch in der 59. Minute an der Latte gescheitert.
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Kohfeldt: „Gibt keinen Grund zur Euphorie“
„Nach dem Anschluss waren die letzten 20 Minuten der pure Wille“, sagte Kohfeldt, dessen Mannschaft sich in der Schlussphase Angriffswelle um Angriffswelle gegenübersah. „Ganz ehrlich: Wenn wir da den Ausgleich kassieren, können wir uns nicht beschweren“, räumte Kohfeldt ein. Leverkusen schaffte es allerdings nicht, eine seiner zahlreichen Chancen zum 2:2 zu nutzen. Und so passierte, was oftmals in solchen Spielen passiert: Ein Konter brachte die Entscheidung.
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Nach Zuspiel des eingewechselten Martin Harnik war es der überragende Kruse, der in der Nachspielzeit noch die körperliche und geistige Frische für einen Geniestreich hatte. Im Strafraum ließ er einen Gegenspieler aussteigen und hob die Kugel mit ganz viel Gefühl über Hradecky ins Tor – 3:1 (90.+5). Danach war Schluss. Und Kohfeldt trat grinsend vor die Journalisten – allerdings nicht, ohne den Blick umgehend wieder aufs Wesentliche zu richten. „Es gibt auch nach so einem Spiel keinen Grund zur Euphorie. Wir brauchen mehr solcher Spiele, um oben dranzubleiben.“