Werder gegen Meppen am Samstag
Premiere für von Haacke: Erstmals gegen den Herzensverein
Bremen/Meppen - Und plötzlich steht er auf der anderen Seite. Erlebt hat Julian von Haacke das bisher nicht. Zehn Jahre lang, von 2006 bis 2016, war der gebürtige Bremer für seinen Herzensverein Werder aktiv - am Samstag tritt er den Grün-Weißen nun erstmals als Gegner gegenüber.
Werder bestreitet ab 15.00 Uhr in Cloppenburg ein Testspiel gegen den Drittligisten SV Meppen, jenen Verein, bei dem von Haacke seiner ins Stocken geratenen Karriere neuen Schwung verleihen möchte. „Ich empfinde große Vorfreude vor dem Spiel“, sagt der 24-Jährige, „etwas Anspannung aber auch“.
Es gab mal eine Zeit, da galt von Haacke bei Werder als hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Zentraler Mittelfeldspieler, technisch versiert, gutes Passspiel, und dazu noch diese Vita, die ihn im Weserstadion vermutlich von der ersten Profi-Minute an zum Publikumsliebling gemacht hätte. Von Haacke ist ein Bremer Junge, waschecht. Aufgewachsen im Steintor, nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt, ein Kind des Viertels. „Meine Verbindung zu Bremen wird nie abreißen“, sagt er. Die zu Werder ist es allerdings schon. Zumindest die ganz enge.
von Haacke feiert mit Werders U23 Aufstieg in die Dritte Liga
Nachdem von Haacke seit 2006 sämtliche Jugendteams des Vereins durchlaufen hat, steigt er 2013 von der U19 in die U23 auf. Dort läuft es anfangs nicht gut: Kreuzbandriss im April 2014. Bis er wieder richtig fit ist, vergeht fast ein Jahr. Und dennoch: Rechtzeitig zum großen Finale ist er zurück: Die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri feiert im Mai 2015 den Aufstieg in die Dritte Liga, von Haacke steht in beiden Relegationsspielen gegen Gladbach auf dem Platz und bereitet im Rückspiel ein Tor vor. „Der Aufstieg war ein absolutes Highlight“, erinnert sich der Profi, der danach in der 3. Liga zum Stammpersonal zählt. Den Sprung ins Bundesliga-Team schafft er trotzdem nicht.
2016 dann der Wechsel in die Niederlande, erste Liga, NEC Nijmegen. Von Haacke bestreitet 30 Ligaspiele, fühlt sich wohl - bis eines Tages ein alter Bekannter anruft: Torsten Frings. Der Ex-Werder-Profi hat gerade das Traineramt beim Bundesliga-Absteiger SV Darmstadt übernommen und erinnert sich an das Werder-Talent von einst. „Leider lief es in Darmstadt überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagt von Haacke heute.
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Nachdem Frings im Dezember 2017 gehen muss, hat Nachfolger Dirk Schuster keine Verwendung mehr für den Bremer. „Ich bin eben kein Leuchtturm vor der Abwehr“, erklärt von Haacke. Heißt: Schuster setzt im defensiven Mittelfeld lieber auf den Typ „klassischer Abräumer“ statt auf den Typ „spielender Sechser“. „Das hat er mir deutlich gemacht“, sagt von Haacke, der im Sommer erneut seine Zelte abbricht und sich für eine Saison nach Meppen ausleihen lässt.
„Ich habe den Anspruch, irgendwann wieder höher zu spielen“
Zweimal stand der 24-Jährige bisher für den Tabellen-17. der Dritten Liga auf dem Platz. Beide Male von Anfang an. „Fußballerisch sind wir eine gute Mannschaft“, sagt er. „Jetzt müssen wir nur noch besser darin werden, als Team zu verteidigen.“ Eine gute Gelegenheit, das einzustudieren, dürfte bereits das Testspiel gegen Werder sein.
Von Haacke möchte auch diese Partie dazu nutzen, auf sich aufmerksam zu machen. „Ich habe den Anspruch an mich, irgendwann wieder höher zu spielen“, sagt er. Für den Fall, dass es mit dem ganz großen Durchbruch doch nichts mehr wird, hat er allerdings vorgesorgt. Seit geraumer Zeit absolviert Julian von Haacke ein Fernstudium - Sportmanagement.