Ex-Werderaner in München
Gnabry tritt seinen Dienst bei Bayern schon im Mia-san-mia-Modus an
München - Von Andreas Werner. Mario Götze hat sich bei seiner Präsentation beim FC Bayern einst schon mit der Wahl seines T-Shirts vertan, und auch sonst gelang ihm nicht mehr viel – spätestens seitdem ist das Outfit an so einem Tag immer auch ein bisschen Thema. Serge Gnabry erschien Montag in einem rot-weiß gestreiften Shirt, er fand, die Farbkombi würde gut zum Club passen, sagte er und hatte Recht.
Gnabry klang insgesamt bereits sehr nach Mia-san-mia-Modus – selbstbewusst und doch auch selbstreflektiert. Rot steht ihm gut. Fast ist man geneigt, ein „endlich“ an die Meldung anzuhängen, dass Gnabry angekommen ist beim FC Bayern. Während der einen Saison bei Werder Bremen begleitete ihn das Gerücht, die Münchner wollen ihn verpflichten, wie ein treuer Hund. Vor einem Jahr griff der FCB dann zu, kaufte Gnabry für acht Millionen Euro, verlieh den Linksaußen aber direkt an 1899 Hoffenheim weiter. Nun scheint er aber reif zu sein für den Rekordmeister.
Niko Kovac klang glaubhaft, als er erzählte, wie sehr er sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Flügelflitzer freue – in der letzten Saison hat ihm Gnabry nämlich zwei Mal übel mitgespielt. Dass es mit Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim zwei Mal nur zu einem 1:1 gereicht hat, lag maßgeblich an dem 22-Jährigen; einmal schoss er das Tor der Kraichgauer selbst, das andere Mal bereitete er es vor. Er sei froh, dass Gnabry künftig nicht mehr auf der Gegenseite stehe, so der Coach.
Gnabry gelang bei Werder der Sprung in die Nationalelf
Gnabry hat dieses eine Jahr als Leihgabe in Hoffenheim als lehrreich empfunden. Die Vorrunde verpasste er großteils verletzt, in der Rückrunde spielte er sich fast noch in den Kreis der WM-Fahrer, ein Muskelbündelriss brachte ihn aber dann um die Reise nach Russland. Seit Wochen arbeitet er schon für seine Rückkehr auf den Rasen, eine Weile wird es noch dauern, aber er fühle sich gut, versicherte er, und bald käme auch bei ihm der Ball wieder ins Spiel.
Den Sprung in die Nationalelf, den Gnabry schon im Herbst 2016 als Werder-Profi erstmals geschafft hatte, schrieben ihm Kovac und Sportchef Hasan Salihamidzic am Montag fast ins Pflichtaufgabenheft. „Er wird da sicher auch bald eine große Rolle spielen, ist ein Top-Talent mit großer Zukunft“, sagte Salihamidzic, Kovac meinte, Gnabry habe „Qualitäten, die Bayern und auch die Nationalmannschaft sucht: er ist schnell, torgefährlich, hat in 1:1-Situationen Lösungen – er kann den Unterschied ausmachen“. Die DFB-Auswahl habe er schon fest im Blick, sagte Gnabry, allerdings wisse er auch: „Wenn du im Verein nicht spielst, wird es schwer.“
Serge Gnabry: Seine Karriere in Bildern




Um auf seine Spielzeiten sowie ins Notizbuch des Bundestrainers zu kommen, muss er an Franck Ribery, Arjen Robben und Kingsley Coman vorbei. „Ich sehe das mit dem Konkurrenzkampf anders“, sagte er, „wir brauchen alle Spieler – und keinen Spieler gibt es zwei Mal.“ Über seine Fähigkeiten wollte er nichts Konkretes sagen, empfahl lieber locker: „Am besten schaut man da ein paar Videos.“
Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte – auch wenn er selber nicht um klare Aussagen verlegen ist. Ob er sich die Aufgabe FC Bayern zutraue? „Natürlich bin ich bereit, sonst wäre ich ja nicht hier“, antwortete er. Wer bei seinem Shirt genau hinschaute, sah am Kragen zwei sich windende Königsnattern. Kovac hat einen giftigen, gefährlichen, angriffslustigen Neuzugang für seine Reihen bekommen.
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