„Ich bin kein Trainer-Flüsterer“
Schaaf kann sich Werder-Rückkehr vorstellen
Bremen - Nicht heute, nicht morgen, aber vielleicht in ein paar Wochen oder Monaten: Thomas Schaaf könnte tatsächlich zum SV Werder Bremen zurückkehren – als Technischer Direktor.
„Denkbar ist das“, bestätigt Schaaf auf Nachfrage der DeichStube. Ihm ist dabei ganz wichtig, dass es nicht um die aktuelle Situation der Profi-Mannschaft geht, sondern eher um Grundsätzliches. Schaaf könnte eine Art Mentor für die Trainer des Clubs werden, sich zum Beispiel um deren Aus- und Weiterbildung kümmern. Erste Gespräche mit den Vereinsverantwortlichen hat es schon gegeben, verrät Schaaf: „Aber es ist noch nichts entschieden. Erstmal muss die Position genau definiert werden, dann werden wir weitersehen.“ „Mein Werder“ hatte am Sonntagabend berichtet, dass der Bremer Bundesligist über eine Rückkehr des Double-Trainers nachdenkt.
Schaaf als Mentor für Trainer im Club?
Der SV Werder will sich künftig etwas anders aufstellen, die Verantwortungsbereiche in der dreiköpfigen Geschäftsführung sollen umverteilt werden. Demnach soll Sportchef Frank Baumann für den kompletten Fußballbereich verantwortlich sein – also auch die Leistungsmannschaften im Jugendbereich.
Bislang war dafür Hubertus Hess-Grunewald zuständig. Um Baumann zu entlasten, soll ein Technischer Direktor installiert werden. Da kommt Schaaf ins Spiel. „Wie man den Posten nennt, ist zweitrangig“, sagt der 56-Jährige. Ihm geht es um die Sache - oder besser gesagt: um die Trainer. Um sie würde sich in den Vereinen viel zu wenig gekümmert. Dabei sei der Anforderungskatalog speziell an Bundesliga-Trainer in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Da wäre Unterstützung im Hintergrund sinnvoll. Außerdem bliebe im aktuellen Tagesgeschäft kaum Zeit, sich selbst um Aus- und Weiterbildung zu kümmern. Das könnte der Mentor übernehmen.
Es geht auch um das Thema Erfahrung. „Die Bayern holen sich nicht ohne Grund einen Jupp Heynckes zurück“, sagt Schaaf. Gerade den vielen jungen Trainern im Bundesliga-Geschäft würde Erfahrung fehlen, die ihnen ein Mentor geben könnte. Aber Schaaf will nicht als Übertrainer daherkommen: „Ich bin ganz gewiss kein Trainer-Flüsterer. Der Trainer entscheidet alles selbst. Alles andere wäre doch unsinnig.“
Schaaf beschäftigt sich schon länger mit diesem Thema. Für die Uefa ist er dafür in ganz Europa unterwegs. Zum Beispiel vom 17. Bis 19. Oktober bei einem Kongress für Vertreter der Nationalmannschaften in Belfast. Eine Woche später hat ihn der polnische Fußballverband eingeladen. Dabei hat Schaaf festgestellt, dass die Trainer absolut bereit seien, sich helfen zu lassen. „Warum auch nicht?“, fragt Schaaf: „Führungskräfte in der Wirtschaft vertrauen doch auch Mentoren, um sich weiterzuentwickeln. Das ist ganz normal.“
Schaaf: „Die Sache liegt mir sehr am Herzen“
Im Prinzip würde Schaaf jedem Verein empfehlen, sich in diesem Bereich neu aufzustellen – und zwar unabhängig vom aktuellen sportlichen Erfolg: „Es geht um die Zukunft, um die Philosophie des Vereins.“ Die möchte er gerne mitgestalten. „Diese Sache liegt mir sehr am Herzen“, sagt Schaaf – und natürlich gibt er auf Nachfrage zu, dass Werder ebenfalls eine Herzensangelegenheit für ihn ist. Seit 1972 gehört er zu Werder, war erst Profi, dann Trainer – und nun Technischer Direktor? „Natürlich ist das interessant für mich“, gesteht Schaaf, der immer noch in Brinkum nahe Bremen wohnt.
Aber Schaaf will sich nicht aufdrängen, wartet ab, was Werder macht. Ein wichtiger Termin ist der 20. November. Bei der Mitgliederversammlung wird über die Satzungsänderung entschieden. Dann wird sicherlich auch die Personalie Schaaf ein Thema sein. Der 56-Jährige genießt nicht nur wegen seiner sportlichen Erfolge hohes Ansehen im Club. Er hat durch seine Tätigkeiten bei anderen Bundesligisten (Frankfurt, Hannover) und für die Uefa in den vergangenen Jahren viel Erfahrung gesammelt. Davon könnte Werder nun profitieren.
Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern




Trotz Abschied als Trainer 2013: „Ich war doch nie weg“
Bei der Bezeichnung Rückkehr muss Schaaf allerdings ein bisschen schmunzeln. „Ich war doch nie weg“, sagt der ehemalige Coach, der Werder 2013 verlassen musste: „Ich war doch immer ein Botschafter für Werder.“ Das allerdings im Hintergrund - vornehmlich im sozialen Bereich. Als Technischer Direktor würde Schaaf wieder mehr in den Vordergrund rücken. Aber nicht zu weit, das will er auch gar nicht. „Da kann man viel für den Fußball tun“, sagt er zu seinem neuen Schwerpunkt.
Seine Trainerkarriere habe er deshalb aber noch nicht komplett abgehakt: „Ich bin zu allen Seiten hin offen. Das habe ich ja immer gesagt.“ Am wahrscheinlichsten ist allerdings, dass er nach Spieler und Trainer eine dritte Karriere bei Werder erleben wird – als Ausbilder und Mentor der Trainer.
