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Von Thomas Schaaf. Der Weltmeister von 2014 ist Vergangenheit – und kann trotzdem wieder Weltmeister werden. Die deutsche Mannschaft hat nach dem schlechten Spiel gegen Mexiko die richtige Antwort gegeben und mit dem späten Tor auch das nötige, aber absolut verdiente Glück gehabt.
Nur durch spielen, spielen, spielen gewinnt man nicht. Es war schon in den vergangenen Monaten zu sehen, dass zu sehr nur an das Spielerische gedacht worden ist. Für den Erfolg brauchst du den absoluten Willen, diese Leidenschaft, die das Team beim Turnier 2014 ausgezeichnet hat.
Es ist immer viel von Automatismen die Rede. Die sind extrem wichtig und sehr schwer zu erarbeiten. Das dauert, das kostet immer wieder viel Fleiß. Und ganz schnell können diese Automatismen vernichtet werden, weil man nicht mehr so konzentriert ist, zum Beispiel den Fuß beim Pass nicht mehr so exakt stellt, dass der Ball wieder genau im Fuß des Mitspielers landet. Schon läuft es schlechter.
Südkorea „keine Luft zum Atmen geben“
Dagegen muss man dann ankämpfen, sich den verlorenen Ball sofort wieder holen, um es dann besser zu machen. Gegen Schweden war dieser Wille wieder da. Ich denke da nur an die Szene, als nach einem Ballverlust im Mittelfeld plötzlich vier, fünf Spieler zurückgesprintet sind, um den Fehler wiedergutzumachen.
So muss es auch gegen Südkorea sein. Du darfst denen keine Luft zum Atmen geben, musst sie unter Druck setzen, um dann mit deinem Spiel die Lücken zu finden. Das wird ein ähnliches Spiel wie gegen Schweden. Die Südkoreaner werden auch kompakt stehen und dann auf ihre Konterchance lauern. In Heung-Min Son haben sie dafür einen richtig gefährlichen Spieler.
Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl, weil die deutsche Mannschaft jetzt ein anderes, ein neues Team ist. Da wird sich nicht wie gegen Mexiko tatenlos auf den Nebenmann verlassen, sondern selbst angepackt. Das ist auch die Basis für ein gutes Spiel nach vorne. Die Absicherung muss einfach stimmen. Denn jeder kann mal einen Fehler machen. Selbst ein Toni Kroos.
Ich habe Toni in der vergangenen Saison oft in der Champions League gesehen und bin einfach begeistert von ihm. Er lenkt das Spiel von Real Madrid, jeder Pass kommt an. Fast jeder. Kaum einer konnte deshalb wohl verstehen, warum ihm ausgerechnet in einem WM-Spiel ein Fehlpass unterläuft. So einen Status hat er inzwischen. Und dann bekommt er dieses Typische im Fußball zu spüren: das extreme Hin- und Herschalten zwischen Verdammnis und totaler Verehrung. Letzteres natürlich nach seinem großartigen Tor.
Druck gegen Südkorea schärft die Sinne
Toni hat auch in diesem Moment die Verantwortung übernommen, so, wie er es schon die ganze zweite Halbzeit gemacht hatte. Er hat sich gewehrt und will beweisen, dass diese Mannschaft besser spielen will und es auch kann. Da ist es gar nicht so schlecht, dass gegen Südkorea wieder viel auf dem Spiel steht und eigentlich nur ein Sieg hilft. Das schärft die Sinne, um auf dem (jetzt) richtigen Weg zu bleiben und den nächsten Schritt zu machen.
Zur Person: Der gebürtige Mannheimer Thomas Schaaf (57) ist eine Ikone bei Werder Bremen – zunächst als Spieler (1978 bis 1995), dann als Trainer der Profis (1999 bis 2013). Sein größter Erfolg war das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg 2004. Nach Bremen arbeitete er als Coach bei Eintracht Frankfurt (2014/15) und Hannover 96 (2016). Am 1. Juli kehrt als Technischer Direktor zu Werder zurück.