Kurzes Intermezzo bei Werders U23

Zapel – der 85-Tage-Irrtum

Es passte wohl einfach nicht: Oliver Zapel und Werder Bremen haben die Zusammenarbeit beendet.
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Es passte wohl einfach nicht: Oliver Zapel und Werder Bremen haben die Zusammenarbeit beendet.

Bremen - Er hielt sich lediglich 85 Tage im Amt. Doch wer glaubt, dass sich Oliver Zapel ob dieser nur sehr kurzen Zeit als Trainer der U23 des SV Werder als gescheitert betrachtet, der irrt.

Der 50-Jährige nutzt seine Entlassung bei dem abstiegsgefährdeten Drittligisten vielmehr dazu, klarzustellen, dass seine Karriereplanung größere Aufgaben und Herausforderungen vorsieht, als Werder sie bieten kann. Weil die Perspektive des Bundesliga-Nachwuchses die Regionalliga ist, wäre Zapel im Sommer wohl ohnehin abgesprungen. Am Montag einigten sich Club und Coach allerdings darauf, die Zusammenarbeit sofort zu beenden.

Oliver Zapel geht damit ausgesprochen aufgeräumt um, spricht von „isolierten Zielen auf beiden Seiten, die nicht zwingend zueinander passen“. Konkret: Dem SV Werder geht es bei seiner U23 nicht allein um den Klassenerhalt, sondern in erster Linie um die Ausbildung der Spieler. Da muss dann auch mal einer spielen, den ein Trainer im Abstiegskampf eigentlich auf der Bank lassen würde. Zapel sagt es: „Wenn dieser Vereinsmaxime ein Trainer gegenübersteht, der jedes Spiel auf Biegen und Brechen gewinnen will, kann es schon mal knirschen.“

Atmosphärisches Knistern zwischen Werder und Zapel

Krach hat es deshalb zwar nicht gegeben, wohl aber ein atmosphärisches Knistern. Es habe einfach nicht gepasst zwischen dem Trainer und dem Club, heißt es im Umfeld der U23. Die blieb unter Zapel trotz des „Auf-Biegen-und-Brechen“-Ehrgeizes des Coaches in acht Spielen unter seiner Regie sieglos, holte in dieser Zeit nur drei Punkte. Kein Ruhmesblatt für Zapel, der eigentlich so viel mehr will. „So eine Bilanz kenne ich nicht von mir“, sagt er und schlussfolgert aus dem, was er bei Werder gelernt hat: „In der Dritten Liga mit einer U23 zu bestehen, ist nahezu unmöglich.“

Tatsächlich hat es auch sein Vorgänger nicht besser hinbekommen als er. Florian Kohfeldt holte zwar aus den ersten vier Partien zehn Punkte mit dem Team, in den zehn Spielen danach gelangen aber nur noch drei Remis, der Rest ging verloren. Zapel knüpfte nach Kohfeldts Beförderung zum Bundesliga-Chefcoach an diese Negativserie an. Weshalb der Bremer Nachwuchs mittlerweile seit 19 Spielen sieglos ist und als Tabellenvorletzter der Regionalliga entgegentaumelt.

Zapels große Ziele

Dass er in Liga vier nicht mehr dabei gewesen wäre, macht Oliver Zapel ganz deutlich. „Das passt nicht zu meinem Plan. Um ein U23-Team in der Regionalliga zu betreuen, hätte ich in den vergangenen Jahren nicht den ganzen Aufwand betreiben müssen.“ Sein Ehrgeiz sagt ihm, dass er mehr will. „Es geht mir nicht allein um die Spielklasse, sondern auch darum, in einem mit eigenen Fans gefüllten Stadion zu spielen. Das sind so kleine Fragmente, wonach sich ein Trainer sehnt.“ Wenige hundert Zuschauer im Stadion „Platz 11“ sind für ihn eben nicht glücklich machend: „Es war eine Erfahrung, unter dem Dach eines Bundesligisten eine Nachwuchsmannschaft zu trainieren. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen, sie hat mich bereichert.“ Aber auf Dauer? „Ich scheue mich nicht, einen Verein zu übernehmen, wo ein anderer Druck herrscht“, sagt Zapel. Übersetzt: Hauptverantwortlicher Trainer bei einem Dritt- oder Zweitligisten, der in seiner Region der Fan-Magnet und die sportliche Hauptattraktion ist – das wär’s.

Bei Werder aus Überzeugung angetreten

Ob sich Oliver Zapel, der bei Werder vom bisherigen U17-Trainer Sven Hübscher beerbt wird, durch sein Kurz-Gastspiel in Bremen für solche Aufgaben empfohlen hat, bleibt abzuwarten, muss aber erstmal infrage gestellt werden. Größer zu denken, ist für den Fußballlehrer jedoch alternativlos: „Mit 50 Jahren muss man die Ziele, die man sich gesetzt hat, auch konkret angehen.“

Soweit ist das nachvollziehbar. Bleibt aber die Frage, wieso er bei seinen Ambitionen überhaupt den Job als U23-Coach angenommen hat? Damals, so Zapel, sei das in der Überzeugung geschehen, „mit Werder Bremen in der Dritten Liga eine schlagkräftige Rolle spielen zu können“. 85 Tage später weiß er und weiß Werder, dass das Ganze ein Irrtum war.

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