Baumann unter Druck
Trainerfrage: Kleiner Kreis mit Kohfeldt
Bremen - Für eine Vollzugsmeldung ist es noch zu früh. Doch bei der Suche nach einem Trainer für den SV Werder gibt es ein erstes Zwischenergebnis – zugegeben: ein bescheidenes.
„Der Kreis der Kandidaten wird kleiner“, sagt Sportchef Frank Baumann. Weniger als fünf seien es, mit denen er sich eine Woche nach der Trennung von Alexander Nouri noch beschäftigt. Weniger als fünf sind aber immer noch zu viele, um zu wissen, wer es denn wird. Einen Favoriten gibt es nicht, Baumann erklärt, dass er „bei den wenigen Kandidaten“ weiter in der Sondierung steckt, Profile vergleicht, die Machbarkeit einer Verpflichtung abgeklopft. Das kann noch dauern, sollte es aber nicht.
Denn bei nur fünf Punkten aus elf Spielen hat Werder keine Zeit zu verlieren. Und dennoch ist Baumann angesichts der Tragweite der Entscheidung zur Sorgfalt verpflichtet. Denn holt er jetzt den falschen Trainer, könnte am Ende der Gang in die Zweitklassigkeit das Ergebnis sein. So zerrt einerseits der Entscheidungsdruck an dem Manager, andererseits die Angst, das Falsche zu tun.
Baumann will keinen reinen Feuerwehrmann
Erstmals umreißt der Manager im Gespräch mit der DeichStube das Profil, das der Gesuchte idealerweise erfüllen sollte. „Der Hauptanspruch ist, dass der neue Trainer der Mannschaft Automatismen in der Offensive und der Defensive an die Hand gibt und diese auch einfordert. Daran müssen wir schnell arbeiten“, sagt er. Und: Es ist kein reiner Retter, kein Vollblut-Feuerwehrmann, nach dem Baumann sucht:
„Natürlich geht es in erster Linie darum, dass wir die Saison meistern, es geht um den Klassenerhalt. Aber wir wollen auch unsere vom Club definierte Spielphilosophie nicht völlig aus dem Auge verlieren.“ Was bedeutet: Erst die Rettung, dann die Nachhaltigkeit. Werder will den Trainer, der die Mannschaft aktuell fit macht für den Abstiegskampf und darüberhinaus wieder zu einem attraktiv-erfolgreichen Fußball führen kann. „Das ist möglich“, meint Baumann, verdeutlicht aber: „Es geht nicht darum, dass wir in zwei Wochen wieder ein Offensivspektakel sehen müssen. Wir wollen aber auch nicht alle anderen Ansprüche über Bord werfen.“
Bleibt die Frage: Wer kann so etwas? Wer kann erst die Scherben zusammenfegen, um sie dann wieder zu einem schöneren Ganzen als zuvor zusammenzusetzen? Wie schon erwähnt – es sind weniger als fünf Kandidaten, denen Baumann diese Zauberei zutraut. Dass auch Florian Kohfeldt dazu gehört, betont der Chef der Bremer Fahndungsgruppe ganz ausdrücklich. „Es ist nicht so, dass ein externer Kandidat bevorzugt wird. Flo ist in der Auswahl dabei, es ist durchaus möglich, dass er Trainer bleibt.“
Rechnerisch ist es also wie folgt: Weniger als fünf sind maximal vier, vier minus Kohfeldt macht drei externe Anwärter. Von denen muss einer besser sein als der jetzige Interimstrainer - sonst wird der bisherige U23-Coach tatsächlich dauerhaft zum Chef des Bundesliga-Teams befördert. Trotz aller Risiken und Bremer Vorerfahrungen mit Viktor Skripnik und Alexander Nouri. Beide waren den Weg gegangen, den nun auch Kohfeldt beschreiten könnte. Beide auch mit anfänglich großem Erfolg. Sowohl unter Skripnik als auch unter Nouri verwandelte sich Abstiegskampf zunächst in einen Kampf um Europa. Leider auch wieder zurück.
„Keine Entscheidung, nur um in der Öffentlichkeit besser dazustehen“
Aber Baumann merkt an, dass beide Entscheidungen „zunächst richtig“ waren. Weshalb er auch nicht vor einem dritten Mal zurückschrecken würde: „Ich weiß nicht, ob es ein erfahrener Trainer in der Vergangenheit besser gemacht hätte, als Viktor und Alex in ihrer jeweils ersten Saison. Ich verstehe aber, dass eine Entscheidung, es wieder mit dem U23-Trainer zu versuchen, kritisch gesehen würde.“ Baumanns Haltung dazu: „Ich werde auch in schwierigen Zeiten grundsätzlich keine Entscheidung treffen, nur um in der Öffentlichkeit besser dazustehen.“
Es würde also auch eine große Portion Mut dazugehören, wenn Frank Baumann am Ende der Entscheidungsfindung keinen Kandidaten von außen, sondern den selbst ausgebildeten und noch ohne Verdienstorden versehenen Kohfeldt auswählen sollte. Dass der seine Chancen in der vergangenen Woche verbessert hat, hatte Baumann schon direkt nach der unglücklichen 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt bestätigt. Nun bekräftigt er: „Die Mannschaft ist bei Florian in guten Händen. Das Spiel hat gezeigt, dass er der Mannschaft Impulse geben kann. Er hat in nur drei Trainingstagen viel bewegt.“
Noch mit Interimstrainer Kohfeldt gegen Hannover 96?
Das liest sich schon so, als wolle Baumann die Öffentlichkeit auf eine Entscheidung für Kohfeldt einstimmen. Tatsächlich will der 42-Jährige aber erstmal nur darauf vorbereiten, dass Werder trotz des großen Zeitdrucks auch nach der Länderspielpause noch mit der Interimslösung in die Partie gegen Hannover 96 (Sonntag, 19. November, Weserstadion) gehen wird. „Unser Ziel ist es zwar, dass wir bis Hannover eine Entscheidung getroffen haben. Aber ich kann nicht versprechen, dass es so sein wird“, erklärt Baumann.
Und das kann wiederum nur heißen, dass unter den drei Kandidaten von auswärts mindestens einer ist, der noch bei einem anderen Club unter Vertrag steht. Vertragslose Trainer (wie Bruno Labbadia) wären sofort zu haben, um vertraglich gebundene müssten erst noch Verhandlungen geführt werden. Aber daran, das macht Frank Baumann ganz deutlich, würde es nicht scheitern: „Wenn für einen Top-Trainer eine Ablöse oder auch ein hohes Gehalt gezahlt werden müssen, sind wir dazu bereit.“
Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern




