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Bremen - Während Florian Kohfeldt die Werder-Profis als Interimscoach auf das so wichtige Bundesliga-Spiel am Freitag in Frankfurt vorbereitet, arbeitet Sportchef Frank Baumann auf dem Trainermarkt seine Wunschliste ab.
Ein gewisser Lucien Favre steht dort nach Informationen der DeichStube ganz oben. Allerdings nicht allein, sondern mit Thomas Tuchel. Die Liste endet mit den beiden Namen zwar nicht, aber Baumann tendiert zu dem Plan: Entweder es gibt eine namhafte Lösung oder U23-Coach Kohfeldt darf weitermachen. Kandidaten wie Bruno Labbadia, Markus Weinzierl, Marcel Koller oder Andre Schubert sollen kein Thema mehr sein.
Für Favre läuft es in Nizza nicht mehr rund
Der Name Tuchel geistert schon seit Wochen durch Bremen. Der 44-Jährige ist der absolute Wunschkandidat der Fans. Die Umfrage in der DeichStube führt Tuchel mit 42 Prozent der abgebenden Stimmen deutlich an – vor Markus Weinzierl (15 Prozent). Ein Favre stand dort bislang allerdings nicht zur Wahl. Schließlich ist der 59-Jährige bei OGC Nizza in Amt und Würden. Doch Baumann selbst hat die Tür auch für diese Trainer aufgemacht: „Wir werden nicht nur mit freien, sondern auch mit Trainern, die unter Vertrag stehen, sprechen. Das muss korrekt und sauber ablaufen. Dafür benötigen wir Zeit.“
Werder wird Favre kontaktieren. Falls es passt, will Baumann versuchen, den ehemaligen Coach von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC vom französischen Club loszueisen. Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht. Nizza ist nach Platz drei im Vorjahr ziemlich abgestürzt, belegt nur noch Rang 16. Es wird bereits gemutmaßt, dass Favre selbst die Brocken hinschmeißt.
Das hat er in einer vergleichbaren Situation auch schon bei Borussia Mönchengladbach gemacht. Er kam damit einer Entlassung zuvor. Das bedeutet aber nicht, dass Favre schwierige Situationen scheut. Ganz im Gegenteil: In Gladbach stieg er erst im Februar als Nachfolger von Michael Frontzeck ein. Mit nur 16 Punkten aus 22 Spielen stand die Borussia ganz unten, doch mit Favre schaffte der Traditionsclub über die Relegation den Klassenerhalt. In der Saison danach ging es rauf bis auf Platz vier – und damit in die Qualifikation in die Champions League.
Favre gilt als absoluter Fachmann. „Er ist auf jeden Fall ein Trainer, der Spieler besser macht“, hat die „Westdeutsche Zeitung“ (WZ) unlängst in einem Porträt zu Favres 60. Geburtstag am Donnerstag geschrieben. „Marco Reus hat er zum Nationalspieler gemacht. Reus war verblüfft über die immer wieder geübten Details, wie er zum Beispiel einen Gegenspieler mit welchem Fuß anzulaufen hat oder auf welcher Seite er dem Gegenspieler besser entwischen kann“, schreibt die Zeitung, die intensiv über Borussia Mönchengladbach berichtet. Aber es gibt auch die andere Seite von Favre. Die „WZ“ bezeichnet ihn auch als „schwierigen Trainer“. Er ist ein detailverliebter Tüftler, der die absolute Macht im Club einfordert. Der Schweizer will möglichst alles selbst bestimmen. Ob das zu Werder passt, müssen Baumann und Co. entscheiden.
Gleiches würde im Fall Tuchel gelten. Trotz des Pokalsiegs musste der Coach am Ende der vergangenen Saison Borussia Dortmund verlassen. Tuchel war den Westfalen zu schwierig geworden. Zudem stellt sich die Frage, ob Werder überhaupt für Tuchel infrage kommt. Die Topclubs jagen ihn, angeblich wollen ihn auch die Bayern haben. In England taucht der Name Tuchel in Trainerdiskussionen ebenfalls immer wieder auf – zuletzt beim FC Everton.
Bei diesen Vereinen hätte Tuchel das nötige Geld, um sich einen Kader für seinen Fußball zusammenzustellen. Beim eher finanzschwachen SV Werder müsste der 44-Jährige ganz schön basteln. Tut er sich das wirklich an? Bei Werder gibt es da große Zweifel, trotzdem wird ihn Baumann kontaktieren. Der Sportchef will sich später nicht nachsagen lassen, nicht alles probiert zu haben. Und er selbst ist ein großer Fan von Tuchel.
Finanzierung mit Aufsichtsrat abgestimmt
Aber Baumann findet auch Kohfeldt gut. Er hat ihn stets gefördert, ihn nach dem Rauswurf von Viktor Skripnik nicht fallengelassen, ihn quasi sogar befördert. Aus dem Co-Trainer der Profis wurde der Chefcoach der U23, die immerhin in der Dritten Liga spielt. Es war immer der Plan, dass Kohfeldt diesen Posten irgendwann auch bei den Profis übernimmt. Allerdings noch nicht jetzt, nachdem zwei U23-Lösungen (Skripnik und Alexander Nouri) nicht funktioniert haben. Deswegen schaut sich Baumann nun um, aber nur nach den absoluten Top-Lösungen. Die sind natürlich teuer, aber das nötige Geld dafür würde bereitgestellt. Mit dem Aufsichtsrat ist das bereits abgestimmt.