3:1 - Bremen kontert Bayer aus
Wahnsinn! Werder holt drei Big-Points in Leverkusen
Leverkusen. Was für ein Werder-Mittag! Zu ungewöhnlicher Fußball-Zeit haben die Bremer am Sonntag ein dickes Ausrufezeichen im Kampf um einen Platz im internationalen Geschäft gesetzt.
Das Team von Trainer Florian Kohfeldt gewann bei Bayer Leverkusen mit 3:1 (2:0) und hat als Tabellenachter der Fußball-Bundesliga nur noch drei Punkte Rückstand auf Rang sechs, den ersten sicheren Platz für Europa. Dort steht übrigens Gegner Leverkusen. Max Kruse (13.) und Milot Rashica (37.) hatten Werder mit 2:0 in Führung geschossen, Leon Bailey (75.) gelang noch der Anschlusstreffer. Nach grandioser erster Halbzeit hatten die Bremer am Ende gewaltig zittern müssen, bis die drei Big-Points tatsächlich im Sack waren. Kruse machte mit dem 3:1 alles klar (90.+5).
Max Kruse und Milot Rashica agierten unglaublich variabel
Florian Kohfeldt hatte sich für die Partie eine ganz besondere Taktik ausgedacht – eine extrem flexible, die auf den ersten Blick eher defensiv wirkte, aber offensiv sehr sehr gefährlich sein konnte. Nuri Sahin ersetzte den verletzten Philipp Bargfrede als Sechser, wurde dabei aber immer mal wieder von Davy Klaassen und oder Maximilian Eggestein unterstützt. Auch der Dreier-Angriff mit Johannes Eggestein (für den verletzten Claudio Pizarro zurück in der Startelf), Max Kruse und Milot Rashica agierten unglaublich variabel. Oft wurden die Leverkusener schon tief in ihrer Hälfte attackiert, in der eigenen Hälfte präsentierten sich die Bremer dann gerade im Zentrum sehr aggressiv und kompakt, ließen kaum gefährliche Pässe in die Tiefe und auf die Außen zu. Und wenn doch, dann war die Viererkette fast immer auf der Höhe, Marco Friedl präsentierte sich dabei als guter Ersatz in der Innenverteidigung für den gesperrten Milos Veljkovic und den noch nicht ganz fitten Sebastian Langkamp.
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Wenn Werder dann in Ballbesitz kam, ging es blitzschnell. Dafür sorgte auch der so berühmte One-Touch-Football. „Absolute Weltklasse“, lobte Europsort-Experte Matthias Sammer das Spiel der Bremer in der Pause – und nannte dabei den Führungstreffer als Beispiel. Johannes Eggestein hatte kurz nach der Mittellinie den Ball perfekt auf Bruder Maximilian gelegt, der noch perfekter Max Kruse die Kugel in den Lauf spielte – und der Kapitän schloss grandios mit einem satten Linksschuss zum 1:0 ab (13.). Ein super Tor! Und ein Vereinsrekord – zumindest wurde die Bestmarke aus den Jahren 2004/2005 eingestellt. Zum 27. Mal in Folge war Werder ein Treffer in einem Bundesligaspiel geglückt.
Eiskalte Bremer Konter
Allerdings hätte es nach gut einer halben Stunde auch auf der anderen Seite klingeln können. Bayer zeigte, warum der Werksclub von einer Champions-League-Teilnahme träumen darf. Leon Bailey hatte den Torschrei schon auf den Lippen, doch Friedl rutschte gerade noch rechtzeitig in den Schuss des Jamaikaners (33.): Kurz darauf strich ein Volland-Kopfball nur knapp am Bremer Kasten vorbei (35.).
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Werder beeindruckte das aber nicht. Wieder konterten die Bremer eiskalt. Wieder leitete Johannes Eggestein den Angriff ein und wurde dabei auch noch übelst von Lars Bender gefoult. Der Bayer-Kapitän sah dafür später noch Gelb. Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied auf Vorteil, weil Kruse die Kugel geschickt auf Rashica gebracht hatte – und der Kosovare vollstreckte zum 2:0 (37.). Den Treffer hatte sich der 22-Jährige so sehr verdient, er war unglaublich viel gelaufen.
„Wir sehen ein herausragendes Fußballspiel“, schwärmte Sammer in der Pause. Bayer-Coach Peter Bosz fand es verständlicherweise nicht so toll und reagierte. Er brachte Kai Havertz und Paulinho für Charles Aranguiz und Karim Bellarabi. Das zeigte Wirkung. Leverkusen dominierte die Partie, Werder bekam kaum noch Zugriff und hatte Glück, dass Havertz vor seinem vermeintlichen Anschlusstreffer der Ball nach einer Ecke an die Hand gesprungen war (55.). Aytekin entschied sofort auf Freistoß für die Bremer, zu Recht, wie die TV-Bilder zeigten.
Rakete Rashica wurde zu Langstrecken-Rakete
Werder wurde nun endlich wieder etwas mutiger, kam auch mal wieder nach vorne und fast zum dritten Treffer. Ein toller Freistoß von Sahin klatschte an die Latte (59.), das wäre wohl die Vorentscheidung gewesen. So blieb es spannend. Werder-Keeper Jiri Pavlenka musste sich bei einem abgefälschten Schuss von Lars Bender gewaltig strecken (65.). Kurz darauf war die Partie für Milot Rashica, der seinen Marktwert bei Werder Bremen zuletzt verdreifachen konnte, zu Ende (66.). Die Rakete war diesmal eine Langstrecken-Rakete, hatte unglaublich viele Meter gemacht, um den Leverkusener Spielaufbau zu stören. Seinen Job übernahm nun Martin Harnik.
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Die Bremer mussten nun ordentlich beißen. Es war auch eine Frage des Willens. Sahin ging da mit gutem Beispiel voran, war Mitte der zweiten Halbzeit Werders erfolgreichster Zweikämpfer. Wer hätte das dem Sechser zugetraut? Gegen Volland ging der 30-Jährige dann etwas zu robust zu Werke und sah dafür Gelb. Weil es seine fünfte in dieser Saison war, ist Sahin im nächsten Spiel in zwei Wochen gegen Mainz gesperrt (71.). Den fälligen Freistoß vergab Bailey. Aber er erhielt wenige Minuten später eine zweite Chance – und die ließ er sich nicht entgehen. Unhaltbar schlug sein Schuss zum Anschlusstreffer ein (75.).
Am Ende spielte nur noch Leverkusen - doch Werder legt nach
Bayer war wieder im Spiel. Kohfeldt reagierte, brachte Fin Bartels für den ausgepumpten Johannes Eggestein und später Sebastian Langkamp für den von Krämpfen geschüttelten Klaassen (84.). Doch es spielte nur noch Leverkusen, die Gastgeber erarbeiteten sich Chance um Chance, doch der Ball wollte nicht mehr ins Tor. Sehr zur Freude von Werder! Der alles überragende Kruse machte den Sieg dann mit seinem Treffer zum 3:1 in der Nachspielzeit perfekt. Die Gäste hatten sich diese drei Punkte hart erkämpft, aber in der ersten Halbzeit auch eine große spielerische Klasse gezeigt. Dabei gefiel vor allem auch Maximilian Eggestein, der am Freitag erstmals für die Nationalmannschaft nominiert worden war.