Stoßstürmer oder Spielmacher? Beides!
Warum Belfodil bei Werder funktionieren wird
Bremen - Ishak Belfodil heißt der neue Stürmer bei Werder Bremen - aber wie gut ist der Neuzugang von Standard Lüttich wirklich? Ein Belgien-Experte erklärt, warum Belfodil funktionieren wird.
Ein bisschen verwunderlich war das schon, als Ishak Belfodil bei seiner Vorstellung betonte, er würde am liebsten als Spielmacher agieren. Wollte Werder nicht einen echten Stürmer für ganz vorne verpflichten? „Ich war auch etwas überrascht“, sagt Christian Schwarz. Der Belgien-Experte der Internet-Plattform transfermarkt.de meint damit aber sowohl Spieler als auch Verein. Trotzdem ist Schwarz überzeugt, dass Belfodil und Bremen gut zusammenpassen: „Wenn er sich in Bremen wohlfühlt, dann wird er eine echte Verstärkung für Werder. Die Qualität für die Bundesliga hat er auf jeden Fall.“
Die Positionsfrage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Als echten Spielmacher würde Schwarz den Algerier, der in Frankreich aufgewachsen ist, jedenfalls nicht bezeichnen. „Er ist ein spielender Stürmer“, sagt der 33-Jährige: „In Lüttich war er meistens die hängende Spitze mit vielen Freiheiten. Vor ihm war dann noch ein Stoßstürmer.“ Eben diesen Stoßstürmer hatte Werder eigentlich gesucht. „Das kann Belfodil im Prinzip auch“, sagt Schwarz: „Er ist körperlich sehr präsent und kann auch mit dem Rücken zum Tor am Strafraum den Ball sehr gut festmachen. Aber als reiner Wandspieler wäre er verschenkt.“
Belfodils Vita ist schon eine besondere. Regelmäßig hat er den Verein gewechselt. Erst Frankreich, dann Italien, schließlich Vereinigte Arabische Emirate – der Algerier ist viel rumgekommen. „Ich denke, die Zeit in den Emiraten hat ihn geläutert“, sagt Schwarz: „Nachdem ihn Inter Mailand geholt hatte, dachte er wohl, dass er ein Superstar sei.“ 2013 war das. Doch bei Inter konnte sich Belfodil nicht durchsetzen, bei Parma lief es danach auch nicht. Belfodil ging in die Emirate zu Baniyas SC, blieb aber auch dort nur ein Jahr. Er löste seinen Vertrag auf und wechselte zu Standard Lüttich.
„Er wird ganz sicher nicht die Diva raushängen lassen“
„Er ist ganz bewusst nach Belgien gekommen. Das war noch mal seine Chance, sich in Europa zu rehabilitieren“, erinnert sich Schwarz: „Die Chance hat er genutzt. Nach zehn Spieltagen war er der Star der Mannschaft und gehörte zu den prägenden Figuren in der Liga.“ Im Winter wollte ihn der FC Everton verpflichten, doch der Trainer des Premier-League-Clubs legte plötzlich ein Veto ein. Angeblich zweifelte Ronald Koeman am Charakter des Angreifers. „Belfodil ist vielleicht ein Spieler, der sich schnell provozieren lässt“, urteilt Schwarz: „Aber extrem schwierig ist er nicht. Belfodil ist realistischer geworden und wird ganz sicher in Bremen nicht die Diva raushängen lassen.“
Schwarz glaubt fest daran, dass Belfodil bei Werder funktionieren kann. „Er ist jemand, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt.“ Das habe er auch nach dem geplatzten Everton-Deal gemacht – und die Enttäuschung schnell abgeschüttelt. Das war nicht so einfach, weil er unbedingt in die Premier League wollte. In die zweite englische Liga dagegen nicht, dem FC Fulham sagte er in diesem Sommer ab. Hannover 96 war auch lange interessiert gewesen, entschied sich aber für den bulligeren Brasilianer Jonathas. Damit war der Weg frei für Werder.
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