Stoßstürmer oder Spielmacher? Beides!

Warum Belfodil bei Werder funktionieren wird

Ishak Belfodil lässt sich das Konzept des Trainer-Teams um Alexander Nouri (2.v.l.) erklären.
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Ishak Belfodil lässt sich das Konzept des Trainer-Teams um Alexander Nouri (2.v.l.) erklären.

Bremen - Ishak Belfodil heißt der neue Stürmer bei Werder Bremen - aber wie gut ist der Neuzugang von Standard Lüttich wirklich? Ein Belgien-Experte erklärt, warum Belfodil funktionieren wird.

Ein bisschen verwunderlich war das schon, als Ishak Belfodil bei seiner Vorstellung betonte, er würde am liebsten als Spielmacher agieren. Wollte Werder nicht einen echten Stürmer für ganz vorne verpflichten? „Ich war auch etwas überrascht“, sagt Christian Schwarz. Der Belgien-Experte der Internet-Plattform transfermarkt.de meint damit aber sowohl Spieler als auch Verein. Trotzdem ist Schwarz überzeugt, dass Belfodil und Bremen gut zusammenpassen: „Wenn er sich in Bremen wohlfühlt, dann wird er eine echte Verstärkung für Werder. Die Qualität für die Bundesliga hat er auf jeden Fall.“

Die Positionsfrage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Als echten Spielmacher würde Schwarz den Algerier, der in Frankreich aufgewachsen ist, jedenfalls nicht bezeichnen. „Er ist ein spielender Stürmer“, sagt der 33-Jährige: „In Lüttich war er meistens die hängende Spitze mit vielen Freiheiten. Vor ihm war dann noch ein Stoßstürmer.“ Eben diesen Stoßstürmer hatte Werder eigentlich gesucht. „Das kann Belfodil im Prinzip auch“, sagt Schwarz: „Er ist körperlich sehr präsent und kann auch mit dem Rücken zum Tor am Strafraum den Ball sehr gut festmachen. Aber als reiner Wandspieler wäre er verschenkt.“

Belfodils Vita ist schon eine besondere. Regelmäßig hat er den Verein gewechselt. Erst Frankreich, dann Italien, schließlich Vereinigte Arabische Emirate – der Algerier ist viel rumgekommen. „Ich denke, die Zeit in den Emiraten hat ihn geläutert“, sagt Schwarz: „Nachdem ihn Inter Mailand geholt hatte, dachte er wohl, dass er ein Superstar sei.“ 2013 war das. Doch bei Inter konnte sich Belfodil nicht durchsetzen, bei Parma lief es danach auch nicht. Belfodil ging in die Emirate zu Baniyas SC, blieb aber auch dort nur ein Jahr. Er löste seinen Vertrag auf und wechselte zu Standard Lüttich.

„Er wird ganz sicher nicht die Diva raushängen lassen“

„Er ist ganz bewusst nach Belgien gekommen. Das war noch mal seine Chance, sich in Europa zu rehabilitieren“, erinnert sich Schwarz: „Die Chance hat er genutzt. Nach zehn Spieltagen war er der Star der Mannschaft und gehörte zu den prägenden Figuren in der Liga.“ Im Winter wollte ihn der FC Everton verpflichten, doch der Trainer des Premier-League-Clubs legte plötzlich ein Veto ein. Angeblich zweifelte Ronald Koeman am Charakter des Angreifers. „Belfodil ist vielleicht ein Spieler, der sich schnell provozieren lässt“, urteilt Schwarz: „Aber extrem schwierig ist er nicht. Belfodil ist realistischer geworden und wird ganz sicher in Bremen nicht die Diva raushängen lassen.“

Schwarz glaubt fest daran, dass Belfodil bei Werder funktionieren kann. „Er ist jemand, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt.“ Das habe er auch nach dem geplatzten Everton-Deal gemacht – und die Enttäuschung schnell abgeschüttelt. Das war nicht so einfach, weil er unbedingt in die Premier League wollte. In die zweite englische Liga dagegen nicht, dem FC Fulham sagte er in diesem Sommer ab. Hannover 96 war auch lange interessiert gewesen, entschied sich aber für den bulligeren Brasilianer Jonathas. Damit war der Weg frei für Werder.

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Ishak Belfodil: Seine Karriere in Bildern

Ishak Belfodil
Belfodil spielte in den Jugenden verschiedener französischer Clubs, wechselte dann 2008 zur U19 von Olympique Lyon. Von 2009 bis 2012 spielte er dort bei den Profis, bekam aber wenige Einsätze. © imago
Ishak Belfodil
Im Januar 2012 wurde er zunächst an den italienischen FC Bologna ausgeliehen, zur Saison 2012/13 verpflichtete ihn aber schließlich Parma Calcio. © imago
Ishak Belfodil
Ein Jahr später nahm in Inter Mailand unter Vertrag, für die Rückrunde 2013/14 ging Belfodil auf Leihbasis zum AS Livorno. © imago
Ishak Belfodil
Nach Ende der Leihe wechselte er erneut und kehrte in der Saison 2014/15 zu seinem ehemaligen Club Parma zurück. Dort kam er regelmäßig zum Einsatz, blieb allerdings auch nur ein Jahr. © imago
Ishak Belfodil
Nach einem Jahr in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Baniyas SC nahm ihn zur Saison 2016/17 Standard Lüttich unter Vertrag. Bei den Belgiern schoss er 11 Tore in 25 Pflichtspielen. © imago
Am letzten Tag der Transferperiode vor der Saison 2017/18 unterschrieb Belfodil schließlich bei Werder. Er kam per Leihe.
Am letzten Tag der Transferperiode vor der Saison 2017/18 unterschrieb Belfodil schließlich bei Werder. Er kam per Leihe. © gumzmedia
Ishak Belfodil
Unter Trainer Alexander Nouri bekam er viel Einsatzzeit in der Liga, konnte aber keine Treffer liefern. © Gumz
Ishak Belfodil
Erst im Pokal gegen Hoffenheim platzte der Knoten - Belfodil erzielte den Siegtreffer zum 1:0. © Gumz
Ishak Belfodil
Belfodil spielte in den Junioren-Teams der französischen Nationalmannschaft, entschied sich dann für Algerien. 2015 nahm er mit ihnen am Afrika Cup teil, scheiterte im Viertelfinale aber an der Elfenbeinküste. © imago
Am 27. Spieltag erzielte Ishak Belfodil einen Doppelpack beim 3:1 Sieg gegen Augsburg und bereitete ein Tor vor, somit war er der überragende Mann auf dem Platz.
Am 27. Spieltag erzielte Ishak Belfodil einen Doppelpack beim 3:1 Sieg gegen Augsburg und bereitete ein Tor vor, somit war er der überragende Mann auf dem Platz. © gumzmedia
Ishak Belfodil steht seit Juli bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag.
Zur Saison 2018/19 wechselte Belfodil zum Bundesligakonkurrenten 1899 Hoffenheim. © imago

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