Werder-Trainer privat

Aus Liebe zum Fußball: Warum Neu-Trainer Thioune für den HSV jubelte, mit Werder litt – und was sein Vater damit zu tun hat

Neu-Trainer Daniel Thioune spricht über seine kindliche Leidenschaft für Werder Bremen, einen ungeliebten Erzrivalen - und verrät, welchen Einfluss sein verstorbener Vater darauf hatte.

Was sein Vater über den neuen Job denken würde, kann Daniel Thioune nur vermuten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Freude groß ist, dürfte jedoch riesig sein. Sein Papa war nicht nur fußballbegeistert, sondern auch Fan des SV Werder Bremen. Doch die Betonung liegt in diesem Fall eben auf „war“. Vor einigen Jahren schon ist er gestorben, während eines Heimatbesuchs im Senegal. Thioune, der in der Öffentlichkeit sonst nur selten über private Themen spricht, hatte vor einiger Zeit bereits von dem einschneidenden Erlebnis sowie den speziellen Umgang damit berichtet.

Werder Bremens Trainer Daniel Thioune gibt private Einblicke in seine Kindheitszeit.

Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune über den Tod seines Vaters: „Es reißt einem das Herz bei lebendigem Leib raus“

„Es war ein Tag, an dem wir abends ein Spiel hatten. Ich wollte nach Hause, mich noch kurz vorbereiten, dann habe ich den Anruf von meinem Onkel bekommen. Es war brutal in dem Augenblick. Das weiß jeder, es reißt einem das Herz bei lebendigem Leib raus“, schilderte der heute 51-Jährige einst in der „Sky“-Reihe „Meine Geschichte“. Eine Auszeit nahm sich der Ex-Profi dennoch nicht, noch am gleichen Abend war wieder Fußball angesagt. „Ich musste funktionieren. Es gehört zu meinem Leben dazu und der Verantwortung, die ich in mir trage. Ich versuche, Dinge immer zu Ende zu bringen“, sagte Daniel Thioune. „Es war sehr schwer an dem Tag, es sind sehr viele Tränen geflossen – auch während und am Ende des Spiels. Viel schwerer war es, sich nicht verabschieden zu können. Das ging erst ein paar Wochen später, als ich in den Senegal geflogen bin. Bei der Beerdigung war ich nicht dabei.“

Was bleibt, sind die Erinnerungen. Zum Beispiel daran, wie früher gemeinsam der Fußball gelebt und geliebt wurde. Dass Daniel Thioune dabei nicht wie sein Vater ausgewiesener Werder-Anhänger war, sondern auch am Nordrivalen Hamburger SV Gefallen finden konnte, mag im ersten Moment komisch klingen, ist für den gebürtigen Niedersachsen aber vollkommen normal. „Grundsätzlich bin ich ein Fan des Fußballs gewesen. Wenn man bestimmte Spieler im Fernsehen sieht, dann eifert man denen nach. Ich war selbst Stürmer – und wenn man dann Horst Hrubesch gesehen hat, dann hatte das eine Klasse für sich“, erzählte der Neu-Coach des SV Werder Bremen unter der Woche. „Wenn man darüber hinaus auch noch farbige Spieler sieht, kann man sich sehr leicht damit identifizieren, ganz gleich, ob es ein Jimmy Hartwig beim HSV oder ein Rigobert Gruber bei Werder war. Genauso bin ich aber auch Klaus Allofs nachgeeifert, als er noch in Köln war. Ich war wahrscheinlich immer genau dort unterwegs, wo gerade der Erfolg war – so wie es bei jedem Kind irgendwie ist. Wer in den letzten 13 Jahren auf die Welt gekommen ist, hält es größtenteils wahrscheinlich auch mit dem FC Bayern München.“

Werder Bremens Trainer Daniel Thioune verrät: „An unserem Tisch zu Hause hatten wir keine großen Probleme“

Und da während Thiounes Kindheit und Jugend viele positive Ereignisse beim SV Werder Bremen unter Trainerlegende Otto Rehhagel stattfanden, gab es seinerseits viele gemeinsame Erfolgsmomente in den eigenen vier Wänden – und entsprechend wenig Reibereien mit dem Vater. „An unserem Tisch zu Hause hatten wir keine großen Probleme“, sagte Daniel Thioune lächelnd, „weil auch mir der verschossene Elfmeter von Michael Kutzop damals wehgetan und mich das Einwurftor von Uwe Reinders gegen Jean-Marie Pfaff zum Applaudieren gebracht hat.“  (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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