Werder-Pokalsieg vor 25 Jahren
Als „Fäustel“ dem Superpfau die Show stahl: 25 Jahre DFB-Pokalsieg - was aus den Werder-Helden von 1999 geworden ist - Teil 1
Hinweis: Dieser Text erschien bereits Mitte Juni 2024. Vor 25 Jahren gewann der SV Werder Bremen sensationell den DFB-Pokal im Finale gegen den FC Bayern München. Die DeichStube wirft einen Blick darauf, was aus den Helden von 1999 geworden ist. Teil 1: Die Startelf
Bremen – Den Rathausbalkon hatte Andreas Herzog schon gar nicht mehr gesehen. Stattdessen lag der Österreicher im Krankenhaus, während seine Teamkollegen des SV Werder Bremen die Bremer Innenstadt in ein Tollhaus verwandelten. Am Abend zuvor, jenem 12. Juni 1999, hatten die Grün-Weißen im Berliner Olympiastadion als krasser Außenseiter sensationell den FC Bayern München im Finale des DFB-Pokals gebändigt. Herzog musste wegen einer Knieverletzung schon vor der Pause vom Feld, fieberte von der Bank aus beim 6:5-Triumph nach Elfmeterschießen mit – und schenkte der Fußballwelt hinterher ein legendäres Zitat: „Der Pfau, der Superpfau, der Herr Effenberg. Da stolziert er über den Platz und dann verschießt er, es gibt doch noch einen Fußballgott.“ 25 Jahre ist das alles her, die DeichStube wirft einen Blick darauf, was aus den Helden von damals geworden ist.
25 Jahre DFB-Pokalsieg: Was aus den Helden des SV Werder Bremen von 1999 geworden ist - die Startelf
Frank Rost: „Fäustel“ zeigte 120 Minuten lang eine überragende Leistung und avancierte während der entscheidenden Lotterie vom Punkt zur zentralen Figur. Beim Stand von 4:4, kurz nachdem Stefan Effenberg seinen Schuss in den Berliner Nachthimmel gesetzt hatte, trat der Keeper des SV Werder Bremen vor exakt 75.841 Zuschauern selbst als Schütze an und traf sicher gegen Oliver Kahn. Zurück zwischen den Pfosten hielt der damals 25-Jährige dann den finalen Versuch von Lothar Matthäus, machte so die Bremer Sensation perfekt und ging mit einer deutlichen Geste in Richtung Bayern-Fans endgültig in die Werder-Geschichte ein. Der 50-Jährige hat sich mittlerweile der Pferdezucht verschrieben, betreibt mit seiner Frau eine eigene Reitanlage in Rotenburg/Wümme.
Bernhard Trares: Der Abwehrspieler hatte schon einiges erlebt, als er 1997 im Alter von 31 Jahren an den Osterdeich wechselte – und diese Erfahrung brachte der Hesse rigoros ein. Trares war zu jener Zeit ein zentraler Baustein der Defensive des SV Werder Bremen und leistete auch im Pokalfinale unermüdlich Schwerstarbeit. Beinahe hätte er in der Verlängerung sogar per direkt verwandelter Ecke getroffen (110.). Nach seinem Karriereende 2004 wechselte der robuste Zweikämpfer auf die Trainerbank und arbeitete seither für verschiedene Vereine. Aktuell ist der 58-Jährige jedoch ohne Engagement.
Raphael Wicky: Der Schweizer, der 132 Pflichtspiele für Werder Bremen absolvierte, bewahrte in Berlin im Elfmeterschießen einen kühlen Kopf, als er zum zwischenzeitlichen 3:3 traf. Die nächtlichen Feierlichkeiten nahm Wicky hinterher mit einer Berliner Polizeimütze in Angriff, die er irgendwann nur noch verkehrtherum trug. Anfang 2009 beendete der 75-fache Nationalspieler seine Profikarriere, dem Fußball ist er als Coach erhalten geblieben. Im März 2024 wurde der heute 46-Jährige jedoch bei den Young Boys aus Bern entlassen.
25 Jahre DFB-Pokalsieg - was aus den Helden des SV Werder Bremen von 1999 geworden ist: Jens Todt ist heute Spielerberater
Jens Todt: Dieser Abend hätte das ganz große Drama des Jens Todt werden können. In seinem allerletzten Spiel für Werder Bremen vor dem Wechsel zum VfB Stuttgart versagten dem gebürtigen Hamelner im Elfmeterschießen die Nerven, mit seinem Fehlschuss schienen die Grün-Weißen entscheidend ins Hintertreffen geraten zu sein. Bekanntlich kam es anders. Todt setzte seine Karriere noch bis 2003 fort, später war er als Funktionär im Einsatz. Mittlerweile ist der 54-Jährige in seiner eigenen Firma als Spielerberater tätig.
Andree Wiedener: Der Helmstedter trug zwischen 1987 und 2001 das Trikot des SV Werder Bremen – das verbindet. Noch heute ist der inzwischen 54-Jährige ein gern gesehener Gast im Weserstadion, unter den Fans in der Ostkurve ist der „Tanz den Wiedener“ längst Kult. Und er fußt in gewisser Hinsicht auch auf jenem Sommerabend 1999 in der Bundeshauptstadt, als der Werder-Profi niemand Geringeren als Mario Basler ausstach, von dem er sich in der Vergangenheit einige Sprüche ob seiner vermeintlich nicht vorhandenen Qualitäten hatte anhören müssen. Inzwischen hat der einstige Defensivakteur seinen Lebensmittelpunkt nach Hessen verlagert, dort arbeitet er fernab des Fußballs als Außendienstmitarbeiter eines Unternehmens, das sich auf Bodenbeläge spezialisiert hat.
Dieter Eilts: 1984 kam der spätere „Ostfriesen-Alemao“ vom SV Hage an die Weser – und kannte fortan nur noch einen Club in seinem Leben: den SV Werder Bremen. Bis 2002 hielt der defensive Mittelfeldspieler die Knochen hin, wurde einmal Europapokalsieger der Pokalsieger (1992), zweimal Deutscher Meister (1988 und 1993) sowie dreimal Pokalsieger (1991, 1994 und 1999). Bei seinem letzten Titelgewinn legte der Kapitän noch einmal einen glänzenden Auftritt hin, versenkte auch einen wichtigen Elfmeter zum 4:4 und stemmte kurz darauf den Pott in die Höhe. Bei der anschließenden Party drohte er: „Wenn Thomas nicht unser Trainer bleibt, höre ich auf jeden Fall sofort auf.“ Die Sorge war unbegründet, Schaaf blieb und prägte eine Ära. „Eisen-Dieter“ ist inzwischen 59 Jahre alt, lebt noch immer in Bremen und widmet sich pädagogischen Projekten.
25 Jahre DFB-Pokalsieg - was aus den Helden des SV Werder Bremen geworden ist: Christoph Dabrowski ist Trainer bei Rot-Weiß Essen
Christoph Dabrowski: Ein paar Einsätze hatte er für Werder Bremen schon hinter sich, doch der Saisonendspurt 1999 ließ Christoph Dabrowski endgültig wie einen Phönix aus der Asche aufsteigen. 20 Jahre war der gebürtige Pole gerade einmal alt, als er mit seinem Kopfballtreffer am 11. Mai gegen den FC Schalke 04 die Wende zum Guten im Abstiegskampf schaffte. Die Bremer hielten unter Neu-Trainer Thomas Schaaf die Klasse, der Coach stellte den Youngster kurz darauf tatsächlich in die Anfangsformation für das Pokalfinale. Das Vertrauen wurde schnell zurückgezahlt, Dabrowski legte den frühen Führungstreffer durch Jurij Maximov auf. Nach 70 Minuten war Schluss für den Vorbereiter, mittlerweile ist er 45 Jahre alt und Trainer beim Drittligisten Rot-Weiß Essen.
Torsten Frings: Beim SV Werder Bremen ist Frings eine absolute Legende. Noch immer blickt der 47-Jährige – auch als Kolumnist der DeichStube – ganz genau auf das Geschehen am Osterdeich. Als Frings 1999 mit Werder in Berlin triumphierte, war er mit seinen 22 Jahren noch ein echter Jungspund, hatte aber schon in zahlreichen Partien seine Klasse bewiesen. Vor allem in Sachen Engagement und Ehrgeiz war der gebürtige Würseler stets ein Vorbild. „Niemand hat uns etwas zugetraut, aber wir haben gekämpft bis zum Umfallen“, sagte der Nationalspieler einmal in einem Interview über den Geniestreich von 99, bei dem ihm die entscheidende Parade von Frank Rost zusätzliche Strapazen ersparte: „Ich wäre der Nächste gewesen, wenn Matthäus nicht verschossen hätte. Natürlich war ich froh, dass Frank den Ball halten konnte. Schließlich war ich noch recht jung, und das wäre ein ganz schöner Nervenkitzel geworden.“
Jurij Maximov: Wann immer der Ball im DFB-Pokal rollte, war mit dem ukrainischen Mittelfeldspieler zu rechnen. Zwischen 1997 und 2000 erzielte Maximov in diesem Wettbewerb fünf Tore für Werder Bremen, beim Endspiel 1999 schlug er bereits nach drei Minuten zu und sorgte so für ungläubiges Staunen auf den Rängen. Der Blondschopf rackerte danach mit dem Team bis zum Ende der Verlängerung, vom Elfmeterpunkt musste er nicht ran. Dafür schoss Maximov die Bremer ein Jahr später gegen den Zweitligisten Stuttgarter Kickers erneut ins Pokalendspiel – allerdings sah er nur 30 Sekunden später nach einem Foul die Gelb-Rote Karte und fehlte deshalb bei der 2000er Auflage. Mittlerweile ist der 55-Jährige als Trainer tätig, in seiner durch den russischen Angriffskrieg beeinträchtigten Heimat coacht er den Erstligisten SK Dnipro-1.
25 Jahre DFB-Pokalsieg - was aus den Helden des SV Werder Bremen von 1999 geworden ist: Andreas Herzog arbeitet heute als Trainer
Andreas Herzog: Die Fans des SV Werder Bremen lagen dem „Alpen-Maradona“ zwischen 1992 und 2001 reihenweise zu Füßen und haben ihm auch einen kurzen Seitensprung zum FC Bayern München (1995/1996) verziehen. Der Österreicher zahlte die Zuneigung mit vielen Topleistungen und fußballerischen Schmankerln zurück. Dass er auch verbal einschenken konnte, zeigt die Eingangs-Anekdote mit dem Pfau-Vergleich von Stefan Effenberg. Herzog beendete seine aktive Laufbahn 2004, wechselte aber schnell auf die Trainerbank. Zuletzt war er als Assistent von Jürgen Klinsmann für die südkoreanische Nationalmannschaft mitverantwortlich, im Februar 2024 mussten die Coaches ihre Ämter nach dem vorzeitigen Aus beim Asien-Cup jedoch niederlegen.
Marco Bode: Als Maximov die Führung erzielte, war Marco Bode erster Gratulant. Später musste der Nationalspieler selbst seinen Torriecher unter Beweis stellen, indem er beim Elfmeterschießen den ersten Treffer markierte. „Da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Elfmeterschießen getroffen“, erzählte er einmal lachend in einem DeichStube-Interview. „1992 hatte ich im Halbfinale gegen Hannover den entscheidenden Elfmeter verschossen.“ Mit insgesamt 101 Toren ist Bode hinter Claudio Pizarro (109) zweitbester Werder-Torschütze aller Zeiten, später war der Vize-Weltmeister von 2002 Aufsichtsratschef des SVW. Aktuell schiebt der 54-Jährige als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender das Startup „One Touch Football AG“ mit an, bei dem Investoren und Fußballvereine zusammengebracht werden sollen, um gemeinsam Gewinne zu erwirtschaften. (mbü)