Vertragsverlängerung angeschoben
Für 300.000 Euro: Kruse-Klausel weg
Bremen - Nun ist raus, warum Frank Baumann in der Personalie Max Kruse immer so entspannt war und in diesem Sommer keinen überraschenden Wechsel befürchtete.
Der Werder-Sportchef hatte einfach rechtzeitig vorgesorgt und dem absoluten Leistungsträger im Team die Ausstiegsklausel abgekauft. Nach Informationen der DeichStube für 300.000 Euro – und nicht wie anderswo berichtet für drei Millionen Euro.
Es ist eine Summe, die angesichts der Beträge, die mittlerweile im Fußball gezahlt werden, sehr bescheiden wirkt. Vermutlich ist sie auch nicht das Ergebnis eines langen Pokers, sondern mehr wie ein Handschlag unter zweien, die sich sowieso einig waren: einem Spieler, der nicht weg will, und einem Verein, der nicht abgeben möchte. Werder ist durch die neue Vereinbarung nun auch für den kommenden Winter und den nächsten Sommer abgesichert. Angeschoben wurde in den Gesprächen mit Kruse und dessen Management auch schon eine Vertragsverlängerung. Der aktuelle Kontrakt läuft bis 2019.
Nun entscheidet allein Werder über Angebote
Baumann schweigt bei diesem Thema. „Zu Vertragsinhalten äußere ich mich grundsätzlich nicht“, wiederholt der Sportchef seine Standardaussage. Er kann sich im Fall Kruse zufrieden zurücklehnen. Nach der starken Rückrunde des Ex-Nationalspielers war damit gerechnet worden, dass der eine oder andere Club die Gunst der Stunde nutzen könnte. Denn Kruse wäre für eine festgeschriebene Ablösesumme zu haben gewesen. Für 12,5 oder 15 Millionen Euro, dazu gab es unterschiedliche Informationen. Nicht zu viel für einen der besten Bundesligaspieler der vergangenen Saison, für den Werder im vergangenen Sommer 7,5 Millionen Euro an den VfL Wolfsburg überwiesen hatte. Doch bei der Verpflichtung hatte Baumann diese Kröte schlucken müssen, um den Ausnahmespieler überhaupt zu bekommen.
Kruse wurde nach überstandener Knieverletzung zu der prägenden Figur, die sich Werder erhofft hatte. Um den 29-Jährigen will der Club dauerhaft eine Mannschaft aufbauen, die sich wieder für das internationale Geschäft qualifiziert. Umso wichtiger war es, die Klausel zu eliminieren, um das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand zu bekommen. Nun entscheidet allein Werder, wann ein Angebot so unmoralisch ist, dass Kruse doch vorzeitig gehen darf.
300.000 Euro als Leistungs- und Treuebonus
Zu teuer durfte diese Maßnahme aber auch nicht werden. Zum einen hat Werder gar nicht das Geld dafür, zum anderen würde eine zu hohe Einmalzahlung das Gehaltsgefüge sprengen und damit den Teamgeist in Gefahr bringen. Abgesehen davon wäre eine Millionen-Zahlung für die Klausel wirtschaftlich gesehen ziemlich riskant. Wer sagt denn, dass Kruse im nächsten Sommer mit dann 30 Jahren und einer restlichen Vertragslaufzeit von nur noch einer Spielzeit überhaupt so viel mehr einbringen würde als die festgeschrieben Ablösesumme?
Die 300.000 Euro kann Werder dagegen auch als Leistungs- und Treuebonus für Kruse verbuchen. Nach 15 Toren und sieben Assists ist das durchaus angemessen. Der Angreifer dürfte dies als besondere Wertschätzung verstehen und sich dem Club noch verbundener fühlen. Er selbst hatte sich in einem persönlichen Video klar dazu geäußert. „Ich habe nie das Interesse verkündet, dass ich den Verein verlassen will oder dass ich mich hier nicht wohlfühle“, verkündete er Ende Juli und versicherte den Fans: „Ich kann euch beruhigen, es gibt keine Ausstiegsklausel bis zum 31. Juli.“ Baumann hatte schließlich vorgesorgt.
Max Kruse: Seine Karriere in Bildern



