Werders aktuelle Lage

„Wir stellen jetzt keine Rechenspiele an“: Erlebt Werder einen schwungvollen März oder bläst der Wind bald wieder von vorn?

Duelle gegen die direkte Konkurrenz: Werder Bremen steht vor richtungsweisenden Wochen - so ist die Lage beim SVW im Bundesliga-Abstiegskampf!

Es waren nicht viele Zaungäste, die am Donnerstagmorgen das Training des SV Werder Bremen verfolgen wollten, aber dafür war das Erstaunen bei ihnen letztlich umso größer. Während die Sonne angenehm vom Himmel strahlte und ein paar kleine Pläuschchen geführt wurden, waren die Spieler plötzlich verschwunden. Nach nicht einmal einer halben Stunde. Aus der zuvor als öffentlich angekündigten Einheit, die nicht mehr als das Warmmachprogramm und einige Passübungen bot, war eine geheime geworden. Im Stadion „Platz 11“ wurde fortan hinter verschlossenen Türen an Details gearbeitet, die der Mannschaft beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Union Berlin (Sonntag, 17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) helfen sollen. Denn der jüngste Erfolg gegen Heidenheim hat zwar merklich die Stimmung gehoben, aber nicht den Blick aufs Wesentliche vernebelt. Den Abstiegskampf.

Der SV Werder Bremen feierte gegen den 1. FC Heidenheim einen wichtigen Sieg, muss in den anstehenden direkten Duellen gegen die Bundesliga-Konkurrenz im Abstiegskampf aber unbedingt nachlegen.

Werder Bremens Clemens Fritz über den Sieg gegen den 1. FC Heidenheim: „Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt für uns“

„Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt für uns“, sagt Clemens Fritz als Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen im Gespräch mit der DeichStube. „Die Situation wird trotzdem bis zum Ende herausfordernd bleiben. Für uns gilt es, weiter intensiv zu arbeiten, da wir nichts haben, worauf wir uns ausruhen können.“ Die Bremer liegen aktuell auf dem Relegationsrang, das Polster auf den Tabellenvorletzten VfL Wolfsburg beträgt lediglich zwei Zähler. Immerhin: Da der Hamburger SV unter der Woche sein Nachholspiel gegen Leverkusen verlor (0:1), beläuft sich der Abstand zu Rang elf, auf dem der Club von der Elbe derzeit beheimatet ist, weiterhin auf nur vier Pünktchen. Nicht viel, aber auch die müssen erst einmal aufgeholt werden. „Wir stellen jetzt keine Rechenspiele an“, betont Fritz vorsorglich, „sondern fokussieren uns auf die nächste Aufgabe in Berlin, wollen dort unsere bestmögliche Leistung abrufen und punkten.“

Ganz ähnlich argumentiert Trainer Daniel Thioune. „Wir haben Mannschaften um uns herum, auf die wir in den nächsten Wochen treffen werden. Die gilt es zu schlagen, wenn man sich von dem Tabellenplatz, auf dem wir gerade sind, lösen will“, sagt der Chefcoach des SV Werder Bremen. Im Anschluss an die Reise zum 1. FC Union Berlin folgen noch Begegnungen mit Mainz und Wolfsburg. Die US-amerikanische Schriftstellerin Emiliy Dickinson erklärte den März einst zum „Monat der Erwartung. Dinge, die wir noch nicht kennen, kündigen sich an“. Auf den Fußball und Werder übertragen lässt sich daraus sowohl Chance als auch Bedrohung ablesen – was den sportlichen Ist-Zustand des Bundesligisten vor diesen Wochen ganz treffend auf den Punkt bringt.

Werder Bremens Daniel Thioune: „Durch den Sieg ist bei mir keine Euphorie entstanden, sondern eine Erwartungshaltung“

Aus dem Schwung des Heidenheim-Spiels muss Werder Bremen erst einmal brauchbaren Rückenwind generieren – sonst bläst der Sturm auch schnell wieder unangenehm ins eigene Gesicht. Clemens Fritz jedenfalls baut darauf, dass die Mannschaft „wieder mehr Zuversicht, Selbstvertrauen und Mut“ mitnimmt als in den Wochen zuvor. Daniel Thioune betont indes: „Ich weiß, dass es eine Aufgabe bis zum Schluss wird. Deswegen ist bei mir durch den Sieg keine Euphorie entstanden, sondern eine Erwartungshaltung. Das ist jetzt der Gradmesser.“

Die allgemeine Vorsicht ist nur zu verständlich. Zu verkorkst waren die Monate zuvor, zu angeschlagen der jüngste Gegner. Zwar musste auch der erst einmal bezwungen werden, doch der Sieg allein taugte nicht dazu, um alle Sorgen zu zerstreuen. Den Beweis einer Nachhaltigkeit müssen Spieler und Trainer erst noch erbringen. „Wir müssen in jeder Situation wach sein“, fordert beispielsweise Abwehrspieler Niklas Stark mit Blick auf die nahende Prüfung beim 1. FC Union Berlin „Sie spielen gerne über die Außen und bringen Flanken ins Zentrum. Wenn du da nicht bei 100 Prozent bist, kann es schwierig werden. Auch die Absicherung aufgrund der schnellen Leute ist wichtig.“ Hört sich erneut nach reichlich Arbeit an, die den Bremern ins Haus steht. „Dennoch wollen wir unser Spiel durchbringen und drei Punkte holen“, sagt Stark. „Alles andere ist nebensächlich.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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