Werder-Transfer-News
Acht Wochen Achtsamkeit: Am Dienstag öffnet offiziell der Transfermarkt – als einziger Bundesligist hat Werder noch keinen Neuzugang
Als einziger Bundesliga-Verein ist der SV Werder Bremen noch ohne Neuzugang: Wie der SVW den Transfer-Sommer plant und welche Rolle Neu-Coach Horst Steffen spielt!
Bremen – Eine kleine Meldung war es nur, am vergangenen Mittwoch machte sie im deutschen Fußball die Runde: Der 1. FC Heidenheim hat den 19-jährigen Arijon Ibrahimovic für ein Jahr vom FC Bayern München ausgeliehen. Trotz des klangvollen Nachnamens taugte die Nachricht nicht für die ganz großen Schlagzeilen, von Bedeutung war der Wechsel dennoch. Denn nun ist der SV Werder Bremen tatsächlich der einzige Bundesligist, der in diesem Sommer noch keinen Neuzugang verpflichtet hat. Am 1. Juli öffnet ganz offiziell der Transfermarkt, bis zum 1. September können die Clubs personell nachbessern. Und Werder hat fraglos Bedarf, was nicht nur viele Fans so sehen, sondern sich auch mit den vereinsinternen Überlegungen deckt. So wird nach Informationen der DeichStube ein weiterer Innenverteidiger gesucht, auch nach Verstärkungen für die Außenbahn, die Zehnerposition und den Sturm halten die Bremer Ausschau.
Neu-Trainer Horst Steffen will sich erst ein Bild vom Kader des SV Werder Bremen machen - dann könnten Transfers folgen
Innerhalb von zwei Monaten kann bekanntlich noch eine ganze Menge passieren. Und Werder Bremen ist in den vergangenen Jahren ohnehin regelmäßig dadurch aufgefallen, bevorzugt im Transfer-Endspurt tätig zu werden. In diesem Zusammenhang wird dann gern von ominösen Türen gesprochen, die irgendwo urplötzlich nochmal aufgegangen sind. Das klappte mal besser (Serge Gnabry, Mitchell Weiser, Leonardo Bittencourt), mal ordentlich (Derrick Köhn) und mal weniger gut (André Silva, Maximilian Philipp, Issa Kaboré). Kurzum: Das Risiko schwingt bei solchen Verpflichtungen immer mit. Ob derartige Last-Minute-Lösungen wirklich aufgehen, kann nie garantiert werden. Wie jedoch auch bei zeitigeren Transfers nicht. In der Vorsaison schuf Werder schneller Fakten, sicherte sich früh die Offensivakteure Marco Grüll sowie Keke Topp und holte Skelly Alvero nach einer vorherigen Leihe fest an die Weser. Ein Stammspieler ging aus diesem Trio nicht hervor – zwölf Monate später regiert die Hoffnung, dass bei den Profis unter Neu-Coach Horst Steffen nachhaltigere Impulse möglich sind.
Und überhaupt Horst Steffen. Der 56-Jährige ist kein unwesentlicher Faktor beim Blick auf die bisherige Transfer-Ebbe beim SV Werder Bremen. Der Ex-Elversberger macht sich seit seiner Vertragsunterschrift an der Weser ein intensives Bild vom Bremer Kader, per Videoanalyse. Tiefergehende Erkenntnisse will er ab dem offiziellen Trainingsstart am kommenden Montag sammeln. Hebt oder senkt Steffen danach bei gewissen Spielern den Daumen, werden die Planungen bei Zu- und Abgängen konkreter.
Werder Bremens Peter Niemeyer: „Wir sind handlungsfähig und haben keinen Druck, vorher verkaufen zu müssen“
Aber auch so betonen die Verantwortlichen des SV Werder Bremen regelmäßig, bestens vorbereitet zu sein. Fußball-Chef Clemens Fritz spricht gern von einem „Schattenteam“, das existiere und in dem sich jene potenziellen Zugänge befinden, die künftig eine gewichtige Rolle spielen könnten. Steffens Vorgänger Ole Werner hatte das Warten auf eine entsprechende Umsetzung allerdings mitunter zu lange gedauert. Im DeichStube-Interview hatte der jetzige Trainer von RB Leipzig kurz nach dem Saisonende und seinem Aus am Osterdeich deutlich kritisiert: „Wenn wir von einem Spieler wirklich überzeugt sind, können wir in der internen Abstimmung noch klarer werden und es schneller durchziehen.“
Am Geld soll es nach offizieller Sprachregelung nicht scheitern – auch wenn mögliche Abgänge von Stammkräften wie Romano Schmid (Marktwert: 17 Millionen Euro), Jens Stage (Marktwert: 14 Millionen Euro) oder Senne Lynen (Marktwert: neun Millionen Euro) gutes Geld in die Kasse spülen würden. Aber zwingend notwendig seien sie nicht, um selbst zuschlagen zu können. „Wir sind handlungsfähig und haben keinen Druck, vorher verkaufen zu müssen“, betonte Peter Niemeyer als Leiter Profifußball des SV Werder Bremen unlängst in der „Bild“ noch einmal.
Werder Bremen spart durch Milos Veljkovic, Anthony Jung und Oliver Burke zwar Gehälter ein, erhielt aber keine Ablöse
Aber klar ist auch: Wenn Werder Bremen höhere Summen ausgibt, dann müssen die Transfers dieses Mal auch sitzen. Im Verlauf der vergangenen beiden Jahre leisteten sich die Grün-Weißen etwa neben erwähntem Alvero (4,75 Millionen Euro) auch Olivier Deman (vier Millionen Euro) und Julian Malatini (zwei Millionen Euro). Unter dem Strich ergeben sich daraus mehr als zehn Millionen Euro, die nicht den gewünschten sportlichen Ertrag bescherten – zumal Werder bekanntlich im Vorsommer bewusst darauf verzichtete, Leistungsträger abzugeben und Gelder durch Verkäufe einzustreichen. Auch das muss erst einmal finanziert sein.
Und nun? Gibt es zwar die Bereitschaft, aber noch nicht die passenden Offerten, mit denen sich die Entscheider ernsthaft beschäftigen müssten. Derweil haben Milos Veljkovic, Anthony Jung und Oliver Burke zwar den Verein verlassen – jedoch allesamt ablösefrei. Ein paar gesparte Gehälter, aber keine klassischen Einnahmen. Auch der fehlende Einfluss des Trios aufs Bremer Spiel und das Kabinenleben muss erst einmal kompensiert werden. Noch ist für all das genügend Zeit. Aber für Werder Bremen wird es trotzdem auf das richtige Timing ankommen. Es dürften intensive acht Wochen werden, die dem Verein bevorstehen. (mbü)
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