Werder-Profi spricht in Medienrunde
Zurück zur Normalität: Werder-Verteidiger Pieper will endlich wieder über Fußball und nicht über seine Gesundheit sprechen
Vor dem Auswärtsspiel des SV Werder Bremen bei der TSG Hoffenheim (Sonntag, 17.30 Uhr) spricht Amos Pieper in einer Medienrunde über sein Comeback, das Verletzungspech in den vergangenen Monaten sowie den Bremer Saisonstart und die Saisonziele.
Bremen – Den Glauben an sich selbst hat Amos Pieper nicht verloren. Daran hat auch eine immer dicker werdende Krankenakte während des vergangenen Jahres nichts geändert. Drei schwere Verletzungen hatte der Verteidiger des SV Werder Bremen erst zu meistern, dann verbaute ihm eine Muskelblessur auch noch einen ganz normalen Start in die laufende Saison. Erst während Werders jüngster 0:5-Abreibung gegen den FC Bayern München kehrte der 26-Jährige zurück und war 79 Minuten hautnah dabei, als seine Mannschaft chancenlos agierte. Und bei all dem Frust über die Schlappe gab es eben auch die Freude über das Comeback. „Für meine persönliche Story war es ganz gut, mal wieder fast ein komplettes Spiel zu spielen“, sagte Pieper am Mittwoch während einer Medienrunde. „Es war es auch sehr schön, dass im Nachgang nicht irgendwelche Wehwehchen aufgetreten sind. Ganz tief in mir habe ich daran aber auch nicht gezweifelt.“
Werder Bremens Amos Pieper: „Die ersten drei Verletzungen waren jeweils gut zu erklären“
Keine Frage, angenehm war die lange Leidenszeit nicht. Doch Amos Pieper hält nichts davon, sich mehr als nötig mit dem Erlebten zu beschäftigen oder gar mit dem Schicksal zu hadern. „Die ersten drei Verletzungen waren jeweils gut zu erklären. Die Muskelgeschichte war dann einfach extrem ärgerlich, weil es gar nicht zu dem gepasst hat, wie ich mich gefühlt habe“, schilderte der Verteidiger des SV Werder Bremen. „Ohne meine Vorgeschichte hätte man vielleicht auch einfach gesagt, dass so etwas eben passiert. Weil es dann aber gerade mich getroffen hat, gab es wahrscheinlich schneller den Gedanken, dass ausgerechnet ich jetzt schon wieder was habe.“
Er selbst fokussierte sich indes auf den Fußball-Alltag beim SV Werder Bremen und verzichtete auf den Blick in den gesundheitlichen Rückspiegel. „Wenn man die ganze Verletzungsakte beiseitelegt, geht es am Ende um die sportliche Leistung und darum, Spiele zu gewinnen“, hob Amos Pieper hervor. „Gott sei Dank geht es jetzt auch bei mir wieder darum, solch ein Spiel zu bewerten. Und dann erschüttert mich solch eine Partie von uns gegen die Bayern natürlich auch. Es ist mir aber lieber, dass wir uns wieder darüber unterhalten können als darüber, wie es mir geht.“
Werder Bremens Amos Pieper über Hoffenheim: „Ich gehe positiv in dieses Spiel, weil ich weiß, was die Mannschaft davor geleistet hat“
Am kommenden Sonntag haben Amos Pieper und all die anderen Profis des SV Werder Bremen Gelegenheit dazu, die Bayern-Schmach ein wenig aus dem kollektiven Gedächtnis zu hieven. Mit einer guten Darbietung und einem etwaigen Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) wäre das Team wieder auf Kurs. Und der Abwehrmann ist zuversichtlich. „Ich gehe komplett positiv in dieses Spiel, weil ich weiß, was die Mannschaft davor geleistet hat“, sagte Pieper. „Man kann ein Spiel wie gegen die Bayern nicht komplett beiseiteschieben, aber man kann es irgendwann abhaken. Und der Trainer hat schon gut gesagt, dass wir uns darauf besinnen müssen, was in den Wochen zuvor war und welches Bild wir da als Mannschaft abgegeben haben.“ Sein erster Eindruck nach den freien Tagen sei jedenfalls, dass „alle richtig Bock auf die Trainingswoche und das Spiel gegen Hoffenheim haben“.
Werder Bremens Amos Pieper: „Wir haben die Bayern schlichtweg viel zu wenig aus den gefährlichen Bereichen heraushalten können“
Diese Leidenschaft schien zuletzt gegen den übermächtigen Rekordmeister etwas abhandengekommen zu sein. Fans und Medien wunderten sich nach der Begegnungen gleichermaßen, warum die Bremer Elf letztlich nur vier Fouls und schon gar keine Gelbe Karte produziert hatte. „Ich habe das auch gelesen. Wenn wir 23 Fouls und acht Gelbe Karten gehabt, aber trotzdem 0:5 verloren hätten, wäre die Statistik allerdings auch hinfällig gewesen“, entgegnet der Defensivakteur des SV Werder Bremen. „Wir haben die Bayern schlichtweg viel zu wenig aus den gefährlichen Bereichen heraushalten können. Ich selbst hatte deshalb ganz viele Situationen erst im Sechzehner – und da wären Fouls dann einfach dumm. Und den Bayern ständig Freistöße aus 20, 25 Metern zu schenken, ist auch nicht die cleverste Art.“ Für Amos Pieper ist das Thema deshalb abgehakt. „Ich kann verstehen, dass man bei solchen Zahlen hinterher sagt, dass jegliche Form von Biss fehlt“, sagte er, „aber diesen Eindruck hatte ich auf dem Platz nicht immer“. Aber manchmal wohl eben doch.
Nichtsdestotrotz: Nun geht es um die richtige Reaktion. „Jeder hat genügend Ansatzpunkte nach solch einem Spiel, die er besser machen kann – und ich bin mir sicher, dass jeder in den Tagen danach darüber genau nachgedacht hat“, sagte Pieper. Nun komme es auf die passende Umsetzung an. Schließlich will der SV Werder Bremen schnellstmöglich wieder punkten. Am liebsten schon gegen die TSG Hoffenheim. Und vielleicht wieder mit Amos Pieper in der Startelf, sofern dieser erneut das interne Duell mit Julian Malatini für sich entscheidet. „Ich war länger nicht dabei und habe mich gefreut, das Vertrauen von Beginn an geschenkt bekommen zu haben. Alles andere müssen andere beurteilen“, sagte er. „Das Spiel geht hier so seit zwei Jahren, dass immer wieder neue Konstellationen in der Dreierkette auftauchen, wir uns aber auch alle aufeinander verlassen können.“ Und auf Amos Pieper seit der ausgestandenen Verletzung jetzt wieder noch ein wenig mehr. (mbü)