0:5-Klatsche gegen den FCB

Erst schämen, dann vergessen: Werder und das Bayern-Desaster

Des einen Freud, des anderen Leid
: Harry Kane und der FC Bayern haben Michael Zetterer und den SV Werder Bremen mit 5:0 abgeschossen und nicht den Hauch einer Chance gelassen.
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Des einen Freud, des anderen Leid : Harry Kane und der FC Bayern haben Michael Zetterer und den SV Werder Bremen mit 5:0 abgeschossen und nicht den Hauch einer Chance gelassen.

Chancenlos und phasenweise wehrlos: Der SV Werder Bremen hat beim 0:5 gegen den FC Bayern ein echtes Heim-Desaster erlebt. Wie die Grün-Weißen jetzt mit der bitteren Pleite umgehen - der Nachbericht der DeichStube.

Bremen – Das Beste vorweg: Der SV Werder Bremen muss sich erst in vier Monaten wieder vor dem FC Bayern München fürchten, es sei denn vor dem Bundesliga-Rückspiel kommt es noch zu einem Wiedersehen im DFB-Pokal, aber selbst das wäre erst in gut zehn Wochen. „Wir spielen nicht alle Tage gegen die Bayern, es kommen auch wieder andere Mannschaften“, richtete Werder-Coach Ole Werner den Blick schon wieder nach vorne: „Da gilt es uns an den Dingen zu orientieren, die wir über einen langen Zeitraum sehr, sehr gut gemacht haben.“ Damit war ausdrücklich nicht die gerade erlebte 0:5-Heimklatsche gegen die Bayern gemeint gewesen, für diesen Auftritt schämten sich die Bremer – bei aller Wertschätzung für die starke Leistung des Gegners.

Werder Bremen schämt sich für chancenlosen Auftritt beim Heimdebakel gegen den FC Bayern

„Die Bayern haben ihre brutale Qualität unter Beweis gestellt. Normalerweise schaffen wir es immerhin, dass sie ins Überlegen kommen, aber heute hat bei ihnen sehr vieles funktioniert. Dann ist es schwer, das zu verteidigen. Wir sind heute unter die Räder gekommen“, seufzte Ersatz-Kapitän Niklas Stark und sparte nicht mit Kritik am eigenen Auftritt: „Man muss auch mal ein Eins-gegen-eins gewinnen, um in die richtige Stimmung zu kommen. Es war heute ein schwieriges Spiel, nicht nur fußballerisch, sondern auch für den Kopf, immer wieder die Motivation zu haben, weiterzuspielen und die nötigen Wege zu gehen.“ Denn der SV Werder Bremen war von Anfang an mit dem Gegner überfordert.

Der Plan, etwas tiefer zu stehen, um dann bei Ballgewinn schnell umzuschalten, ging überhaupt nicht auf, weil im Spiel nach vorne gar nichts klappte. Das lag zum einen am aufmerksamen FC Bayern München, zum anderen an fehlerhaften Bremern. Ganz klar eine Qualitätsfrage, was beim Blick auf die Kader nun wirklich keine Überraschung war. Werner sprach von „einem Klassenunterschied“ und untertrieb damit sogar noch. Denn weil seinem Team Biss und Mumm fehlten, war der Abstand sogar noch größer. Hatten Holstein Kiel (1:6) und Dinamo Zagreb (2:9) bei ihren Klatschen in den vergangenen Tagen wenigstens noch eigene Akzente setzten können, gelang Werder Bremen nicht einmal das. Null Torschüsse lautete die traurige Bilanz, die dieses Spiel aus grün-weißer Sicht fast unerträglich machte.

Werder Bremen stöhnt nach Debakel gegen überlegenen FC Bayern: „Der Sieg war hochverdient“

„Wir haben gar keine Entlastung geschafft und konnten keine Konter kreieren. Der Sieg war hochverdient“, stöhnte Mitchell Weiser. Dessen Ballverlust hatte in der 23. Minute das Unheil eingeleitet. Michael Olise besorgte das 1:0. Jamal Musiala ließ schon bald das 2:0 folgen (32.), nachdem Olise die Werder-Abwehr schwindelig gespielt hatte. 10:0 Schüsse, 2:0 Tore, 76 Prozent Ballbesitz – der FC Bayern war in den ersten 45 Minuten unglaublich überlegen oder anders gesagt: Werder Bremen lief nur hinterher und war dabei nicht einmal schnell genug, um über Fouls in die Partie zu kommen. Im gesamten Duell kassierten die Gastgeber keine einzige Gelbe Karte. Auch da machte sich das Fehlen von Marco Friedl (Rotsperre) bemerkbar, der gerne mal ein Zeichen setzt und die Mannschaft mitreißen kann.

Immerhin gaben die Bremer nach der Pause ein Lebenszeichen ab. Werner hatte ungewohnt hart eingegriffen und ausgerechnet den sonst so unantastbaren Marvin Ducksch ausgewechselt – genauso wie Marco Grüll. Es kamen Keke Topp und Derrick Köhn, für den Weiser nach vorne rutschte. Eine Premiere, die kurz funktionierte, weil endlich mehr Tempo im Bremer Spiel war. Doch nach einem Fehlpass von Romano Schmid erhöhte Harry Kane auf 3:0 – und Werder Bremen war endgültig geschlagen. Es ging nur noch darum, nicht völlig unterzugehen, was nur bedingt gelang. Olise (60.) und der Ex-Bremer Serge Gnabry (65.) schraubten das Ergebnis auf 5:0. Werder-Keeper Michael Zetterer verhinderte sogar noch Schlimmeres.

Ernüchtertes Werder Bremen will Debakel gegen FC Bayern schnell vergessen: „Dürfen es nicht zu nah an uns heranlassen“

Es tat aber auch so schon genug weh. Denn nach saisonübergreifend neun Pflichtspielen ohne Niederlage und dem 1:0-Coup gegen die Bayern aus dem Januar im Kopf waren die Bremer selbstbewusst in diese Partie gegangen und mussten schließlich feststellen. „Wir waren chancenlos.“ Weiser war das sichtlich unangenehm, schließlich hatte er vor der Partie mit einem flotten Spruch („Wenn die Bayern neun Tore machen, dann machen wir zehn“) die gute Stimmung in seinem Team verdeutlicht. Als Trost blieb ihm nun nur ein großes Lob für seinen Ex-Club: „Es war brutal, was die Bayern auf den Platz gebracht haben. Das war eine Nummer zu groß für uns.“ Doch der erfahrene Profi mahnte zugleich: „Wir dürfen es nicht zu hoch hängen und zu nah an uns heranlassen. Es war ein Spiel gegen die Bayern.“

Das Desaster soll ganz schnell abgehakt werden, um am nächsten Sonntag bei der TSG 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr) wieder das andere Werder-Gesicht zu zeigen. Dann sollte wieder gepunktet werden, damit die Bremer nicht auch in der Tabelle schlecht aussehen. Mit fünf Punkten aus vier Partien liegt das Team aktuell noch voll im Soll. (kni)

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