Werder in der Taktik-Analyse

Stark angefangen, stark nachgelassen - alte Fehler sind zurück: Werders Heimniederlage gegen Hoffenheim in der Taktik-Analyse

Das Spiel gegen die TSG Hoffenheim war ein Rückschlag für Trainer Ole Werner: Werder Bremen zeigt Schwächen, die eigentlich abgestellt schienen.
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Das Spiel gegen die TSG Hoffenheim war ein Rückschlag für Trainer Ole Werner: Werder Bremen zeigt Schwächen, die eigentlich abgestellt schienen.

Werder Bremen offenbart gegen die TSG Hoffenheim Schwächen, die längst überwunden schienen. Vor allem das aggressive Pressing des Gegners machte Werder zu schaffen. Warum Werder gerade nach Ballverlusten Lücken offenbarte, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Besuche im Weserstadion lohnen sich für Werder-Fans in dieser Saison nur bedingt. Werder Bremen hat in dieser Saison auswärts mehr Punkte geholt als zu Hause. Das gelang sonst nur dem VfL Wolfsburg und dem FC St. Pauli. Die 1:3-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim war für Bremer Anhänger noch aus einem weiteren Grund frustrierend: Werder offenbarte alte Mängel, die Trainer Ole Werner längst abgestellt hatte.

Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim in der Taktik-Analyse: Mannorientierungen auf beiden Seiten

Bei der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern München musste Werner seine Mannschaft auf mehreren Positionen umbauen. Gegen die TSG Hoffenheim kehrten Niklas Stark und Romano Schmid in die Startelf zurück. Top-Torjäger Jens Stage hingegen fiel aus, für ihn begann Leonardo Bittencourt. Auf Linksaußen bekam Issa Kaboré die Chance, sich in der Startelf zu beweisen. Werder Bremen begann in der altbekannten Mischung aus 5-2-3- und 5-3-2-System.

TSG-Trainer Christian Ilzer stand nach dem 0:4-Debakel gegen Union Berlin unter Druck. Er stellte seine Startelf auf fünf Positionen um. Hoffenheim stellte sich in einem nominellen 4-2-3-1-System auf. Die Hoffenheimer verteidigten jedoch asymmetrisch: Linksaußen Marius Bülter rückte vor, während sich Rechtsaußen Tom Bischof zurückhielt. So lief Hoffenheim Werder Bremen im 4-3-3 an. So konnte Hoffenheim die drei Bremer Innenverteidiger mit drei Angreifern anlaufen.

Auch Werder Bremen agierte gewohnt mannorientiert. Romano Schmid ließ sich gegen den Ball ins Mittelfeld zurückfallen. Zusammen mit Bittencourt und Senne Lynen deckte er das Hoffenheimer Dreier-Mittelfeld. Da beide Teams nah am Mann verteidigten, entstanden zahllose direkte Zweikämpfe. Besonders das Mittelfeld war hart umkämpft.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen TSG Hoffenheim: SVW dominiert zunächst und geht in Führung

In der Anfangsviertelstunde dominierte Werder Bremen die Partie noch. Hoffenheim zog sich im 4-2-3-1 etwas weiter zurück. Nur selten wagten sie sich im 4-3-3 ins hohe Pressing. Werder konnte das Spiel aus der Abwehr in Ruhe aufbauen. Sie versuchten, Hoffenheim ins hohe Pressing zu locken.

Sobald die TSG Hoffenheim herausrückte, setzte Werder auf die bekannten Mechanismen im Ballbesitz. Die Außenverteidiger spielten den Ball meist direkt zu den Stürmern. Marvin Ducksch kam dazu häufig dem Ball entgegen. Alternativ versuchte Werder, das Spiel direkt auf die andere Seite zu verlagern. Von dort flankte Werder routiniert an den zweiten Pfosten. Auf diese Art kamen sie früh zum Führungstreffer, einem Eigentor von Stanley Nsoki sei Dank (7.).

Die Grafik zeigt Hoffenheims Pressing. Die Hoffenheimer formten ihr nominelles 4-2-3-1 zu einem 4-3-3 um. Sie lenkten den Aufbau dabei auf Werders linke Seite. Bischof schob hier erst später nach, um Kabore unter Druck zu setzen. Vor den ersten beiden Gegentoren eroberte Hoffenheim hier den Ball. Anschließend kombinierten sie sich flach ins Zentrum.

Taktikanalyse zu Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim: Offener Raum vor der Abwehr - zwei Gegentore nach demselben Muster

Der frühe Treffer bot Werder Bremen die Chance, die Partie zunächst zu beruhigen. Zugleich fungierte er aber auch als Weckruf für den Gegner. Hoffenheim streifte die Passivität der ersten Minuten ab. Fortan setzten sie jenes hohe Pressing um, das sie in den ersten Minuten nur angedeutet hatten. Dann kam ihre Asymmetrie vollends zur Geltung: Bülter lenkte das Spiel durch sein hohes Anlaufen von Werders rechter Seite weg. Hoffenheim lud die Bremer ein, das Spiel über die linke Seite zu eröffnen. Das tat Werder auch – jedoch mit verheerenden Folgen. Kaboré spielte hier nicht den direkten Ball in die Spitze, sondern wagte sich ins Dribbling. Auch Anthony Jung spielte mehrere riskante Bälle in den Halbraum, anstatt direkt den Pass in die Spitze zu suchen. Hoffenheim kam so auf dieser Seite zu leichten Balleroberungen.

Werders Ballverluste wären verschmerzbar gewesen – hätten die Bremer passend auf diese reagiert. Werders Abwehr verpasste es jedoch, im Gegenpressing aktiv nach vorne zu verteidigen. Stattdessen tat sich ein Widerspruch auf: Werders Mittelfeld rückte aggressiv zum Ball, die Abwehr hielt sich zurück. So öffnete sich der Raum vor Bremens Abwehr. Die TSG Hoffenheim konnte gleich zwei Treffer nach demselben Muster erzielen: Balleroberung auf Werders linker Seite, flache Kombination ins Zentrum, Abschluss vom Sechzehner. Werders Innenverteidiger kamen in diesen Situationen die berühmt-berüchtigte Sekunde zu spät.

Werder Bremen-Taktikanalyse gegen TSG Hoffenheim: Kurzes Aufbäumen nach der Pause - ohne Torgefahr

In dieser Phase funktionierte wenig in Werders Spiel. Weder konnten die Stürmer Bälle festmachen noch gelang es den Bremern, das Spiel flach aus der eigenen Hälfte zu eröffnen. Werder Bremen fand zudem keine Antwort auf Hoffenheims Überladungen: Wenn Bischof ins Zentrum zog oder Andrej Kramaric auf den Flügel auswich, stand der nächste Bremer häufig weit entfernt.

Zur Pause reagierte Werner: Er wechselte gleich dreifach. Vor allem die Einwechslung von Derrick Köhn (für Kaboré) belebte das Bremer Spiel. Während Kaboré zuvor häufig das statische Dribbling gesucht hatte, agierte Köhn zielstrebiger. Wenn er den Ball bekam, legte er sich ihn sofort vor und schlug eine Hereingabe. So kam Werder Bremen vermehrt zu Angriffen über die linke Seite. Jedoch blieb die Torgefahr weitestgehend aus. Von den insgesamt 26 Flanken kamen nur vier an. Zugleich blieb Werder im Aufbau zu fehlerhaft. Auch der eingewechselte André Silva (für Ducksch) konnte die Bälle in die Spitze nicht festmachen. Nach einem weiteren Fehlpass im Aufbau erzielte die TSG Hoffenheim das 3:1. Damit erstickten sie Werders Aufholjagd im Keim.

Werder Bremen-Niederlage analysiert: TSG Hoffenheim-Matchplan geht auf - Alte Schwäche ist zurück

Erst in der Schlussphase kam Werder Bremen wieder vermehrt zu Chancen. Werner stellte in den Schlussminuten auf ein totaloffensives 3-3-4 um. Ilzer konterte mit einer Umstellung auf eine Fünferkette. Die TSG Hoffenheim fühlte sich in der tiefen Verteidigung jedoch nicht wohl. Gerade nach halbhohen Hereingaben von links kam Werder zu Chancen.

Dass Werder Bremen die Hälfte seiner Schüsse in der Schlussviertelstunde abgab, spricht indes Bände. Hoffenheim dominierte das Spiel über weite Strecken. Ilzers Matchplan, Werders Aufbau zu Kaboré zu lenken, ging vollends auf. Dass Werder nach Ballverlusten pomadig agierte, ließ sich bereits in den vergangenen Wochen beobachten. Diese Schwäche hatte Werner in der Hinrunde eigentlich abgestellt – scheinbar. Mit Leistungen wie gegen Hoffenheim entfernt sich Werder immer weiter vom Traumziel Europa.

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