Werder gegen Bayern in der Taktik-Analyse

Chancenlos! Warum Werders Konter-Taktik gegen den FC Bayern nicht aufging

Auch die Taktik-Besprechung auf der Bremer Bank nützte nichts: Der SV Werder Bremen war beim FC Bayern München chancenlos.
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Auch die Taktik-Besprechung auf der Bremer Bank nützte nichts: Der SV Werder Bremen war beim FC Bayern München chancenlos.

Werder Bremen verliert in der Allianz Arena standesgemäß 0:3. Zeitweise wirkte die Partie gegen den FC Bayern München mehr wie ein Handballspiel: Werder verkroch sich vor dem eigenen Strafraum, die Bayern passten den Ball von links nach rechts und wieder zurück. Wieso der SVW die Abwehr kaum entlasten konnte, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

In der vergangenen Saison gelang Werder Bremen der erste Sieg in der Allianz Arena seit 15 Jahren. In dieser Spielzeit blieb Werder in beiden Partien gegen den FC Bayern München chancenlos – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Insgesamt zwei Schüsse gab Werder in 180 Minuten ab. Das 0:3 im Rückspiel war nach dem 0:5 im Hinspiel ein gnädiges Ergebnis: Nach Expected Goals hätten die Bayern am Freitagabend ebenfalls fünf Tore schießen können. Was macht Werder in dieser Saison gegen die Bayern falsch?

Werder Bremens Plan gegen den FC Bayern München: Konter über Justin Njinmah

Das Spiel stand bereits vor dem Anpfiff unter schlechten Vorzeichen: Werder Bremen musste nicht nur die gesperrten Verteidiger Marco Friedl und Niklas Stark ersetzen. Auch Romano Schmid fiel verletzt aus. Co-Trainer Patrick Kohlmann vertrat an der Seitenlinie den ebenfalls gesperrten Chefcoach Ole Werner.

Werder Bremen versuchte, die zahlreichen Ausfälle ohne zu viele Wechsel aufzufangen. In der Abwehr ergänzten Milos Veljkovic und Amos Pieper die Fünferkette. Marco Grüll startete nominell im halblinken Mittelfeld. Statt im gewohnten 5-2-3 verteidigten die Bremer dieses Mal in einem 5-3-2. So sollte das Zentrum gestärkt werden.

Offensiv hatte sich Werders Trainerteam einen klaren Plan zurechtgelegt: Nach Ballgewinnen sollte der Gegenstoß auf der halblinken Seite beginnen. Grüll schob hier nach vorne, während der zentrale Stürmer Marvin Ducksch sich fallenließ. So wollte Werder Bremen die Abwehr des FC Bayern aus dem Zentrum ziehen. Auf halbrechts wiederum startete Justin Njinmah sofort in die Tiefe. Er sollte den langsameren Min-jae Kim abhängen.

Der FC Bayern München hat gegen Werder Bremen die totale Dominanz – die Taktik-Analyse

Kompakt verteidigen, das Zentrum verdichten, schnell kontern: So lautete der Matchplan von Werder Bremen. In der Praxis ging er selten auf. Die Dominanz der Bayern war derart erdrückend, dass Werder nicht ins Spiel fand. Im Spielaufbau agierten die Bayern etwas abwartender als sonst: Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic ließen sich abwechselnd fallen. Sie erzeugten somit eine Drei-gegen-Zwei-Überzahl gegen Ducksch und Njinmah.

Aus diesem Aufbau heraus drückten die Bayern Werder nach und nach zurück. Immer wieder spielten die Gastgeber den Ball auf die Außen. Sobald Werder Bremen einige Meter weiter nach hinten verschob, folgte der Ball zurück ins Zentrum. Dort standen Kimmich und Pavlovic im Rückraum ungedeckt. Die Bayern spielten den Ball von links nach rechts und wieder zurück. Werder bekam kaum Zugriff. Schnell lag der Münchener Ballbesitzwert bei 75%. Dabei sollte er bis zum Ende des Spiels auch bleiben.

Taktik-Analyse: Werder Bremen findet keine Entlastung gegen den FC Bayern München

Werder Bremen gelang es nur selten, für Entlastung zu sorgen. Immer wieder scheiterten ihre Konteransätze bereits am Münchener Gegenpressing. Und wenn der flache Pass auf Ducksch kam, konnte er diesen nur selten verarbeiten.

Selbst im regulären Spielaufbau, etwa nach Abstößen oder Freistößen, war der Ball meist schnell wieder weg. Die Bayern stellten alle Anspielstationen mannorientiert zu. Im Hinspiel hatte Werder Bremen noch versucht, das Spiel trotz des hohen Pressings der Bayern flach zu eröffnen. Das ging beim 0:5 mächtig schief.

Dieses Mal griffen die Bremer sofort zum langen Ball zurück, wenn die Bayern in der gegnerischen Hälfte zum Zweikampf ansetzten. Diese langen Bälle gingen praktisch immer sofort wieder verloren. Auch aus diesem Grund konnten die Bayern ihren Ballbesitzwert derart in die Höhe schrauben.

Pleite in der Taktik-Analyse: Der FC Bayern München spielt Werder Bremen müde

In der ersten Halbzeit konnten die Bremer immerhin für sich verbuchen, gut verteidigt zu haben. Gerade auf den Flügeln waren sie sehr wachsam: Wenn Bayern-Rechtsverteidiger Sacha Boey weit aufrückte, ließ sich Grüll auf die linke Seite fallen. Werder Bremen verteidigte dann mit sechs Mann in der letzten Linie und der FC Bayern konnte den Ball nicht mehr in die Breite spielen.

Auch auf die typischen Münchener Positionswechsel hatte Werder Bremen eine Antwort. Wenn sich Jamal Musiala aus dem Zentrum in Richtung rechter Flügel schlich, ließ sich Senne Lynen fallen. Er stockte in diesen Situationen die Abwehrkette auf. So konnten die Verteidiger auch immer wieder mannorientiert herausrücken, wenn sie etwa Harry Kane verfolgten.

Nach der Pause entdeckte der Rekordmeister die Schwächen im Bremer Spielansatz. Sie zogen nun Grüll gezielt aus der letzten Linie heraus und spielten den Ball auf Werders linker Seite früher in die Tiefe. Auch fanden sie vom Flügel besser zurück ins Zentrum. Da Lynen und Grüll häufig tief verteidigten, konnten die Bayern den einfachen Querpass vom Flügel ins Zentrum spielen. Hier stand Kimmich häufig frei. So leitete er auch den Elfmeter vor dem 1:0 durch einen seiner typischen Chip-Pässe ein.

Die Grafik zeigt Werder Bremens tiefe Verteidigung. Grüll ließ sich immer wieder auf die linke Verteidiger-Position fallen. Auch Lynen stockte die Abwehr auf, etwa wenn Jung seinen Gegenspieler Harry Kane verfolgte. So wurde die Werder-Formation aber zu flach: Der FC Bayern fand im Rückraum stets den freien Kimmich.

Für Werder Bremen war beim FC Bayern München nichts zu holen – die Taktik-Analyse

Der Führungstreffer (56.) beendete das Spiel faktisch. Werder Bremen konnte sich nicht mehr aufbäumen. Die Mannschaft hatte nicht nur mit einem übermächtigen Gegner, sondern auch mit zwei frühen Verletzungen zu kämpfen. So konnte Neuzugang André Silva den ausgewechselten Njinmah (52.) nicht eins zu eins ersetzen. Er kam wie Ducksch dem Ball entgegen. Durch die Herausnahme von Njinmah und Jens Stage (verletzt raus in der 43.) fehlte ein Spielertyp, der die Tiefe attackiert.

So konnten die Bayern gegen müde werdende Bremer das Ergebnis genüsslich nach oben schrauben. Die zweite Halbzeit spielte sich fast nur noch in und um den Strafraum des SV Werder Bremen ab. Ob Werder wieder viele Jahre auf einen Sieg in der Allianz Arena warten muss? Bremens Spiele gegen den FC Bayern München in dieser Saison standen jedenfalls unter dem Motto: Das Imperium schlägt zurück!

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