Werder-Profi überzeugt als Innenverteidiger

Einmal mehr durchgesetzt: Anthony Jung behauptet sich bei Werder auch in dieser Saison – Vertragsverlängerung in Sicht

Anthony Jung zeigte gegen Augsburg seine wohl beste Saisonleistung im Trikot des SV Werder Bremen.
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Anthony Jung zeigte gegen Augsburg seine wohl beste Saisonleistung im Trikot des SV Werder Bremen.

Anthony Jung hat sich seit seinem Wechsel zum SV Werder Bremen als feste Größe in der Bremer Defensive etabliert, erst als Links-, nun als Innenverteidiger. Sollte Trainer Ole Werner weiter regelmäßig auf den 32-Jährigen setzen, hätte das Folgen für Jungs Vertrag.

Bremen – Erstmals aufgetaucht, so lässt es sich nachlesen, ist das Wort bereits im 14. Jahrhundert, dementsprechend wird es dem Frühneuhochdeutschen zugeordnet – und im Sprachgebrauch gehalten hat es sich bis heute. Mehr noch: Es hat im Laufe der Zeit sogar eine weitere Bedeutung dazugewonnen. War mit dem Begriff „Bollwerk“ ursprünglich eine Anlage gemeint, die zur Verteidigung einer Stadt oder Festung dient, hat er längst auch in die Sportsprache Einzug gehalten. Aktuelles Beispiel: „Wir wollten zu Hause etwas kreieren, vielleicht so eine Art Bollwerk schaffen. Das ist uns heute gelungen.“

Gesagt hat das Anthony Jung, Abwehrspieler des SV Werder Bremen, kurz nachdem seine Mannschaft am Samstag einen 2:0-Erfolg über den FC Augsburg eingefahren hatte. Was äußerst passend war. Einerseits, weil Werders Defensive über weite Strecken tatsächlich wie eine robuste Anlage zur Verteidigung des eigenen Tores agiert hatte – und andererseits, weil Innenverteidiger Jung einer der Architekten dieser Anlage war.

Werder Bremens Anthony Jung überzeugt gegen Augsburg mit 92 Prozent angekommenen Pässen und 100 Prozent Zweikampfquote

90 Minuten auf dem Platz, knapp elf Kilometer gelaufen, 92 Prozent der Pässe zum Mitspieler gebracht und sogar 100 Prozent (!) der Zweikämpfe gewonnen – so lesen sich die Zahlen, die für das Spiel auf Anthony Jungs Statistikbogen vermerkt sind und die den 32-jährigen Profi des SV Werder Bremen zum heimlichen Helden des Spiels machten.

„Es stehen ja oft diejenigen im Mittelpunkt, die Tore schießen oder vorbereiten“, sagte Clemens Fritz, Leiter Profifußball des SV Werder Bremen, am Montag im Gespräch mit der DeichStube und spielte damit in diesem Fall auf Niklas Stark und Marvin Ducksch an. Dann schob er allerdings umgehend hinterher: „In meinen Augen hat aber auch Tony ein richtig starkes Spiel gemacht. Er hat gut antizipiert, war mutig nach vorne und hat es sowohl mit als auch ohne Ball sehr gut gelöst.“

Heißt: Vor dem kommenden Spiel bei Borussia Mönchengladbach (Freitag, 20.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) besteht für Cheftrainer Ole Werner kein allzu großer Anlass, Jung von der linken Seite der Dreierkette abzuziehen – und womöglich kann er das auch gar nicht, weil Kapitän Marco Friedl bekanntlich an Adduktorenproblemen laboriert, wegen denen er schon das Augsburg-Spiel verpasst hatte. Für Anthony Jung ist es derweil schon die zweite Position, auf der er in der laufenden Saison zum Einsatz kommt – ohne ihn spielt Werder Bremen hingegen so gut wie nie.

Werder Bremens Clemens Fritz über Anthony Jung: „Tony ist als Spielertyp enorm stabil und zuverlässig“

„Tony ist als Spielertyp enorm stabil und zuverlässig. Bei ihm weißt du immer, was du kriegst, es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten“, sagte Clemens Fritz über den Linksfuß, der seit seinem Wechsel im Sommer 2021 zum SV Werder Bremen noch jeden Kontrahenten im eigenen Kader ausgestochen hat.

Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison unterliefen Jung, der damals an allen 34 Spieltagen auf der linken Schienenposition neben der Dreierkette zum Einsatz kam, zwar durchaus (zum Teil auch folgenschwere) Fehler – letztlich behauptete er sich aber trotzdem gegen Lee Buchanan, der im Sommer zurück nach England wechselte. Vor der laufenden Serie schien es für Anthony Jung dann abermals eng zu werden, Olivier Deman sollte der neue Mann für den linken Flügel sein – und ist es inzwischen auch. Gespielt hat Jung trotzdem in 14 von bisher 15 Partien, zuletzt sieben Mal in Serie als linker Part der Dreierkette des SV Werder Bremen. Gegen Augsburg, so lässt es sich getrost sagen, hat er nun seine beste Saisonleistung gezeigt – und damit fraglos Werbung in eigener Sache für weitere Einsätze betrieben. Aktuell sieht es also stark danach aus, dass in Jungs Vertrag bald eine spezielle Klausel greift.

Anthony Jungs Vertrag verlängert sich bei einer bestimmten Anzahl von Pflichtspiel-Einsätzen für den SV Werder Bremen

Im Frühjahr hatte der gebürtige Spanier mit deutschem Pass sein auslaufendes Arbeitspapier bis zum 30. Juni 2024, also um ein Jahr verlängert, obwohl ihm ursprünglich ein längerer Zeitraum vorgeschwebt hatte. Als eine Art Kompromiss einigten sich beide Seiten letztlich auf die Klausel, dass sich Jungs Vertrag bei einer bestimmten Anzahl von Pflichtspiel-Einsätzen automatisch um eine weitere Saison verlängert. Nach Informationen der DeichStube kann Anthony Jung die entscheidende Marke erst im Laufe der Rückrunde erreichen, was – sollte er verletzungsfrei bleiben – aber sehr wahrscheinlich ist. In der Vergangenheit sollen sie sich bei Werder Bremen von Jung mehr Offensivdenken auf dem Platz gewünscht haben, auf der linken Schiene naturgemäß mehr als in der Dreierkette. Aber selbst dort zeigte der Abwehrspieler während des Augsburg-Spiels plötzlich mutige, doch nie zu riskante Dribblings und Zuspiele. „Ich habe gemerkt, dass ich, wenn ich die Möglichkeit dazu habe, mit einem Antritt ins Zentrum Freiräume für die anderen schaffen kann“, sagte Jung, der den Begriff „Bollwerk“ offenbar nicht ausschließlich defensiv denkt. (dco) 

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