„Jokerson“ trifft beim 2:2 in Gladbach

Johannssons Kampf gegen den neuen Spitznamen

Aron Johannsson (r.) schreit seine Freude heraus und lässt sich von Jerome Gondorf für sein Tor zum 2:2 gegen Gladbach feiern.
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Aron Johannsson (r.) schreit seine Freude heraus und lässt sich von Jerome Gondorf für sein Tor zum 2:2 gegen Gladbach feiern.

M'Gladbach/Bremen - Der Spitzname war schnell gefunden. Nach seinem Tor zum 2:2 bei Borussia Mönchengladbach wurde aus Aron Johannsson der „Jokerson“.

Klingt erstens gut und ist zweitens auch ziemlich treffend. Denn als Einwechselspieler hat der Stürmer des SV Werder zuletzt großen Wert bewiesen für das Bremer Team. Das war dank eines Johannsson-Treffers in der 78. Minute mit einem Punkt vom Niederrhein zurück an die Weser gefahren. „Er hat einen hohen Stellenwert für uns, wenn er eingewechselt wird“, sagte Trainer Florian Kohfeldt: „Er reißt Räume auf und ist torgefährlich.“

Johannsson mit Bank-Platz unzufrieden

Aron Johannsson könnte sich sonnen in diesen Worten, die anerkennend gemeint waren. Ebenso wie er es genießen könnte, dass er nach Jahren mit langwierigen Verletzungen und tiefen sportlichen Tälern plötzlich wieder da ist. Zurück im Licht, im Lob, im Applaus. Aber Aron Johannsson wirkte am späten Freitagabend nach dem erkämpften Remis überhaupt nicht so, als wäre die Welt für ihn in Ordnung.

Und das hat auch etwas mit seinem Spitznamen zu tun. Denn Johannsson möchte kein „Jokerson“ sein, sondern viel, viel lieber ein – Achtung, noch mehr Wortakrobatik! – „Startelfson“. Und viel mehr Torjäger wäre er auch gerne gewesen in Gladbach. „Ich bin nicht so zufrieden. Ich muss hier zwei Tore machen“, kritisierte er sich selbst und meldete Ansprüche an, die nichts mit Ersatzbank und Joker-Rolle zu tun haben: „Ich bin kein Spieler, der auf der Bank glücklich ist. Im will immer von Anfang an spielen.“

Johannsson: „Ich bin nicht der perfekte Joker“

Jeder Fußballer sollte das wollen, aber bei Aron Johannsson verhält sich die Sache so: Bei seinen zwei Startelf-Einsätzen in den Punktspielen gegen den VfL Wolfsburg (3:1) und den SC Freiburg (0:1) blieb er ohne gewinnbringende Aktionen, als Joker hat er dagegen gleich mehrfach Akzente gesetzt in der Bundesliga. Der Lupfer, der auf Schalke den 2:1-Siegtreffer vorbereitete. Der Schuss, der die halbe Miete für das wichtige 1:0 gegen den HSV war. Nun der Treffer in Gladbach, der sein erster in der Bundesliga war seit einem verwandelten Elfmeter gegen den FC Augsburg im September 2016. Johannsson sieht all das, wehrt sich aber verbissen gegen den Stempel „Perfekter Joker“. „In den letzten beiden Spielen war ich das zwar, aber grundsätzlich bin ich nicht der perfekte Joker.“

Das hat Nils Petersen beim SC Freiburg auch mal von sich gedacht. Doch er ging einen Weg, der auch Johannssons Weg werden könnte. Petersen zündete zunächst nicht als Stammspieler, gewann dann mit vielen Joker-Toren das Vertrauen des Trainers zurück und ist mittlerweile unumstrittener Stammspieler im Breisgau. Johannsson steht, wenn überhaupt, am Anfang dieser Entwicklung.

Es gehört auch noch eine Portion Fantasie dazu, dass es für den Isländer mit dem US-Pass mal so kommen sollte. Allerdings ist es für Johannsson schon ein Erfolg, dass ihm wieder etwas zugetraut wird, dass er wieder ein Spieler ist, über den positiv gesprochen wird. Denn weiter entfernt von einer guten Perspektive, als er es vor kurzem noch war, kann ein Profi kaum sein.

Es mutet fast wie ein Wunder an, dass der Spieler, auf den niemand mehr auch nur einen Cent gesetzt hätte, in den vergangenen fünf Spielen mit seinem Einsatz für fünf Punkte mehr auf dem Bremer Konto gesorgt hat. Sieg statt Unentschieden gegen Schalke und den HSV, Unentschieden statt Niederlage in Gladbach. „Aron hat großen Anteil daran, dass wir diese Spiele drehen konnten. Er hat in einer wichtigen Phase der Saison eine persönlich gute Phase“, sagte Sportchef Frank Baumann über den Joker wider Willen.

„Ich muss mich manchmal kneifen, wie das letzte halbe Jahr gelaufen ist“, gab Johannsson in Gladbach zu, „es sah nicht gut aus für mich, jetzt ist alles besser. Und eigentlich müsste ich zufrieden sein mit jeder Minute, die ich auf dem Platz stehe.“

Johannsson lässt auf eine schlechte Tat zwei gute folgen

Doch die Zufriedenheit will sich nicht einstellen – nicht nach Einwechslungen, auch nicht nach einem Tor wie in Gladbach. Das erklärt sich möglicherweise mit einem Ärger auf sich selbst, den der 27-Jährige seit zwei Wochen mit sich trägt. Denn die 0:1-Niederlage beim SC Freiburg ging zu einem großen Teil auf seine Kappe. Mit einem ungeschickten Foul hatte er den Elfmeter verursacht, der zum Gegentor führte. „Es war ein großer Fehler“, meinte Johannsson, „ich verstehe, dass ich dafür bestraft wurde.“ Und zwar indem er aus der Startelf flog. So sieht er es jedenfalls. Florian Kohfeldt sieht es anders, stellt taktische Gründe für Johannssons Rolle als Ersatzmann nach vorne.

Wie auch immer: Aron Johannsson hat der schlechten Tat zwei gute folgen lassen, kann also wieder forscher nach vorne schauen. Und macht es auch: „Ich habe jetzt einen guten Eindruck gemacht und hoffe, dass ich beim nächsten Mal wieder von Anfang an spiele.“ Damit sich der neue Spitzname gar nicht erst festsetzt in den Köpfen.

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