Was bringt der Pokalsieg für das Augsburg-Spiel?
Attacke auf Nouris Fußball, und Baumann schweigt
Bremen - Endlich war es mal ein leichter Gang vor die Mikrofone und Notizblöcke – sichtlich entspannt plauderten Spieler und Coach des SV Werder nach dem DFB-Pokalspiel gegen 1899 Hoffenheim über den 1:0-Coup.
Nur einer schwieg: Frank Baumann. Selbst am Tag nach dem ersten Sieg gegen einen Bundesligisten in dieser Saison lehnte der Sportchef eine Stellungnahme ab. Dabei gibt es Themen genug wie vor allem die Verbalattacken der Hoffenheimer Verantwortlichen, die sich über Werders neue Art des Fußballs beschwerten oder die Zukunft von Alexander Nouri. Hat ihm der Sieg mit der ganz speziellen Mauertaktik wirklich Luft verschafft? Und was hat Baumanns Schweigen zu bedeuten?
Kurzer Ortswechsel: Berlin, Olympiastadion. Dort spielte am Mittwochabend Werders bis dato letzter Gegner (0:0), der in der Tabelle noch schlechter steht. Und die Kölner schafften wie die Bremer mit dem 3:1 in der Hauptstadt eine Pokalüberraschung – und jubelten fast nach jedem Tor mit ihrem Trainer. Ein ganz offensichtlicher Schulterschluss.
Im Weserstadion wurde auch gefeiert, aber von den Spielern nicht so ausgelassen – und schon gar nicht mit dem Coach. Erst nach dem Schlusspfiff gab es Umarmungen, initiiert meistens vom Coach selbst. Und auf die Frage, ob das vor allem ein Sieg für Nouri gewesen sei, dachten die Spieler stets an das große Ganze. „Der Sieg ist nicht nur für den Trainer wichtig, sondern für uns alle“, meinte zum Beispiel Zlatko Junuzovic. Das Thema schmeckte den Werder-Profis nicht – verständlicherweise. Wer spricht schon gerne öffentlich über seinen Chef?
Verwunderung über Nouris Startelf
Ähnlich verhielt es sich beim Thema Taktik. Nouri hatte die defensivste Aufstellung gewählt, die ihm personell zur Verfügung steht. „Ludwig hat zum ersten Mal in seinem Leben im linken Mittelfeld gespielt“, verriet Thomas Delaney und meinte seinen Teamkollegen Augustinsson. Der Schwede ist eigentlich linker Verteidiger. Delaney drückte damit durchaus seine Verwunderung über die Startelf aus, aber urteilte schließlich: „Der Trainer hat alles richtig gemacht.“
Die Art und Weise behagte freilich nicht jedem, schon gar nicht dem Gegner. „Werder Bremen stand ja einmal für spielerische Blüte“, meinte Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen und holte dann zum verbalen Tiefschlag aus: „Was da jetzt kommt, hat nichts mit Fußball zu tun. Kampf allein darf nicht genug sein, um Spiele zu gewinnen.“ Auch 1899-Coach Julian Nagelsmann war wenig begeistert vom Bremer Auftritt.
„Ich habe zwar mit einer defensiven Ausrichtung gerechnet, aber nicht mit vier Außenverteidigern auf dem Platz“, ätzte der junge Coach. Direkt neben ihm saß Nouri, mit dem er vor gar nicht so langer Zeit gemeinsam die Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert hatte. Nouri sprach wenige Sekunden später von einem „Plan, der aufgegangen ist“ und einem „verdienten Sieg“. Damit trieb er seinem Kollegen die Zornesröte ins Gesicht. Entweder waren sie nie Freunde, wie es Nouri mal erzählt hatte, oder sie sind es wenigstens in diesem Moment nicht mehr gewesen.
Alexander Nouri: Seine Karriere in Bildern




Ein Randaspekt. Viel interessanter war, dass Nouri nach der harschen Kritik der Kraichgauer niemand zur Hilfe kam. Eigentlich ein Job für Sportchef Baumann. Der tauchte ab. Das Ergebnis dürfte ihm gefallen haben, der Auftritt weniger. Denn der Ex-Profi hat stets betont, dass Werder für Offensivfußball steht. Das ist die Philosophie des Clubs, so will er sich möglichst auch von der Konkurrenz abheben. Im Pokal trat Werder dagegen auf wie ein Drittligist gegen einen Bundesligisten, eher auf Schadensbegrenzung bedacht. Das ist nicht neu bei Nouri. Der böse Begriff vom Angsthasenfußball macht schon länger in Bremen die Runde.
Nouri sieht das natürlich anders, er geht konsequent seinen Weg. „Wir müssen am Sonntag den gleichen Spirit an den Tag legen, füreinander fighten und vor dem Tor wieder die Entschlossenheit auf den Platz bringen“, sagte er mit Blick auf das Heimspiel gegen Augsburg. Dass Werder gegen Hoffenheim eigentlich nur ein-, zweimal gefährlich vor des Gegners Tor kam, das sagte er nicht.
Noch Defizite bei Kruse
Das muss sich ändern. Augsburg steht zwar als Tabellenzehnter mit zwölf Punkten wesentlich besser da als Werder (17. mit fünf Zählern), aber Delaney sprach dennoch ganz richtig von einem „Gegner auf Augenhöhe“. Der Däne rechnet deshalb mit einer anderen Ausrichtung: „Ich bin mir sicher, dass wir offensiver spielen werden. Es würde mich wundern, wenn dieselben elf Spieler auf dem Platz stehen würden.“ Die Mannschaft will schon immer offensiver spielen, bekommt dafür aber von Nouri kaum Lösungen präsentiert. Der setzt auf sein Defensivkonzept und vorne auf die individuelle Klasse. Max Kruse könnte da helfen, wenngleich er nach seiner Einwechslung gegen Hoffenheim (60.) noch große Defizite offenbarte nach seiner langen Verletzungspause.
Der Sieg gegen Hoffenheim hat Nouri ein bisschen Luft verschafft und den Spielern neues Selbstvertrauen. Aber das Vertrauen in den Coach wurde durch den glücklichen Erfolg basierend auf der Mauertaktik noch nicht gesteigert. Vielleicht schweigt Baumann auch deshalb. Doch ewig kann er sich vor einer Bewertung des Spiels und der Lage nicht drücken. Am Freitagmittag steht die Pressekonferenz für das Augsburg-Spiel an – mit Baumann und Nouri als Protagonisten.
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