Werder-Neuzugang in der Analyse

Auf Ekitikés Spuren? Werders neuer Mittelstürmer Quetant in der Datenanalyse

Welche Stärken und Schwächen hat Kenny Quetant und wie gut passt er zu Werder Bremen? Der Neuzugang in der Datenanalyse von „F30 Football Insights“!

Er ist jung, kommt ablösefrei und soll den Angriff des SV Werder Bremen ab der neuen Saison spürbar beleben: Kenny Quetant. In der vergangenen Woche hat der Bundesligist den Transfer des Franzosen mit haitianischen Wurzeln eingetütet, der noch ein paar Wochen beim Ligue-1-Club Le Havre AC unter Vertrag steht. Welche Qualitäten der 19-Jährige mitbringt und wie es um die Stärken sowie Schwächen des Profis bestellt ist, haben sich die Datenexperten von „F30 Football Insights“ im Auftrag der DeichStube einmal ganz genau angeschaut.

Welche Stärken und Schwächen hat Kenny Quetant und wie gut passt er zu Werder Bremen? Der Neuzugang in der Datenanalyse von „F30 Football Insights“!

Werder Bremens Neuzugang Kenny Quetant ist technisch gut ausgebildet und schnellkräftig

Spielstil: Kenny Quetant ist eine moderne Neun, heißt: technisch gut ausgebildet und schnellkräftig. In Le Havres 4-3-3- beziehungsweise 4-2-3-1-System agierte der 1,89 Meter große Rechtsfuß als zentrale Spitze, oft neben oder hinter Issa Soumaré – mit Sofiane Boufal als Kreativspieler und Rassoul Ndiaye als verbindendem Achter. Die Datenbasis ist mit 373 Profi-Minuten ziemlich dünn, zudem fielen seine Ballaktionen sehr gering aus, was vornehmlich am Konterspiel seiner Mannschaft (meiste Konterangriffe und Flanken in der Ligue 1) lag. Das Bewegungsprofil des Neuzugangs von Werder Bremen ist klar auf Tiefenläufe ausgerichtet. Quetant sucht konsequent den Raum hinter der letzten Linie, zählt in dieser Kategorie zur Elite der französischen Liga.

Trotz seiner Größe ist er kein klassischer Zielspieler, sondern bevorzugt den ersten Kontakt zum Weiterleiten von Bällen und entzieht sich dem Gegnerdruck mit geschickten Ausweichbewegungen. Auffällig ist seine Tendenz, ins rechte Halbfeld oder gar auf die Außenspur auszuweichen: 44 Prozent aller Ballaktionen fanden im rechten Drittel statt. Der Abschluss erfolgt bevorzugt kraftvoll mit der rechten Innenseite. Ohne Ball gehört Kenny Quetant zu den fleißigsten Stürmern der Liga: Der neue Angreifer des SV Werder Bremen wies in seiner Einsatzzeit die höchste Pressingintensität und die fünfthöchste Pressingeffizienz aller Ligue-1-Stürmer auf.

Sein Beitrag zur Torgefahr fiel in Form des Expected-Goals-Werts allerdings äußerst spärlich aus: 0,16 xG pro 90 Minuten war der niedrigste aller französischen Erstligastürmer in dieser Saison. Vielmehr sind es seine Scorerwerte aus der U19 sowie sein Ballgefühl und die technische Finesse für einen Spieler seiner Größe, die ihn von einem reinen Strafraumstürmer abheben und den Scouts des SV Werder Bremen aufgefallen sein dürften. Die Anlagen und Bewegungen von Kenny Quetant erinnern ein wenig an die Anfänge des schmächtigen Ex-Frankfurters Hugo Ekitiké.

Werder Bremens Sturmproblem ist struktureller Natur - wie Kenny Quetant dem SVW helfen kann

Clubmatching: Das Sturmproblem des SV Werder Bremen ist struktureller Natur. Alle Angreifer blieben in der abgelaufenen Saison hinter den Erwartungen zurück, kamen viel zu selten zum Abschluss und folglich zu einer niedrigen Chancenqualität. Auch das Pressingverhalten könnte – mit Ausnahme des fleißigen Marco Grüll – intensiver und vor allem effizienter gestaltet werden. Der angesprochene Österreicher verrichtete viel Defensivarbeit und kreierte einige Chancen per Pass oder Flanke, weicht dabei aber immer wieder auf die Flügel aus und sorgt so kaum für Tiefe oder eigene Torgefahr, erzielte alle drei (!) Saisontore als hängende Spitze und nicht in vorderster Linie.

Jovan Milosevic, Leihgabe des VfB Stuttgart, war derweil auf die eigene Boxpositionierung bedacht und wies immerhin einen im Ligavergleich durchschnittlichen xG-Wert auf, war ansonsten jedoch kaum ins Spiel integriert. Ihm fehlt es genau wie dem aktuell am Kreuzband verletzten Keke Topp an Explosivität, um sich spielerisch aus engen Räumen zu befreien. Der Gnarrenburger, meist als Joker bei drohenden Niederlagen eingesetzt, fiel vor allem durch seine Boxpräsenz auf und konnte sich trotz der fehlenden Torgefahr von Grüll und den Fitnessproblemen vom angedachten Transfercoup Victor Boniface nicht nachhaltig empfehlen. In Justin Njinmah steht zudem bereits ein Tiefenläufer im Kader des SV Werder Bremen, doch dem gebürtigen Hamburger fehlt trotz adäquater Anspiele der Punch im Abschluss.

Werder Bremens Kenny Quetant bringt ein ähnliches Profil mit wie Hugo Ekitiké vom FC Liverpool

Kenny Quetant trägt ein ähnliches Bewegungsprofil in sich, bringt mit seiner Pressingbereitschaft, seinem Tiefgang und seinem One-Touch-Spiel klare Elemente mit. In seiner Entwicklung könnte er perspektivisch in Richtung eines Profils wie Hugo Ekitiké in Liverpool geformt werden — beweglich, balljagend, mit Tiefe und Abschlussqualität. Noch fehlen dafür viele Attribute und vor allem Spielrhythmus auf Profiniveau. Er dürfte bei Werder Bremen von Kreativspielern wie Romano Schmid (sofern der Österreicher bleibt) oder Bald-Transfer Chuki profitieren, die ihn deutlich mehr ins Positionsspiel einbinden, als es im umschaltlastigen Le Havre der Fall war.

Prognose: Für die kommende Saison ist Kenny Quetant zunächst noch ein ganzes Stück vom Bundesliga-Startelfformat entfernt. Er dürfte beim SV Werder Bremen mehr einen Backup- und Perspektivspieler darstellen als einen Stürmer der ersten oder zweiten Wahl. (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Baptiste Autissier

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