Sieg gegen Union Berlin

Abweichung von Steffens Regel: Harte Arbeit statt Glanz sorgt für Werders Aufschwung

Der SV Werder Bremen fährt gegen Union Berlin wieder einen 1:0-Heimsieg ein und überzeugt mit einer neuen Herangehensweise. So schätzt Trainer Horst Steffen die Entwicklung ein.

Bremen – Als Horst Steffen vor der Saison im DeichStube-Interview auf das alte Bremer Fußballmotto von Thomas Schaaf „Lieber 5:4 statt 1:0 gewinnen“ angesprochen wurde, reagierte der Cheftrainer des SV Werder Bremen fast enthusiastisch: „Die Leute wollen etwas sehen, deshalb kommen sie ins Stadion. Über ein 1:0 spricht man im Nachgang weniger, als wenn du einen 0:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg gedreht hast.“ Gleichzeitig betonte der 56-Jährige jedoch auch: „Ich will natürlich nicht unbedingt drei Tore kassieren und lege viel Wert auf die Defensive.“ Dass Letzteres keine leere Floskel ist, zeigte sich spätestens beim 1:0-Heimsieg am Freitagabend gegen Union Berlin. Werder ließ über nahezu die gesamte Spielzeit hinweg kaum gefährliche Situationen des Gegners zu und fuhr so – knapp und etwas glücklich, aber keinesfalls unverdient – den zweiten 1:0-Heimsieg in Folge ein.

Auch dank der defensiven Stabilität in der Abwehr um Kapitän Marco Friedl hat der SV Werder Bremen von Trainer Horst Steffen einen Sieg gegen Union Berlin eingefahren.

Werder Bremen sieht nach Sieg gegen Union Berlin noch viel Arbeit - Horst Steffen froh über „ausgefahrene Ellbogen“

„Auch wenn es das minimalste Ergebnis ist, freue ich mich, wenn wir auch in Zukunft weiterhin 1:0 zu Hause gewinnen. Dann bin ich damit einverstanden“, sagte Horst Steffen grinsend nach dem Spiel. Zwar bevorzugt der Coach des SV Werder Bremen weiterhin offensiv geprägten, attraktiven Fußball – doch am Ende zählt bekanntlich das Resultat. Und am Freitagabend im Weserstadion stimmte gegen Union Berlin aus Bremer Sicht beides: Leistung und Resultat. „Das war eine Bestätigung der Trainingswoche. Die Jungs waren sehr konzentriert und fokussiert“, lobte Steffen sein Team. Auch wenn die Grün-Weißen weiterhin Entwicklungspotenzial sehen, wie Siegtorschütze Marco Grüll betonte: „Es wartet schon noch viel Arbeit auf uns. Wir müssen in unseren Aktionen noch sauberer werden, damit wir uns klare Torchancen herausspielen.“

Mit diesen Worten beschrieb der Österreicher einen wichtigen Teil der Wahrheit. Denn während sich Werder Bremen nach vielen Gegentoren zu Saisonbeginn defensiv deutlich stabilisiert hat – und speziell das Innenverteidiger-Duo Amos Pieper/Karim Coulibaly gegen die „Eisernen“ einen sehr souveränen Auftritt hinlegte – wirkt das Offensivspiel weiterhin „noch etwas bieder“, wie Pieper nach der Partie anmerkte. Kapitän Marco Friedl wurde sogar noch deutlicher und bezeichnete die erste Hälfte als „zum Anschauen extrem langweilig – bis auf ein, zwei Situationen, aber grundsätzlich nicht sonderlich gut“. Es ehrt die Werder-Profis, dass sie nach dem Sieg und nun elf Punkten aus acht Spielen nicht in Euphorie verfallen. Ihr Trainer zeigte sich angesichts des Auftritts seines Teams gegen Union Berlin deutlich zufriedener: „Ich war über die hohe Ballsicherheit sehr erfreut – und auch darüber, dass wir uns gegen die Körperlichkeit gewehrt haben. Nach Heidenheim war es wichtig, zu zeigen, dass wir auch die Ellbogen ausfahren können und da sind. Das hat die Mannschaft eindrucksvoll gezeigt.“

Werder Bremen schlägt Gegner auf Augenhöhe gegen Gegentor - und ist nach Sieg gegen Union Berlin im Soll

Damit wäre auch die zweite Hälfte der Wahrheit über Werders Auftritt beschrieben. Die Grün-Weißen zeigten nämlich speziell in puncto Intensität und Laufbereitschaft, dass sie die weitgehend enttäuschende Darbietung während des 2:2 in Heidenheim unbedingt vergessen lassen wollten. „Gerade defensiv war das schon ordentlich von allen. Alle haben geackert und das aufgewendet, was nötig war, um dieses Spiel zu ziehen“, sagte Pieper. Ein Umstand, der in den vergangenen Jahren – speziell in engen Heimspielen gegen Gegner auf Augenhöhe, die vor allem defensiv agieren – nicht immer selbstverständlich war. Doch in dieser Saison (Heidenheim ausgenommen) gelingt es Werder Bremen bislang mit Bravour, genau diese Spiele zu gewinnen – etwa gegen Gladbach, St. Pauli und nun auch Union Berlin. Auffällig dabei: Alle drei genannten Gegner wurden ohne Gegentor besiegt. „Es freut mich auch für unsere Defensive, dass wir wieder zu null gespielt haben. Das bringt Selbstvertrauen, weil man weiß: Man kann auch dreckig gewinnen, es muss nicht immer alles schön sein“, meinte Grüll.

Kurios bleibt jedoch: Aufgrund der beiden deutlichen Niederlagen in Frankfurt (1:4) und München (0:4) weist Werder Bremen weiterhin ein negatives Torverhältnis auf (-4). Die Punkteausbeute lässt dennoch nach dem ersten Saisonviertel den Schluss zu, dass Werder im Soll liegt – da waren sich nach dem Spiel alle Beteiligten einig. „Wir sind angekommen in der Liga“, betonte Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer und ergänzte: „Jedes Erfolgserlebnis tut uns gut. So bekommen wir auch mehr Vertrauen in die Spielweise, mit der Horst spielen lässt – und deshalb bin ich mit dem Oktober sehr zufrieden.“

Werder Bremen froh über Sieg gegen Union Berlin und Leistungssteigerung: „Mit der Entwicklung zufrieden“

Tatsächlich lässt sich festhalten: Nach den torreichen Spektakeln zu Saisonbeginn und der von Verletzungen und späten Transfers geprägten Sommerphase macht der SV Werder Bremen im Herbst immer mehr den Eindruck, sich nicht nur als Team zu festigen, sondern auch insgesamt weiterzuentwickeln – wenn auch nicht immer auf spektakuläre Art und Weise. „Ich bin sehr froh über die beiden Heimsiege und darüber, dass wir uns im Vergleich zum St.-Pauli-Spiel leistungsmäßig nochmal gesteigert haben. Damals haben wir uns den Sieg erzittert, heute eher erkämpft“, sagte Horst Steffen nach der Partie gegen Union Berlin und bilanzierte abschließend: „Ich bin mit der Entwicklung zufrieden, die Bilanz ist bisher absolut in Ordnung.“ Und das, obwohl der vom Cheftrainer einst gewünschte 5:4-Sieg bislang noch auf sich warten lässt. (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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