„Man hat ihn sehr gern auf dem Platz“
Lob von allen Seiten für Werders stillen Traumtorschützen Marco Grüll
Marco Grüll hat den SV Werder Bremen mit einem absoluten Traumtor zum Sieg gegen Union Berlin geschossen. Wie Grüll selbst und seine Kollegen den Treffer einordnen.
Bremen – Es hätte nun wahrlich nicht verwundert, wenn Marco Grüll zu einem ausgiebigen Freudentanz angesetzt hätte – zu schön war sein Siegtreffer gegen den 1. FC Union Berlin schließlich. Doch nun ist der Stürmer des SV Werder Bremen einerseits kein sonderlich extrovertierter Vertreter seiner Zunft, zudem traute er seinem Glück selbst nicht so richtig. Auf große Gesten verzichtete er da lieber. „Ich habe kurz gedacht, dass es eh Abseits sein wird“, sagte der Österreicher später. Peter Niemeyer als Leiter Profifußball ging es da auf der Bank übrigens ganz ähnlich, wie er später verriet. „Wir haben mehr aufs Tablet geschaut als gejubelt, weil wir auch dachten, dass es Abseits war.“ Die neue grüne Lichtshow im Weserstadion bekamen sie deshalb alle gar nicht richtig mit. „Es muss aber ganz schön gewesen sein“, meinte Niemeyer lachend. Immerhin: Nach quälend langen Sekunden durfte doch noch gefeiert werden – weil der VAR keine Einwände hatte. Grüll hat somit nun binnen einer Woche zweimal getroffen, was bei genauerer Betrachtung nicht einmal eine große Überraschung ist.
Baby- und Abschluss-Glück: Marco Grüll lässt Werder Bremen gegen Union Berlin erneut jubeln
Werders jüngste Gegner hießen schließlich 1. FC Heidenheim und eben Union Berlin – jene Clubs, gegen die der Österreicher offenkundig gern zuschlägt. Von seinen insgesamt acht Treffern für den SV Werder Bremen erzielte er deren sechs gegen die aktuellen Kontrahenten. Aktuell läuft es also wieder beim 27-Jährigen. Warum das so ist? „Am Anfang der Saison war es ein wenig umgekehrt, als das Glück nicht so da war. Da ist der eine oder andere Ball nicht reingegangen“, erklärte Marco Grüll. „Jetzt kommt das Glück wieder zurück. Ich will jetzt einfach so weitermachen und weiter Gas geben.“
Für zusätzlichen Schwung sorgt das private Glück, bereits in Heidenheim hatte der Nationalspieler seinen Treffer für Werder Bremen mit einem eindeutigen Baby-Jubel garniert. „Nächste Woche wäre der Termin, aber wann es dann wirklich so weit ist, weiß man ja nie“, sagte Marco Grüll. „Aber natürlich freue ich mich riesig drauf.“ Es passte ins Gesamtbild, dass er auch diese Worte still und zurückhaltend über die Lippen brachte und sich sowie seine Geschichte nicht zu sehr in den öffentlichen Fokus rückte. Ganz wie beim Jubeln eben, wo Trainer Horst Steffen ihm durchaus mehr Enthusiasmus ans Herz gelegt hätte. „Er ist vom Typ her sicherlich so, wie er sich gerade präsentiert hat. Trotzdem gönn ich ihm, dass er zumindest zu Hause die Sau rauslässt und sagt: Was für ein geiles Tor – und dann auch noch ein entscheidendes!“, sagte der 56-Jährige.
Keine Überraschung: Warum Werder Bremens Profis Marco Grüll das Traumtor zugetraut haben
Es war zu spüren: Nicht nur der Coach, auch Marco Grülls Teamkollegen schätzen seine Qualitäten, sind voll des Lobes für den Angreifer. „Es freut mich extrem für ihn, da er nicht nur Woche für Woche extrem hart für die Mannschaft arbeitet, viele Wege macht und viel investiert“, meinte Kapitän Marco Friedl. „Das hat er sich einfach verdient.“ Und Amos Pieper schwärmte: „Man hat ihn generell sehr gern auf dem Platz, wenn man sieht, wie viel er ackert, läuft und anbietet.“ Ein Traumtor dieser Güte habe der Innenverteidiger dem Stürmer absolut zugetraut. „Dass er solch ein Ding drin hat, sieht man ab und zu im Training“, sagte Pieper. „Das Tor passte zu einem Flutlichtspiel mit dieser Stimmung.“ Und beim nächsten Mal können dann vielleicht auch alle die zugehörige Flutlichtshow in der Arena des SV Werder Bremen gemeinsam genießen. (mbü/bvo)
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