Nach Werder-Sieg gegen FCH
Das Ende als Anfang? Werder gewinnt wieder, sorgt für Erleichterung – und hat doch keine Zeit zum Ausruhen
Der SV Werder Bremen feiert gegen den 1. FC Heidenheim den ersten Sieg seit Monaten und atmet auf, hat im Bundesliga-Abstiegskampf aber keine Zeit zum Durchschnaufen. Der DeichStube-Nachbericht.
Senne Lynen durchquerte lachend den Spielertunnel, neben ihm scherzte Cameron Puertas mit den Kollegen auf dem Weg zur Kabine. Torschütze Jovan Milosevic strahlte ebenfalls über das ganze Gesicht, während er ein Interview nach dem anderen absolvierte, und auch bei Romano Schmid gingen die Mundwinkel immer wieder nach oben. So gut war die Stimmung nach einem Spiel schon lange nicht mehr beim SV Werder Bremen gewesen, doch als der 2:0 (0:0)-Heimerfolg gegen den 1. FC Heidenheim endlich feststand, war die Ballast-Lawine förmlich zu hören, die durch das Weserstadion rauschte. Bei Spielern, Verantwortlichen und Fans. Die Situation bleibt prekär, darüber waren sich hinterher alle einig – aber immerhin gehört diese quälende Sieglos-Serie nun der Vergangenheit an. Und da darf dann kurzfristig auch mal durchgeschnauft werden. Aber nur kurz.
„Man hat den Druck gespürt“: Werder Bremen atmet nach Heimsieg gegen 1. FC Heidenheim durch
„Man hat den Druck gespürt, der auf uns lag. Wir sind Menschen!“, sagte Romano Schmid nach der Partie. „Und dann standen wir zu uns und haben uns aus dem Loch rausgeholt.“ Ebenso wie Stürmer Milosevic hatte der Österreicher in der ersten Halbzeit eine Riesenchance auf den Führungstreffer ausgelassen, doch das Team meisterte die neuerlichen Tiefschläge. „Wir hatten in den vergangenen Wochen einige Situationen, in denen die Mannschaft hätte auseinanderbrechen können“, sagte Clemens Fritz als Werder Bremens Geschäftsführer Fußball, dem die Erleichterung ebenfalls ins Gesicht geschrieben stand. „In der Halbzeit hätte auch das Finger-Pointing losgehen können. Wir haben es aber gemeinsam angepackt und gesagt: ,Männer, wir schaffen das!‘ Jetzt ist das Zählen endlich vorbei.“ Zumindest was die sieglosen Spiele angeht. Das Punktekonto benötigt dringend weiteren Zuwachs. Die Konkurrenz im Tabellenkeller sammelt fleißig Zähler, was die Bedeutung des jetzigen Bremer Erfolges nur noch weiter erhöht. Er war verpflichtend, um das rettende Ufer weiter nicht aus den Augen zu verlieren. Oder wie es Trainer Daniel Thioune ausdrückte: „Es war ein Lebenszeichen – und es war auch lebensnotwendig, wenn man auf die Tabelle schaut.“
Werder Bremen wird weitere oder noch bessere Auftritte dieser Art brauchen, um die tabellarische Intensivstation wirklich vitalisiert verlassen zu können. Der eine Sieg tut zwar gut, löst aber bei Weitem nicht alle vorhandenen Probleme in Luft auf. „Es geht nur von Woche zu Woche, und wir müssen uns darauf einstellen, dass es bis zum Schluss ein extrem harter Kampf wird“, sagte Clemens Fritz. „Alles andere wäre fahrlässig. Aber diesen Kampf nehmen wir an.“ Auch deshalb verwandelte sich die Kabine nicht automatisch in eine Partyzone. Lachende Gesichter hin oder her. „Die Jungs sollen es jetzt kurz auskosten und den Sieg genießen. Aber ab Dienstag bereiten wir uns auf Union Berlin (Sonntag, 17.30 Uhr, Anm. d. Red.) vor“, erklärte Fritz. „Wir haben nichts, worauf wir uns ausruhen können. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Wir laufen immer noch hinterher und brauchen weitere Punkte.“
Werder Bremen nach wichtigem Heimsieg gegen 1. FC Heidenheim erleichtert, aber ohne Zeit zum Verschnaufen
Aber die Zuversicht, dass gerade noch rechtzeitig die Wende gelingen kann, ist wieder größer geworden. Das Ende der Leiden soll der Anfang von etwas Besserem werden. Daniel Thioune hatte seinem Kader ohnehin auch vorher schon zugetraut, in angenehmeren Gefilden unterwegs zu sein als in den Niederungen des Klassements. „Es war schwierig, in den letzten Wochen immer wieder darüber zu reden, wie energetisch diese Mannschaft ist. Aber dieses Mal hat es jeder gesehen, was ich jeden Tag im Training sehe“, erklärte der 51-Jährige, der mit diesem Erfolgserlebnis auch seine persönliche Startbilanz bei Werder Bremen aufhübschte. Doch das war für ihn eher zweitrangig. „Ich freue mich, als Trainer ein Fußballspiel gewonnen habe. Ich habe mich aber in den letzten drei Wochen nicht treiben lassen und werde mich auch jetzt durch den Sieg nicht treiben lassen“, sagte Thioune. „Die Reise geht bis zum 34. Spieltag, vielleicht sogar noch in eine Verlängerung von zwei Spielen. Heute tut es uns als Mannschaft unheimlich gut, und dem Menschen Daniel Thioune auch.“
Es ist eine noch brüchige Basis, die der SV Werder Bremen mit dem Sieg gegen den 1. FC Heidenheim geschaffen hatte. Aber immerhin ist es eine Basis. Zumindest dann, wenn sie stabilisiert werden kann. „Es war ein Startschuss in die richtige Richtung“, meinte Romano Schmid. „Wir haben Tore geschossen, hatten Chancen ohne Ende. Das sind Gefühle, die wir in den letzten Wochen so einfach nicht hatten. Uns kann keiner den unbedingten Willen absprechen, aber dass in einer Negativserie bestimmte Sachen nicht funktionieren, ist normal und menschlich. Wir haben gezeigt, dass wir Qualität haben. Es wird weiterhin hart bleiben in den nächsten Wochen, aber wir gehen es gemeinsam an.“ (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
